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Intelligente Rezepte gegen Fachkräftemangel

Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt der 37. Jahrestagung der Gesellschaft für Informatik war neben der Logistik auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt der IT-Spezialisten. Während die so genannte Greencard für Computerexperten floppte, setzen manche Fachleute heute auf ganz andere Rezepte.

Manfred Kloiber im Gespräch mit Peter Welchering | 29.09.2007

Manfred Kloiber: Bei dem Jahrestreffen der Gesellschaft für Informatik spielte auch der Klimawandel eine Rolle. Inwiefern, Peter Welchering?

Peter Welchering: Wenn der Kohlendioxid-Ausstoß nachhaltig reduziert werden soll, um den fortschreitenden Klimawandel zu verlangsamen oder aufzuhalten, dann müssen wir auch beim Transport von Waren und Gütern effizienter werden. Und dazu können natürlich intelligente Logistik-Anwendungen, wie etwa die schlauen und autonomen Container erheblich beitragen. Modellrechnungen haben da ergeben, dass ungefähr ein Drittel des Kohlendioxid-Ausstoßes, der vom Gütertransport alljährlich verursacht wird, so eingespart werden kann, weil zum Beispiel einfach weniger LKW fahren.

Kloiber: Wie kann denn konkret das Verkehrsaufkommen mit solcher Computerhilfe reduziert werden?

Welchering: Die Container werden sich künftig ihren Verkehrsweg selbstständig suchen und planen. Und das sollen sie ähnlich machen, wie das die Datenpäckchen im Internet tun, die sich ja auch ihren Weg von Knotenrechner zu Knotenrechner suchen und dabei den optimalen Transportweg planen. So ähnlich sollen sich die intelligenten und autonomen Container selbst ihren Verkehrsweg auf Schiene, Straße oder Wasser suchen. Das führt dann zu einer besseren Auslastung der Verkehrsmittel, wie zum Beispiel der LKW oder der Binnenschiffe oder der Züge und damit zu einer höheren Umweltverträglichkeit, wie GI-Präsident Professor Matthias Jarke erläutert:

"Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, bis solche Anwendungen marktreif sind. Und erst dann kann in diesem Bereich mit Logistik-Unterstützung der Kohlendioxid-Ausstoß reduziert werden."

Kloiber: Zum Beispiel solche Logistik-Anwendungen werden ja von hoch spezialisierten Fachkräften entwickelt und programmiert. Die aber sind zurzeit Mangelware. Wie haben die Informatiker diese Situation auf ihrem Bremer Jahrestreffen bewertet?

Welchering: Der Fachkräftemangel macht natürlich auch den Mitgliedern der Gesellschaft für Informatik Sorgen, wenngleich sie erste zaghafte Anzeichen für eine mittelfristige Trendumkehr sehen. Damit diese Trendumkehr am Arbeitsmarkt nachhaltig greifen kann, fordern die Informatiker zwei Maßnahmen: Zum einen soll ausländischen Absolventen von Informatik-Studiengängen an deutschen Hochschulen der Einstieg in einen Job als Systemingenieur oder Softwarespezialist nach ihrem Studienabschluss hierzulande erleichtert werden. Da, so bemängeln die Computerwissenschaftler, seien die administrativen Hürden noch viel zu hoch. Zum anderen soll stärker für die Informatik-Berufe geworben werden. Und das nicht nur in den Gymnasien, sondern auch beispielsweise in den Realschulen, und dort dann schon in den sechsten und siebten Klassen. Professor Jarke dazu:

"Also hier deutet sich tatsächlich eine zaghafte Trendwende an. Und das ist in Bremen einerseits kontrovers diskutiert worden, nämlich die Frage, wie weit diese Trendwende greift, andererseits ist das natürlich auf dem Bremer Familientreffen der Informatiker in der Gesamtentwicklung sehr begrüßt worden."