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Internationale Tourismusbörse
Optimismus in der Reisebranche

Länder, in denen es in den vergangenen Monaten Terroranschläge gegeben hat, haben einen deutlichen Rückgang von Urlaubsbuchungen registriert. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft zeigte sich auf der Internationalen Tourismusbörse insgesamt trotzdem optimistisch, dass seine Branche trotz Terrorgefahren und Flüchtlingskrise weiter wachse.

Von Dieter Nürnberger | 08.03.2016
    Reisende bringen am 19.07.2013 auf dem Flughafen in Düsseldorf ihr Gepäck zu den Flugschaltern.
    Italien oder Spanien beispielsweise profitieren derzeit. (dpa/Weihrauch)
    Das diesjährige Partnerland der Internationalen Tourismusbörse sind die Malediven. Der Inselstaat wirbt in einem Willkommensvideo mit türkis-blauem Meer, Palmenstränden und Korallenriffen. Dass Menschenrechtler die Malediven als Diktatur mit Scharia-Gesetzgebung anprangern, spielt bei Eröffnung der weltgrößten Reisemesse keine Rolle. Der Tourismusminister des Landes und auch die deutschen Branchenvertreter klammern das Thema einfach aus.
    Terrorgefahren und Flüchtlingskrise - kann in einem solchen Umfeld der Tourismus weiterhin wachsen? Ja, sagt Michael Frenzel, der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Tourismuswirtschaft. 2015 sei ein Rekordjahr gewesen - und trotz oft schlechter Nachrichten werde dies wohl auch so weitergehen:
    "Zu einer ehrlichen Kommunikation gehört auch, dass es 100-prozentige Sicherheit nirgendwo gibt. Weder in den Urlaubsländern, noch zu Hause. Aber die Reiselust selbst ist nach wie vor sehr hoch. Und deshalb mein Optimismus - dass 2016 wiederrum ein sehr gutes und vernünftiges Jahr wird."
    Derzeit werden allerdings für Länder wie die Türkei, Ägypten oder auch Tunesien mit einem Minus von 40 Prozent deutlich weniger Buchungen registriert. Hier gab es in den vergangenen Monaten Terroranschläge.
    Norbert Fiebig vom Deutschen Reiseverband spricht deshalb von einem zweigeteilten Markt. Italien oder Spanien beispielsweise profitieren davon. Interessant: Norbert Fiebig geht für 2016 auch für Griechenland von recht guten Buchungszahlen aus:
    "Deutsche Urlauber fliegen vor allem auf die Inseln Rhodos, Kreta und Korfu. Die sind - und das muss man einräumen - weniger von den Flüchtlingsströmen betroffen."
    Der Tourismus ist eine internationale Branche mit einer multikulturellen Mitarbeiterstruktur, sagt Michael Frenzel. Der Präsident des Tourismuswirtschaftsverbandes macht darauf aufmerksam, dass schon heute 30 Prozent der Mitarbeiter hierzulande einen Migrationshintergrund habe. Das wolle man weiter fördern. Und auch vor Ort - in vielen Krisenländern könne reisen helfen:
    "Dort dazu beizutragen, ein Umfeld zu schaffen, welches Menschen nicht bewegt, ihre Heimat zu verlassen. Hier gibt es eine ganz erstaunliche Zahl: Schon heute schaffen deutsche Touristen im Ausland mehr als 750.000 Arbeitsplätze."
    Man setze somit Impulse gegen die Unsicherheit, sagen Branchenvertreter. Der Optimismus werde auch durch neueste Zahlen untermauert. Denn gab es im Januar noch eine deutliche Zurückhaltung, gehen seit Februar die Buchungszahlen in Deutschland wieder deutlich nach oben.