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StartseiteUmwelt und VerbraucherInternet-Versand hat schlechte Ökobilanz15.05.2013

Internet-Versand hat schlechte Ökobilanz

Logistik für Paketzustellung belastet die Umwelt

Viel Verpackungsmaterial, Emissionsbelastung durch Paketdienste, Retourenservice: Die Umweltbilanz des Internet-Versandhandels ist nicht gerade positiv. Doch der Onlinehandel boomt. Eine Alternative zum Einkaufen im Netz könnte die Verbindung von Offline-Shopping und Versand sein.

Von Philip Banse

Pakete bei der Deutschen Post: Immer mehr Produkte werden im Internet gekauft. (AP)
Pakete bei der Deutschen Post: Immer mehr Produkte werden im Internet gekauft. (AP)
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Simone Kreil, Künstlerin in Berlin, bestellt immer öfter Bücher und auch Kleidung im Internet. Ob das klimatisch so günstig ist? Sie hat ihre Zweifel:

"Die ganze Zeit hätte ich gesagt: Na logisch, wenn ich ins Auto steige, von hier aus in die Innenstadt fahre, wieder zurück fahre, hätte ich immer gesagt, naja, Bestellen kommt wahrscheinlich erst mal klimatisch günstiger. Aber wenn ich überlege, was da für eine Logistik dahinter ist - ich bezweifle mittlerweile, dass die Bilanz da so viel besser aussieht."

Die Zweifel sind berechtigt, obgleich wissenschaftliche Untersuchungen der Klimabilanz von Internetkäufen auch vielen Wissenschaftlern nicht bekannt sind. DHL, der Paketdienst der Deutschen Post, hat errechnet: Ein DHL-Paket auszuliefern, verbrauche 500 Gramm CO2. Damit komme ein normaler PKW - etwa auf dem Weg zum Buchladen - gerade mal 3,5 Kilometer weit. Doch deshalb ist es nicht automatisch klimafreundlicher, das Buch beim Onlinehändler zu klicken, sagen Wissenschaftler wie Kathrin Hesse. Sie berechnet am Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik Ökobilanzen von Produkten und weist darauf hin, dass die Ökobilanz eines Online-Einkaufs für jedes einzelne Produkt errechnet werden müsste, denn eine Waschmaschine sei schwerer als ein Buch:

"Wie ist das Produkt eigentlich verpackt? Ist es umweltfreundlich verpackt? Kommen Mehrwertkisten und -behälter zum Einsatz? Das hängt einfach von so vielen Kriterien ab, dass man das einfach nicht so pauschalisierend sagen kann."

Christiane Geiger hat an der TU Dortmund ein Werkzeug erstellt, mit dem Logistiker sich ihre eigene Ökobilanz berechnen können. Die Ingenieurin weist darauf hin, dass Lieferwagen der Paketdienste anderes gefahren werden als private PKW - etwa auf dem Weg zum Buchladen:

"Bei diesen Gebieten mit engem Wohnraum, beispielsweise in der Stadt, ist es so, dass die Zustellfahrzeuge viele Anfahrpunkte haben und dementsprechend oft halten und wieder anfahren müssen. Und diese Stop-and-go-Verkehre sorgen für einen sehr hohen Verbrauch und dementsprechend lösen sie auch eine entsprechende Emissionsbelastung aus."

Zudem müssten Waren der Online-Versender oft zwei oder drei Mal zugestellt werden, weil die Empfänger nicht immer zu Hause seien:

"Es gibt hier schon Lösungen wie die Paketautomaten oder auch die Abgabe des Pakets beim Wunschnachbarn. Diese Lösungen kommen aber nicht für alle Verbraucher infrage. Darüber hinaus ist auch zu berücksichtigen, dass die Kunden - je nach Größe des Pakets und Entfernung des Paketautomaten - die Paketautomaten auch mit dem Auto anfahren müssen."

Ein ganz wichtiger Faktor für eine Ökobilanz des Online-Shoppings seien die Retouren. Wer online einkauft, hat das Recht die Ware nach Kauf zurückzuschicken - Fahrten, die im stationären Handel nicht anfallen. Im Schnitt wird jeder dritte Onlinekauf zurückgeschickt. Online-Läden für Bekleidung fordern ihre Kunden geradezu auf, mehr zu bestellen und nicht Passendes wieder zurück zu senden. So kommen Portale wie Zalando auf Retourquoten jenseits der 70 Prozent. Eine klimatisch gute Lösung könnte daher die Kombination von Laden in der Stadt und Paketversand sein, sagt Keith Ulrich, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Athenga, das Klimabilanzen erstellt. Ulrich schlägt vor, die Stadt zum Showroom zu machen: Kunden können im Laden anprobieren, was die Retouren reduziert, bekommen die Ware dann aber erst abends geliefert aus einem stadtnahen Warenzentrum:

"Der große Vorteil ist, dass wir trotzdem ein Einkaufserlebnis haben, aber innerhalb der Städte müssen große Mengen von Waren nicht mehr vorgehalten werden, entsprechend ist der Flächenverbrauch innerhalb der Städte wesentlich geringer."

Online bestellen gleich Klima schonen - so einfach scheint die Rechnung nicht zu sein - ahnt auch die Berliner Künstlerin Simone Kreil:

"Es würde mich auf jeden Fall in die Bredouille bringen, denn natürlich ist es viel bequemer, man gewöhnt sich auch daran. Da das Verhalten noch mal umzustellen, das wird schwierig auf jeden Fall."

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