Mittwoch, 05. Oktober 2022

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IOC
Kein Testosteron-Grenzwert in Rio

Wer bei den olympischen Spielen in Rio Gold über 800 Meter der Frauen gewinnt, scheint schon jetzt klar zu sein: Caster Semenya aus Südafrika, die Weltmeisterin von 2009. Nach ihrem WM-Titel waren Zweifel an ihrem Geschlecht aufgekommen. Zwischenzeitlich war sie von der Bildfläche verschwunden - in dieser Saison kam sie zurück, wieder sind Diskussionen programmiert.

Von Andrea Schültke | 10.05.2016

    Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM 2015 schaut grimmig
    Caster Semenya bei der Leichtathletik-WM 2015 (imago)
    "Look at Semenya, accelerating to win at 1:56. That looks to me like someone who did enough to win and had a lot more in the tank watch out for much quicker races…"
    Sie kann noch viel schneller rennen, so der Reporter bei Eurosport über das 800 Meter Rennen von Caster Semenya. 1 Minute 58, 26 Sekunden Weltjahresbestzeit.
    Wieder lief die kraftvolle Athletin mit dem männlich wirkenden Erscheinungsbild beim Leichtathaletik-Meeting in Doha ihren Konkurrentinnen auf und davon. Für diese außergewöhnliche Leistung der Südafrikanerin sorgt wahrscheinlich auch ein natürlich erhöhter Testosteronlevel. In der Fachsprache Hyperandrogenismus. Der Umgang mit diesem Thema im Sport war immer schwierig und ist wohl immer ungerecht.
    Regel zu Testosteron-Grenzwert vom CAS ausgesetzt
    Bis zum vergangenen Sommer gab es einen Testosteron-Grenzwert für Leichtathletinnen. Wer darüber lag musste hormonsenkende Mittel nehmen um in der Frauenkonkurrenz starten zu dürfen. Vermutlich fiel auch Caster Semenya unter diese Regel. Diese wurde allerdings im vergangenen Sommer vom Internationalen Sportgerichtshof CAS aus diversen Gründen vorübergehend ausgesetzt. Eine Entscheidung, die auch für die Olympischen Spiele gilt. Auf Deutschlandfunk-Anfrage erklärte ein IOC-Sprecher zum Thema Hyperandrogenismus:
    "Es gibt keine eigenen Regeln des IOC für Rio. Es gilt das Regelwerk der Verbände, in diesem Fall das des Internationalen Leichtathletik-Verbandes IAAF."
    Das bedeutet: Athletinnen mit natürlich erhöhtem Testosteronlevel dürfen auch in Rio ohne Einnahme hormonsenkender Mittel in der Frauenkonkurrenz starten.
    Ein IOC-Papier zum Thema aus dem vergangenen November hatte vermuten lassen, das IOC könne vor den Olympischen Spielen eine eigene Regelung zum Hyperandrogenismus finden. Diese Vermutung hat sich nun erledigt, das Thema noch lange nicht.