Samstag, 15.05.2021
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteSport am Wochenende IOC: Keine Amnestie für Trainer Werner Goldmann31.03.2009

IOC: Keine Amnestie für Trainer Werner Goldmann

Vizepräsident Bach zu aktuellen Doping- und Korruptionsskandalen

Schlechte Tage für den organisierten Sport. Doping, Korruption, Inhaftierungen wie in Österreich – staatsanwaltschaftliche Ermittlungen auf allen Ebenen. IOC-Vizepräsident Thomas Bach äußert sich im Gespräch mit dem Deutschlandfunk-Sport zu aktuellen Sportskandalen – und zur Frage, ob die mutmaßlichen Doper des Team Telekom weiter um ihre Olympiamedaillen des Jahres 2000 fürchten müssen.

Von Jens Weinreich

Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (AP Archiv)
Thomas Bach, IOC-Vizepräsident und Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (AP Archiv)

Eine Tour d'Horizon durch die dunklen Seiten des Sports. Erstes Thema: Die Korruptionsfälle im Handball. Thomas Bach, der auch Chef der juristischen Kommission des IOC ist, sagt, er habe Hassan Moustafa, den Präsidenten des Welt-Handballverbandes IHF, ausdrücklich aufgefordert, eine unabhängige Kommission einzusetzen, um die Fälle zu klären. Entgegen seiner sonstigen Zurückhaltung spricht Bach von klaren Hinweisen auf Korruption.

Zweites Thema: Die Ehrenerklärungen von DDR-Leichtathletik-Trainern, die das DOSB-Präsidium bereits abgesegnet hat, noch bevor die Trainer diese Papiere unterzeichneten. DOSB-Chef Thomas Bach stellt erstmals klar, dass diese Erklärung nicht für den dopingbelasteten Trainer Werner Goldmann gilt, dessen Fall die Diskussion vor einigen Wochen ausgelöst hat.

"Ich wüsste nicht, dass Herr Goldmann zu erkennen gegeben hat, dass er dieses Papier unterschreibt. Im Augenblick gilt die klare Aussage: Herr Goldmann fällt nicht unter diese Kategorie, weil er nicht die vom DOSB genannten Bedingungen erfüllt hat."

Das heißt konkret: Für Goldmann gilt die Erklärung nicht, weil er sie nicht unterschrieben hat und weil er die vom DOSB vor Monaten genannten Bedingungen (glaubhafte Reue, Entschuldigung bei den Opfern, und weiße Weste seit 1990) nicht erfüllt, wie auch die von Bach lancierte und angeblich unabhängige Steiner-Kommission sagt.

Drittes Thema: Die Dopingermittlungen in Österreich. Bach war Chef der IOC-Disziplinarkommission, die sich mit der damaligen Blutdopingaffäre befasste. Er sagt, diese Kommission müsse unter Umständen ihre Arbeit wieder aufnehmen.

"Wir haben uns aber diese Möglichkeit expressis verbis offen gelassen in unseren Entscheidungen, weil uns eben schon in Turin bei der Dimension dieses Horrorkabinetts, in das wir da geschaut haben, die Möglichkeit nicht zu fern liegend erschien, dass es hier Weiterungen gibt. Wenn es hier neue Erkenntnisse geben sollte, die olympiarelevant sind oder werden, dann werden wir von dieser Möglichkeit der Neueröffnung dieser Disziplinarkommission Gebrauch machen."

Viertes Thema: Auch zum Dopingsystem beim ehemaligen Team Telekom und an der Universitätsklinik Freiburg gibt es seit Mai 2007 eine IOC-Kommission. Zwar hat dieses Gremium bislang kaum gehandelt, doch könnte es sportrechtlich durchaus noch Folgen haben für die betroffenen Radprofis.

Frage an Bach: Die Kommission wurde im Mai 2007 eingesetzt, es heißt, mit dieser Einsetzung würde die Verjährung aussetzen. Heißt das also: Jan Ullrich, Alexander Winokurow und Andreas Klöden müssen noch immer um ihre Medaillen, die sie bekommen haben in Sydney, fürchten?

"Ja."

Lange Frage, klare Antwort. Bach und das IOC müssen sich daran messen lassen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk