
Kritik und Rechtfertigung
Kritiker verweisen darauf, dass die vorgesehenen Tests die Privatsphäre verletzen würden. Die bloße Fokussierung auf biologische Merkmale werde zudem der Komplexität der Geschlechtsidentität nicht gerecht. So erklärte etwa die Direktorin der "Sport & Rights Alliance", Andrea Flores: "Geschlechtsspezifische Kontrollen und Ausgrenzung schaden allen Frauen und Mädchen und untergraben genau jene Würde und Fairness, für die sich das IOC angeblich einsetzt."
Befürworter verweisen hingegen auf mögliche Wettbewerbsverzerrungen etwa in besonders athletisch geprägten Disziplinen. In diesem Sinne argumentiert auch die IOC-Präsidentin, die selbst Doppel-Olympiasiegerin im Schwimmen ist: "Bei den Olympischen Spielen können selbst kleinste Unterschiede über Sieg oder Niederlage entscheiden. Es ist daher völlig klar, dass es nicht fair wäre, wenn biologische Männer in der Frauenklasse antreten würden. Zudem wäre dies in manchen Sportarten schlichtweg nicht sicher."
So stellt das IOC in seinen neuen Richtlinien fest, dass als Männer geborene Sportler körperliche Vorteile hätten, die sie auch nach der Geschlechtsanpassung als Frau behielten. In Männer-Wettbewerben sowie Events, in denen es keine Einteilung nach Geschlecht gibt, dürften Transfrauen hingegen auch in Zukunft nach erfolgreicher Qualifikation starten.
Einmaliger Test
Laut der IOC-Richtlinie müssen Athletinnen nur einmal den Test vornehmen lassen, sofern es keine Zweifel am Ergebnis gibt. Danach seien sie dauerhaft für Wettbewerbe zugelassen. Konkret reicht ein Wangenabstrich oder eine Blutabnahme. Davor soll zunächst ein ausführliches Aufklärungsgespräch stattfinden.
Schon früher gab es in der olympischen Welt Geschlechtertests. So führte das IOC vor den Olympischen Spielen 1968 Abstrich-Tests zur Bestimmung der Geschlechts-Chromosomen ein. Nach Problemen und Widerständen stellte das IOC die generelle Testung 1999 ein.
Transmenschen oder Transgender sind Personen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugeschrieben wurde.
Diese Nachricht wurde am 27.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
