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StartseiteSpielweisenZwischen Tradition und Moderne03.07.2019

Iranische KlaviermusikZwischen Tradition und Moderne

Ende des 19. Jahrhunderts entstand im Iran klassische Musik, die die traditionelle iranische Musik mit den Harmonien und Regeln der klassischen westlichen Musik verband. Das Klavier nahm hierbei eine besondere Stellung ein, sagt die Pianistin Layla Ramezan.

Pianistin Layla Ramezan im Gespräch mit Susann El Kassar

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Eine Frau sitzt auf großen Steinstufen und blickt entschlossen in die Kamera. (M. Amini)
Bekam im Iran ihren ersten Klavierunterricht, wanderte dann mit 17 nach Frankreich aus: die Pianistin Layla Ramezan. (M. Amini)

Das Klavier sei das erste Instrument gewesen, das den Komponisten so eine Vielfalt an Stimmen geboten habe, erklärt die Pianistin Layla Ramezan:

"Man kann mit beiden Händen gleichzeitig spielen und so viele verschiedene Klänge produzieren, das ist mit keinem traditionellen iranischen Instrument möglich. Die Komponisten konnten mit ganz neuen Harmonien experimentieren, die es in der iranischen Musik vorher einfach nicht gab."

Ein Beispiel für diese neue Harmoniesprache aus Jazz, serieller Musik und traditioneller iranischer Musik ist "Scheherazade" von Alireza Mashayekhi. Dieser Klavierzyklus von 1992 spiegelt für Layla Ramezan die zwei Gesichter des Irans von heute: eine Kombination aus Moderne und Tradition.

Liebe, die niemals erreicht werden kann

Mashayekhi wirft mit Scheherazade einen persönlichen Blick auf diese alte Geschichte. Der Prinz nimmt Scheherazade gefangen, er gerät in den Bann ihrer Geschichten. Und fragt sich nach einigen Tagen, wer eigentlich der Gefangene sei, er oder Scheherazade? Mashayekhi greife damit ein typisches orientalisches Motiv auf, sagt Ramezan, nämlich das der unerreichbaren Liebe. "Der Komponist legt der Geschichte ein psychologisches Phänomen zugrunde: Nämlich dass man sich selbst hinterfragt, wenn man sich verliebt. Der Prinz erkennt, dass all seine Kriege umsonst waren, seine Macht nutzlos, er merkt, dass er sich in Scherehzerade, seine Gefangene, verliebt hat und geht daraufhin in die Wüste, um dort den Tod zu finden." Mashayekhi hat die Klaviermusik und auch die Erzählung geschrieben. Layla Ramezan hat Djamchid Chemirani gebeten, den Text zu lesen und sein Sohn, Keyvan Chemirani improvisiert dazu auf den typisch iranischen Instruemten Zarb und Santur. "Ich suchte einen Künstler, der wie ich iranische Wurzeln hat", erklärt die Pianistin", der sich aber auch in der klassischen westlichen Musik bewegt." Keyvan Chemirani betone mit seinen Improvisationen den Rhythmus der Sprache und mache das Persische so allen zugänglicher.     

Gute Resonanz im Iran

Layla Ramezan hat ihr Projekt "100 Jahre iranischer Klaviermusik" im Dezember 2014 im Iran vorgestellt, sie hat in zwei Konzerten Werke von 21 iranischen Komponisten gespielt. Die Resonanz innerhalb der zeitgenössischen Musikszene sei groß gewesen, erinnert sich Ramezan. Das mache sie glücklich. Layla Ramezan ist nach der Revolution 1979 geboren, damals war Klavierunterricht verboten, sie musste Privatstunden nehmen. Mit 17 ist sie nach Frankreich ausgewandert. Seit 2001/2002 habe sich der Iran aber bezüglich klassischer Musik wieder geöffnet. Es gäbe Kurse über klassische Musik an Universitäten, eine junge Generation von Komponisten sei gewachsen. Klaviermusik von ihnen wird Layla Ramezan auf der dritten von insgesamt vier CDs zum Projekt "100 Jahre iranischer Musik" aufnehmen.

Scheherazade von Alireza Mashayekhi
Layla Ramezan, Klavier
Djamchid Chemirani, Erzählung
Keyvan Chemirani, Zarb und Santur
paraty

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