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StartseiteCorsoAb in die Tonne!08.02.2019

Is was?! Aufreger der WocheAb in die Tonne!

Erinnerung: Das entscheidende Gebot ist gemacht, der Hammer gefallen, da gleitet das Bild sanft aus dem Rahmen, beginnt, sich zu schreddern - und hängt nun halb geschnippselt in der Kunsthalle Baden-Baden. Wertsteigerung via Zerstörung - ist das ein Anlagetip? Oder kann das weg?

Von Stefan Reusch

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Im Museum Frieder Burda in Baden-Baden wird das geschredderte Banksy Bild "Love is in the Bin" aufgehängt. (Uli Deck/dpa)
Geschreddertes Banksy-Bild in Baden-Baden (Uli Deck/dpa)
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"Alles ab in die Tonne" - scheint das Gebot der Stunde. Die SPD will Hartz4 in die Tonne kloppen, hoffend, dass dann in dieser für sie kein Platz mehr sei. Russen und Amis kloppen den atomaren Abrüstungsvertrag in die Tonne. Beim Oscar kloppen sie den Moderator in die Tonne, bei uns bald die “Lindenstraße”, Großbritannien und den Otto-Katalog. Als könne man einfach alles, was einen stört, wegwerfen. Kaputtmachen ist keine Kunst. Ausnahme: Der Kunstproduzent will es so.

Die Kunst des Schredderns

"Den Künstler macht es fett und fit / sein Bild, wenn’s durch den Schredder schritt." 

"Girl with Balloon", so heißt – so hieß - das Banksy-Bild, das nun in der Baden-Badener Kunsthalle abhängt, unter neuem Namen "Love is in the Bin" ("Die Liebe ist in der Tonne") und etwa doppelt so wertvoll wie zuvor, weil: halb geschreddert.

Nein, das ist nicht übertragbar! Der Kunstmarkt hat eigene Gesetze. Geschredderte männliche Küken können davon ein Lied singen - beziehungsweise eben nicht. Die sind einfach nur für die Tonne, wertlos.

Relativ wertlos

Jetzt gibt es in Deutschland ein neues Tierwohllabel. Aus Kükensicht ist auch das für die Tonne und wertlos. Es gilt nur für Schweine, aber auch nicht sehr strikt. Schuld an der Laxheit sind wir Verbraucher! Denn hören wir "Mehr Platz für Schweine", dann denken wir "Oh, größere Teller". Ja, so sind wir. Das Schwein ist uns Wurst, der Rest kommt in die Tonne.

In China steht das grunzgütige Schwein für Glück und Geld, und vor allem für Frieden, Mut und Sanftmut. Nun hat soeben das Jahr des Schweins begonnen - und: Wo sind Frieden und Sanftmut? Schon in der Tonne? Verschwunden, ein für allemal? Wie ein lieber Mensch, der eben noch unter uns weilte, und nun – nun ja - unter uns weilt? Wie der Chef einer Kryptobörse? Er starb jüngst und mit ihm der Schlüssel zu 190 Millionen Dollar, weil nur der Verstorbene das Konto-Passwort kannte. Das ist nun seine Grabbeigabe.

Für die Tonne, ja, aber weiß Gott nicht wertlos. Folglich: große Kunst.

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