Freitag, 12. August 2022

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Is was!?
Der satirische Wochenrückblick

Herbert Grönemeyer hat ein neues Studioalbum und auch andere deutsche Stars haben sich im Studio zusammengetan, um gemeinsam zu singen: Mit einem Benefiz-Song wollen sie Spenden für Ebola-Infizierte sammeln - und läuten mit der Coverversion von "Do they know it's Christmas?" wenig originell den Vorweihnachtskommerz ein.

Von Klaus Nothnagel | 21.11.2014

    "Liegen meine Sterne im Gewühl, fangen die Tage an mit mir zu streiten", singt's aus meinem Lautsprecher. Nanu – Sterne im Gewühl? Hat da einer seine Medikamente nicht genommen? Oder eine Pille zu viel? Nein, es ist Herbert Grönemeyers neue CD, und was er singt, ist Lyrik, und Lyrik muss dunkel und kaum begreiflich sein. "Du bist mein Vorbote, meine Batterie, mein Betrieb" - ach schön, jetzt hab ich doch was verstanden. "Du bist mein Betrieb".
    Gleich noch ein Rätsel aus der deutschen Popkultur: Wer wird hier charakterisiert? "Er gibt sich als pessimistischer Mensch und tritt betont anarchistisch auf. Diese Haltungen spiegeln sich in seiner abgetragenen Kleidung, der Frisur und den Texten seiner Lieder wider." Klar. Das ist Udo Lindenberg, wie wir ihn kennen und wie die Stilisten von der Stasi ihn vor 30 Jahren gekonnt beschrieben.
    Der gleichgültige, pessimistische Mensch trat auch diese Woche wieder betont anarchistisch auf, als er beim Einchecken am Hamburger Flughafen eine Schusswaffe im Gepäck hatte. Die Waffe gehörte angeblich einem Leibwächter, Lindenberg durfte abfliegen, und der Vorfall hinderte ihn leider auch nicht daran, bei der deutschen Version des Benefizsongs "Do they know it's Christmas?" mitzusingen. Bob Geldof - der immer mehr wie die lustige alte Hexe aus dem Weihnachtsmärchen aussieht - hat in Ermanglung neuer Ideen seine 30 Jahre alte, seifig-sentimentale Wohltätigkeitsballade mit neuen Künstlern aufgenommen und ließ jetzt eine deutsche Version herstellen.Campino von den Toten Hosen erzählte den Medien, man habe aus dem deutschen Text die ärgsten Flachheiten rausgestrichen, zum Beispiel die Übersetzung der tiefsinnigen Worte "There won't be Snow in Africa"!
    Trotzdem kein weiteres Wort gegen diese CD – denn erstens sind wir diese Woche besonders tolerant, und zweitens kommt der Erlös des Gesinges der Bekämpfung von Ebola zugute, und dass kurz vor Weihnachten verlässlich jedes Jahr die Saison für Menschlichkeit und Mitgefühl ausbricht, hat mich schon immer zutiefst gerührt.
    Was war noch diese Woche? Über die Schach-WM in Sotschi las ich bei "Zeit Online": "Im Schach zählt nicht nur das Hier und Jetzt, sondern auch das Dort und Dann" - schön, dass dieses klärende Wort mal gesagt wurde, während die Kontrahenten wohl weiterspielen werden, bis sich Spinnweben an ihren aufgestützten Armen bilden.
    Und schließlich noch schöne Nachrichten aus meinem Lieblings-Land, dem aufstrebenden Sportstandort Katar: Dort wird nach den Fußball-, Handball-, Straßenrad- und Schwimm-Weltmeisterschaften auch die Leichtathletik-WM 2019 stattfinden. Leichtathletik wird in dem Wüstenstaat traditionell genauso begeistert verfolgt wie die Menschenrechte, und Korruption ist in Katar zum Glück auch gänzlich unbekannt. Ausgezeichnet.