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Israel und die Basketball-EM"Im Sport sind wir ein Teil von Europa"

Die ersten Spiele der Basketball-EM bestreitet die deutsche Nationalmannschaft in Tel Aviv. Israel gehört sportpolitisch zu Europa, weil sich viele arabische Länder des Nahen Ostens weigern, gegen das Land zu spielen. Die Entwicklung des Basketballs dort ist eng verknüpft mit der bewegten Geschichte des Landes.

Von Benjamin Hammer | 30.08.2017

Basketball-EM-Arena von Tel Aviv von außen
In der Arena von Tel Aviv finden Spiele der Basketball-EM 2017 statt. (Deutschlandradio / Benjamin Hammer)
Soundcheck in der EM-Arena von Tel Aviv. Kurz vor Beginn des Turniers testen die Techniker auch schon mal die Anzeigetafeln. "Deutschland-Ukraine" steht darauf. In der ganzen Stadt wehen bereits die Flaggen des EM-Turniers. Für den Sprecher des israelischen Basketballverbandes ist das alles ein ganz großes Ding. "Wir sind sehr stolz, dass wir die EM zum ersten Mal im eigenen Land haben", sagt Hagay Segal. "Unser Land liebt den Basketball. Wir haben hier eine lange Tradition."
Israel liegt geographisch in Asien, nicht in Europa. Trotzdem nimmt das Land an fast allen europäischen Sportwettbewerben teil. Verfeindete arabische Länder würden sich weigern, gegen Israel zu spielen. "Das hat eben historische Gründe", sagt der Verbandssprecher. "Ich denke, wir sind nicht mehr willkommen in Asien. Aber Europa tut uns gut: Das Niveau ist hoch. Im Sport sind wir ein Teil von Europa."
Wer israelische Basketball-Funktionäre in diesen Tagen fragt, welcher Sport in Israel denn am populärsten ist, der bekommt eine ehrliche, vielleicht etwas zähneknirschende Antwort: Fußball. Doch immer kommt auch ein Hinweis: Fußball sei vielleicht beliebt, die israelischen Teams jedoch nicht erfolgreich. Beim Basketball sei das anders: Der Sport sei populär und international erfolgreich. So hat allein Maccabi Tel Aviv den europäischen Vereinspokal sechs Mal gewonnen.
Seit 1977 ist Israel eine Basketball-Nation
Im Februar 1977 gelingt Maccabi Tel Aviv ein Sieg, der Israel endgültig zu einer Basketball-Nation macht. Im Halbfinale des Europapokals gewinnt Tel Aviv gegen die haushoch favorisierte Mannschaft von ZSKA Moskau. Das Spiel muss auf neutralem Boden in Belgien ausgetragen werden, weil sich die Mannschaft aus der Sowjetunion weigert, in Israel zu spielen - aus politischen Gründen.
Nach dem Sieg bricht es aus einem Spieler der Israelis förmlich heraus: "Der Staat Israel ist jetzt auf der Landkarte und Israel wird auf dieser Landkarte bleiben", sagt er. "Im Sport und in allen anderen Bereichen." Der Spieler heißt Tal Brody und ist heute in Israel eine Legende. Der gebürtige jüdische US-Amerikaner hätte auch in der NBA spielen können. Er entschied sich anders und gewann mit Maccabi Tel Aviv nach dem Sieg gegen Moskau auch das Finale des Europapokals.
Der jüdische US-amerikanische Basketballer Tal Brody
Der jüdische, US-amerikanische Basketballer Tal Brody ist in Israel eine Legende (Deutschlandradio / Benjamin Hammer)
"Unser Land hatte zuvor jahrelang getrauert", sagt Tal Brody heute. 1972 wurden elf israelische Sportler bei den Olympischen Spielen von München bei einer Geiselnahme getötet. Ein Jahr später wurde Israel angegriffen, im Krieg starben viele israelische Soldaten. Der Basketball und unser Sieg 1977 hatten dann einen enormen Einfluss auf den Geist unseres Landes und unseren Stolz."
Als Tal Brody in den 60er-Jahren nach Israel kam, da wurden die Spiele noch im Freien ausgetragen. Manchmal peitsche der Wüstensand über das Spielfeld. In der EM-Arena von Tel Aviv geht es heute deutlich komfortabler zu. Tal Brody wird sich alle Spiele der Israelis anschauen. Er hofft, dass Israel auch die Partie am Sonntag gegen Deutschland gewinnt. "Die anderen Teams sind stark", sagt Brody. "Aber wir haben den Heimvorteil und fantastische Fans."