Nahost
Israel verstärkt Einsatz im Gazastreifen mit Bodentruppen - Kritik von EU und Deutschland

Fast zwei Jahre nach Beginn des Gaza-Krieges hat die israelische Armee mit ihrer angekündigten Bodenoffensive in der Stadt Gaza begonnen. Nach Angaben des Armeechefs wurde der Einsatz nach ausführlichen Debatten mit der politischen Führung in den letzten 24 Stunden erheblich ausgeweitet. Kritik am Vorgehen kommt von der EU-Kommission und von Außenminister Wadephul

    Rauchwolken nach Angriffen der israelischen Armee im Gazastrefen
    Israel weitet Offensive gegen Gaza-Stadt aus (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Leo Correa)
    Armeechef Samir erklärte, die Armee gehe "tief im Gebiet" vor. Dabei komme eine Kombination aus "Bodentruppen, Präzisionsschlägen und hochwertigen Geheimdienstinformationen" zum Einsatz. Ziel sei es, die Angriffe auf die Hamas zu verstärken, "bis sie endgültig besiegt ist".
    Ein Militärvertreter sagte, die Armee rücke "in Richtung Zentrum der Stadt Gaza vor". Nach seinen Angaben startete die Armee damit die "Hauptphase" des Kampfes gegen die Hamas. Die Armee gehe von "2000 bis 3000" Hamas-Kämpfern in dem Gebiet aus. Augenzeugen berichteten von heftigen Angriffen auf die Stadt. Häuser seien zerstört, Bewohner unter den Trümmern verschüttet. Nach Angaben eines Sprechers des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes im Gazastreifen wurden in dem Gebiet allein am Dienstag durch israelischen Beschuss 44 Menschen getötet.

    Kritik von Außenminister Wadephul

    Bundesaußenminister Wadephul hat die israelische Bodenoffensive in der Stadt Gaza kritisiert. Er sagte, Israels Weg, das Problem mit der Hamas zu lösen, sei aus deutscher Sicht derzeit nicht der Richtige. Das werde die Bundesrepublik mit allen diplomatischen Mitteln deutlich machen.
    Wadephul kündigte an, an einer von Frankreich initiierten Konferenz zur Anerkennung Palästinas als eigenständigem Staat teilzunehmen. Ziel bleibe eine Zweistaaten-Lösung. Wadephul appellierte sowohl an Israel als auch an die Hamas, eine Waffenruhe und ein Geiselabkommen zu vereinbaren.

    Überfall auf Israel vor fast genau zwei Jahren

    Die islamistische Hamas und ihre Verbündeten hatten Israel am 7. Oktober 2023 überfallen und damit den Gaza-Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 weitere wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot. Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 64.900 Menschen getötet.
    Diese Nachricht wurde am 17.09.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.