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IT im Altenheim

Technologie. - Der Anteil der pflegebedürfigen Menschen in Deutschland steigt. Doch die Zahl der Menschen, die sie pflegen könnten, wird sinken. Auswege aus dem Dilemma bietet die Technik, einige von ihnen wurden auf der Messe "Altenpflege" in Hannover vorgestellt.

Von Michael Engel |
    "Seien Sie nicht beunruhigt. Ihr Notrufgerät holt Hilfe herbei!"

    Während die freundliche Stimme "automatisch" tröstet, rücken Mitarbeiter der Notrufzentrale aus, um dem alten Menschen zu helfen. Solche "Notrufsysteme" gibt es neuerdings im Handy mit integriertem GPS-Ortungssystem: Hilflose Seniorinnen und Senioren müssen nur den roten Knopf betätigen. Siemens stellt auf der Messe Altenpflege ein "Alarmierungssystem" vor, das einen "stillen Alarm" auslöst, um verwirrte Bewohner von Pflegeeinrichtungen zu überwachen, wie Jens Peter Lichtenberg aus Frankfurt erklärt.

    "Und im Falle, dass ein solches Gerät feststellt, dass es in einen Bereich kommt, wo es nicht sein darf, beispielsweise den Ausgangsbereich eines Hauses, und ein Patient also dement ist und nicht weiß, dass er da nicht raus darf, dann würde dieses Gerät automatisch den zuständigen Pfleger rufen, der wird dann eine Ansage in seinem Telefon hören - "Wegläuferalarm" bitte hören Sie auf die Ortsinformation – und der Pfleger kann dann, selbst wenn der Patient sich weiter bewegt, einfach am Telefon bleiben. Er bekommt dann Ortungsinformationen von diesem Gerät ständig zugespielt. Es ist nicht mit festhalten in dem Sinne, sondern einfach ein elektronischer Patientenbegleiter, der einfach nur aufpasst, wo sich diese Person hineinbewegt."

    Erfolgreich erprobt wurde das Alarmierungssystem in einer bremischen Einrichtung der forensischen Psychiatrie. Nun auch für dementiell erkrankte "Weglaufpatienten"? Entwicklungen wie diese firmieren unter dem Begriff "Pflegetelematik" - einer Verschmelzung aus Pflege, Tele und Informatik. So zeigt die britische Firma Tunstall einen "Funk-Medikamentenspender", der Pillen zu vorgegebener Zeit ausgibt. Thomas Gerke:

    "Wenn Sie diese Tabletten nicht entnehmen und ihre Medikamente sozusagen nicht zeitnah einnehmen, wird dann entsprechend ein Alarm an das Hausnotrufgerät gesendet, und das ruft in der Zentrale an. Und die Zentrale sieht, dass der Patient seine Medikamente nicht eingenommen hat. Somit bietet sich der Zentrale die Möglichkeit nachzufragen, warum er die nicht eingenommen hat und eventuell auch mitzubekommen, dass dort etwas Schlimmeres passiert ist, nicht nur die Medikamenteneinnahme vergessen worden ist, sondern dass derjenige vielleicht gestürzt ist und vielleicht keine Möglichkeit mehr hatte, einen Handsender oder Ähnliches auszulösen."

    Tanzmusik aus den 30er Jahren – auch das ist Pflegetelematik. Das Langenhagener Unternehmen Plejaden entwickelte mit Unterstützung von Psychologen, Pflegekräften und Sozialarbeitern ein Internetportal für Altenheime. Weil schon heute das Personal fehlt, das sich um die Betreuung der alten Menschen kümmern kann, bietet das Portal ein Gedächtnistraining an. Abrufbar per Touchscreen, wie Andreas Falke erklärt.

    "Wenn ich auf das Quiz draufgehe, dann sehen Sie, werden einem Fragen gestellt, welche der vier Pflanzen ist kein Gemüse? Und man bekommt entsprechende Antwortmöglichkeiten wie in diesem Beispiel: Möhre, Pflaume, Erbse oder Kartoffel. Und man wird gelobt, wenn man’s gut gemacht hat und dass man weitermachen soll."

    Im Jahre 2050 gibt es mehr als zehn Millionen Menschen über 80 in Deutschland. Pflegetelematik ist da ein riesiger Markt. Und so kümmern sich auch große Kommunikationsunternehmen wie Philips um neue Möglichkeiten.

    "Wir haben zum Beispiel in unserer Forschungszentrale in Eindhoven in den Niederlanden ein sogenanntes CareLab, wo wir ältere Menschen in der Auseinandersetzung mit unseren Produkten letztendlich befragen, wie gut sie mit unseren Produkten umgehen, und wie altersgerecht diese Produkte für den weiteren Einsatz sind. Und diese "Alterslaboratorien" - wenn sie so wollen – bieten uns eben die Möglichkeit, über diese Erfahrungen mit älteren Menschen unsere Produktentwicklung in diesem Bereich voranzutreiben."

    So denkt Philips vor allem an fernsehgestützte Bildtelefonie, damit alte Menschen zuhause und auch im Pflegeheim besser kommunizieren können. Mit Verwandten und Freunden, für Bestellungen im Versandhandel, Rückfragen beim Pflegedienst.