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Italiens Verbandspräsident Gravina tritt nach Debakel von Fußball-Nationalmannschaft in WM-Qualifikation zurück

Der Präsident des italienischen Fußballverbands, Gabriele Gravina, ist zwei Tage nach dem Scheitern der Nationalmannschaft in den WM-Playoffs zurückgetreten.

    Der Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC, Gabriele Gravina, steht vor einer weißen Wand und einer weißen Fahne. Er trägt ein dunkelblaues Jackett und spricht in eine Mikrofon, das er mit beiden Händen hält.
    Zurückgetreten: Der Präsident des italienischen Fußballverbands FIGC, Gabriele Gravina. (picture alliance / NurPhoto / Domenico Cippitelli)
    Dies wurde nach einer Sondersitzung des Präsidiums bekannt gegeben. Am 22. Juni soll es demnach Neuwahlen geben. Die italienische Mannschaft hatte am Dienstag zum dritten Mal in Folge die Teilnehme an einer WM-Endrunde verpasst. Der viermalige Weltmeister unterlag Bosnien-Herzegowina im Elfmeterschießen. 
    Neben dem Verbandspräsidenten trat auch der italienische Sportchef Gianluigi Buffon zurück. Dies teilte der Weltmeister-Torhüter von 2006 in einem emotionalen Post auf Instagram mit.

    Mehrere Kandidaten für die Nachfolge

    Als aussichtsreichster Kandiodat für die Nachfolge Gravinas gilt der frühere Präsident des Nationalen Olympischen Komitees, Malagò. Genannt werden zudem der allerdings ebenfalls in der Kritik stehende Nationaltrainer Gennaro Gattuso sowie der Trainer des SC Neapel, Antonio Conte und Roberto Mancini, Italiens Europameistertrainer von 2021.

    Kritik auch aus der Politik

    Die Personalie Gravina war in Italien zum Politikum geworden. Zunächst hatte die Regierungspartei Lega den Rücktritt des 72-Jährigen gefordert, Sportminister Abodi sowie Teile des Parlaments schlossen sich an. Abodi sagte: "Es ist offenkundig, dass der italienische Fußball neu aufgebaut werden muss. Dieser Prozess muss mit einer Erneuerung der Verbandsspitze beginnen."

    Meloni soll Parlament berichten

    40 Senatoren aus Regierungskoalition und Opposition unterzeichneten darüber hinaus einen Antrag, indem Ministerpräsidentin Meloni aufgefordert wird, "dringend" vor dem Parlament über den Zustand des italienischen Fußballs zu berichten. Das wiederholte Verpassen der WM sei nicht nur eine sportliche Niederlage, "sondern ein Rückschlag für einen der wichtigsten sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereiche des Landes".

    UEFA-Präsident kritisiert politische Einflussnahme

    Einen ersten konkreten Vorschlag zur Umstrukturierung brachte Senatspräsident Ignazio Larussa ein. Die Klubs sollten demnach dazu verpflichtet werden, mindestens vier italienische Spieler über die gesamte Spielzeit einzusetzen.
    UEFA-Präsident Aleksander Ceferin sieht in der politischen Einflussnahme ein Kernproblem des italienischen Fußballs. "Vielleicht sollten sich italienische Politiker fragen, warum Italien eine der schlechtesten Fußball-Infrastrukturen Europas hat", sagte der 58-Jährige der Gazzetta dello Sport: "Das größte Problem im italienischen Fußball ist das Verhältnis zwischen Fußballpolitik und 'normaler' Politik. Würden alle an einem Strang ziehen, wäre Italien bald wieder Europa- und Weltmeister."
    Diese Nachricht wurde am 02.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.