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StartseiteCorsoJazzpop mit Szenen einer Ehe11.07.2019

Jamie CullumJazzpop mit Szenen einer Ehe

Aufbruchstimmung bei Jamie Cullum: Weil er einen neuen Sound wollte, mischt der britische Musiker jetzt weniger Jazz- und mehr Pop-, Funk- und Soul-Elemente in seine Songs. In den Texten gibt er Einblick in sein Seelenleben und den Ehealltag.

Von Christiane Rebmann

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Jamie Cullum, englischer Sänger und Songwriter, spielt auf der Hauptbühne des Elbjazz-Festivals.  (picture alliance/Markus Scholz/dpa)
Jamie Cullum - hier beim Hamburger Elbjazz-Festival (picture alliance/Markus Scholz/dpa)
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Mit dem Titel "Taller" für das neue Album wollte Jamie Cullum Journalisten eine Steilvorlage bieten - was funktioniert hat. Man habe ihn tatsächlich gefragt, ob er lieber größer sei, erzählt der 39-Jährige, der sich gern darüber lustig macht, dass er mit seinen 1,60 einen Kopf kleiner ist als Ehefrau Sophie Dahl.

Der Titel sei ein Hinweis darauf, dass er an seiner Entwicklung als Musiker gearbeitet habe. Sein Falsett hat er ausgebaut. Und während er früher gern Jazz-Standards seiner Idole interpretierte, verlässt er sich jetzt lieber auf eigene Kompositionen. Und die sind eher dem Pop, Soul und Funk zugeneigt als dem Jazz. Ein gutes Beispiel ist die funkige Prince-Hommage "Usher" mit ihren satten Bläsersätzen.

Vaterpflichten und Gattinnen-Wehmut

Ein Teil des Songs entstand, als Cullum und seine Frau morgens um 5:00 versuchten, die beiden hellwachen kleinen Töchter zum Schlafen zu bringen, während nebenbei im Fernsehen eine Sendung über den R&B-Star Usher lief. Sie habe Usher mal ganz gut gekannt, bemerkte seine Frau mit einer gewissen Wehmut. "Sie hatte das Gefühl, dass sich ihr Leben sehr verändert hatte, seit sie 21 war und Usher kannte."

Auch das ist Teil seiner Entwicklung: Jamie Cullum hat gelernt, seine Gefühle nicht mehr zu verstecken. "Offener über meine Verletzlichkeit zu sprechen. Über Dinge zu sprechen, die mir Sorgen machen. Denn das ist ja eine Stärke." Was ihn umtreibt, beschreibt er unter anderem in der Ballade "Life is Grey":

"Es gibt so viele äußere Einflüsse, die dafür sorgen, dass ich mich ängstlich und verunsichert fühle. Der Song "Life is Grey" ist beeinflusst vom Brand in den Grenfell Towers in London, von der Flüchtlingskrise, der Tatsache, dass wir gerade so viele irre Regierungschefs haben und dem Brexit."

Brexit? "Ein riesiges Chaos"

Der Brexit ist auch indirekt Thema im Stück "The Age of Anxiety":

"Einer der negativen Aspekte am Brexit ist, dass er auch Rassismus schürt und sich gegen Immigranten stellt. Das alles ist ein riesiges Chaos, das sehr viele Menschen sehr ärgerlich macht."

Ob er seine Töchter richtig erzieht, fragt er sich auch in diesem Lied. Er selbst war als Kind nicht britischer Vorfahren streng britisch gedrillt worden – offensichtlich, weil seine Eltern wollten, dass er es mal besser haben solle. 

"Meine Eltern sind ja beide Flüchtlinge, die als kleine Kinder nach Großbritannien kamen. Meine Mutter stammt aus Burma. Ihr Vater war Inder, ihre Mutter Burmesin. Sie mussten Burma ganz plötzlich verlassen. Sie kamen in Großbritannien an und wurden dort wirklich schlecht behandelt. Denn sie hatten eine sehr dunkle Hautfarbe, was zu der Zeit in der Gegend noch ungewöhnlich war. Sie waren also gezwungen, sich ganz schnell an die neue Umgebung anzupassen. Ihre Kultur wurde ihnen dadurch quasi wegamputiert."

Dagegen hat Jamie Cullum längst seine eigene Kultur entwickelt – mithilfe einer sehr individuellen Mischung aus Pop, Jazz, Funk und Soul. "Taller" beweist, dass Jamie Cullum tatsächlich gewachsen ist.

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