Geburten
Jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt auf die Welt

Die Zahl der Kaiserschnitte in Deutschland hat einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahr 2024 wurde in Krankenhäusern jedes dritte Kind auf diese Weise entbunden, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

    Ein Team operiert eine Frau auf einem Operationstisch.
    Ein Team operiert eine Frau auf einem Operationstisch (Symbolbild). (imago / Westend61 )
    Konkret waren dies fast 216.000 Geburten. Die Kaiserschnitt-Rate hat sich seit 1991 verdoppelt. Dabei gibt es große regionale Unterschiede. Spitzenreiter war Hamburg mit einer Rate von mehr als 36 Prozent, knapp dahinter folgen das Saarland und Hessen. Den niedrigsten Anteil verzeichnen Sachsen mit rund 27 Prozent, Brandenburg mit etwa 28 Prozent und Berlin mit fast 30 Prozent.
    Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe gibt in ihrer aktuellen Leitlinie zur Sectio - wie die Schnittentbindung wissenschaftlich heißt - keine Vorgabe, wie hoch der Anteil der Kaiserschnittgeburten sein sollte. Als gesichert könne jedoch gelten, dass eine Sectio-Rate über 15 Prozent "keinen günstigen Einfluss" auf Sterblichkeit und Krankheitshäufigkeit von Müttern und Neugeborenen habe und deshalb "gut medizinisch begründet" sein sollte, so die Verfasser.

    Auch finanzielle Gründe

    Die Ursachen für den Anstieg sind komplex. Zum einen steigt das Durchschnittsalter werdender Mütter in Deutschland und damit auch das potenzielle Risiko bei einer Geburt. Andererseits spielen auch organisatorische und finanzielle Faktoren im Gesundheitswesen eine Rolle.
    So kam der Verband der Ersatzkassen 2020 zu dem Schluss, dass Kliniken mit geringerer Geburtenzahl und weniger Personal oft höhere Kaiserschnitt-Raten hätten, während die Zahl bei größeren Krankenhäusern mit genügend Personal niedriger liege. Durch geplante und weniger zeitaufwendige Sectio-Geburten lasse sich für Kliniken zudem der Erlös steigern. In Ländern mit größerem privatem Anteil im Gesundheitswesen sei die Kaiserschnitt-Rate oft noch erheblich höher als in Deutschland.
    Diese Nachricht wurde am 04.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.