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StartseiteRock et ceteraGenial, egomanisch, Kult!06.01.2019

Jimmy Page wird 75Genial, egomanisch, Kult!

Mit seiner Band Led Zeppelin hat Jimmy Page Musikgeschichte geschrieben, über 300 Millionen Alben verkauft und ganze Generationen von Musikern wie Fans geprägt. Am 9.1. wird der Ausnahmegitarrist 75 – und blickt zurück auf eine lange, bewegte Vita.

Von Marcel Anders

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(picture alliance / Franck Robichon)
Jimmy Page wird am 9. Januar 75 Jahre alt (Bild: picture alliance / Franck Robichon) (picture alliance / Franck Robichon)

"Ich war eine Art Auftragskiller. Die einzige Information, die man mir gab, war: "Bring eine elektrische oder akustische Gitarre mit!" Aber ich wusste nie, mit wem ich es zu tun habe. Und ich war kein Spezialist für Irgendwas. Von mir wurde erwartet, dass ich Alles hinkriege, weil das üblich war. Mit anderen Worten: Ich schlage irgendwo auf und es ist eine Folk-Session. Dann muss ich zur E-Gitarre greifen und es heißt: "Steuer ein paar Riffs bei!" Oder es ist ein Werbespot - alles an einem Tag. Und am nächsten Morgen könnte es Burt Bacharach sein."

Vorprogrammierter Erfolg

Mitte der 60er ist Jimmy Page Anfang 20 - und macht sich in London einen Namen als Session-Musiker für The Who, The Kinks, Marianne Faithfull, Joe Cocker oder Nana Mouskouri. Eine harte Schule, die bald zum Wunsch nach einer eigenen Band führt und zum Einstieg bei den befreundete Yardbirds. Aus denen geht 1968 Led Zeppelin hervor: Ein Quartett, das außer Page aus Sänger Robert Plant, Bassist John Paul Jones und Drummer John Bonham besteht, und deren Erfolg, so Page, quasi vorprogrammiert ist.

"Die Chemie von Led Zeppelin resultierte aus vier unglaublichen Musikern. Sie waren alle sehr individuell, haben aber auch als Band funktioniert. Und das war der Unterschied zu unseren Zeitgenossen: Wir waren so gut, wie man nur sein konnte. Und wenn wir zusammenspielten, war das noch mal etwas anderes. Insofern: Wer Gitarre, Bass, Schlagzeug oder Was-auch-immer lernen will, findet in Led Zeppelin eine wunderbare Vorlage."

Musik: "No Quarter"

Led Zeppelin wird zu einer der erfolgreichsten und einflussreichsten Rockformationen aller Zeiten. Die Alben "Houses Of The Holy", "Physical Graffiti" oder "Led Zeppelin IV" sind Klassiker und enthalten Rock-Hymnen für die Ewigkeit. Dazu spielen sie gigantische Stadionkonzerte, zu denen sie im eigenen Flugzeug anreisen. Und mit der Symbiose von Blues und hartem Rock beeinflussen sie Heerscharen von Bands. Was nicht zuletzt an Pages Gitarrenspiel liegt.

"Das ist mein Lebenswerk!"

"Jedes Jahr kommen Leute auf mich zu, die meinen: "Mein Sohn lernt Gitarre, und alles, was er und seine Freunde hören, ist Led Zeppelin." Das ist mein Lebenswerk! Die Leute hören mein Gitarrenspiel und werden davon inspiriert. Genau wie von meiner Band, bei der so viel passiert ist. Es ist toll, wenn ich das weitergeben kann."

Musik: "Black Dog"

Die Band trennt sich Ende 1980, nach dem Tod von Schlagzeuger Bonham, für den es in ihren Augen keinen Ersatz gibt. Und weil sie spüren, dass sie ihren Zenit überschritten, aber auch einen hohen Preis für ihren Erfolg gezahlt haben. Das gilt vor allem für Page, der aufgedunsen, verlebt und abhängig von Alkohol und Heroin ist.

Leadsänger Robert Plant (r.) und Gitarrist Jimmy Page bei einem Auftritt im März 1970 in München. (picture-alliance / dpa)Leadsänger Robert Plant (r.) und Gitarrist Jimmy Page bei einem Auftritt im März 1970 in München. (picture-alliance / dpa)

"Wenn man sich vor Augen führt, dass das Album "Presence" in gerade mal drei Wochen entstanden ist und "In Through The Out Door", das letzte Studio-Album, ebenfalls - war das ein ziemlicher Kraftakt. Einer, der geballte Konzentration verlangte. Aber das Wort, das mit H anfängt, verwende ich nicht. Einfach, weil ich Drogenkonsum nicht glorifizieren möchte. Es sind zu viele Leute daran gestorben."

Musik: "Dazed & Confused"

Genial - zusammen  mit Robert Plant

Page bekommt seine Sucht in den Griff, seine Karriere aber nicht. Alle Versuche, als Solist oder mit neuen Mitstreitern an alte Erfolge anzuknüpfen, scheitern. Letztlich beschränkt er sich auf Gastauftritte und kehrt immer wieder zurück zu gemeinsamen Projekten mit Robert Plant. Mit ihm liefert er seine beste Arbeit ab – auch, wenn er das nicht wahrhaben will.

"Ich schätze mich glücklich, dass ich mit einigen hervorragenden Sängern spielen durfte. Und das war wunderbar. Wie mit Paul Rogers, der wirklich superb ist. Selbst mit jemandem wie Puff Daddy aufzunehmen, war etwas Besonderes. Als ich anschließend in Amerika unterwegs war, wurde ich zum ersten Mal von Afro-Amerikanern nach Autogrammen gefragt. Das war bis dahin nie vorgekommen. Und ich dachte: wie cool."

Musik: Puff Daddy & J. Page – "Come With Me"

Aus dem Schatten von Led Zeppelin vermag sich Jimmy Page selbst 38 Jahre später nicht zu lösen, aber irgendwie will er das auch gar nicht. Die Band ist sein Lebenswerk, er sieht sich als ihr Erbverwalter und Sprachrohr, kümmert sich um das Remastern des Backkatalogs und hofft weiter auf eine Wiedervereinigung. Doch außer drei Konzerten im Rahmen von Benefizveranstaltungen ist bislang nichts passiert, weil sich Plant konsequent weigert. Somit bleibt Page nichts anderes, als es im Alleingang zu probieren. Genau das hat er 2019 vor.

"Bei mir hat sich einiges angesammelt, das im Lauf des Jahres erscheinen wird. Denn die Stücke sind fertig und ich warte nur auf den richtigen Moment, um mich mit anderen Musikern zusammenzutun. Hätte man mich vor einem Jahr gefragt, ob ich wieder zur Gitarre greife, wäre die Antwort gewesen: Nein! - weil ich zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt war. Aber jetzt kann ich sagen: "Ja, ich spiele wieder."

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