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StartseiteCorsoUngebrochen kämpferisch 09.01.2016

Joan Baez wird 75Ungebrochen kämpferisch

Sie ist Bürgerrechtlerin und Pazifistin, berühmt wurde sie aber als Folk-Sängerin: In ihrer langen Karriere bekam Joan Baez nicht nur viele Auszeichnungen, es wurde auch ein Award nach ihr benannt. Am 9. Januar feiert die US-Amerikanerin ihren 75. Geburtstag.

Von Knut Benzner

Die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez auf dem 40. Paleo Festival in Nyon, Switzerland am 25 July 2015. (dpa / picture alliance / Martial Trezzini)
Die US-amerikanische Folksängerin Joan Baez (dpa / picture alliance / Martial Trezzini)
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Es ist Jahre her, viele Jahre. In Emden, da traf ich einen Ingenieur, der eine mechanische Puppe erfunden hatte, angebracht an einem Gestänge, die selbständig, sobald sie Musik hörte, tanzen konnte. Natürlich führte der Ingenieur die Puppe vor, er ging an ein Gerät, schaltete es ein, und dann erklang das. (Ausschnitt "Diamonds & Rust")

Wie kam der Ingenieur ausgerechnet auf diese Melodie? "Diamonds & Rust", eines ihrer ziemlich schönsten Lieder, ein Liebeslied letztendlich, 1974 geschrieben, da war Joan Baez Anfang 30 und blickte zurück auf jemanden, den sie mal ziemlich gut gekannt hatte.

"Meine mütterlichen Instinkte", sagte sie der BBC mal, "werden hervor gequollen sein, denn er ist einigermaßen durcheinander, wissen sie."

Bob Dylan war gemeint, den sie, Anfang der 60er, auf die Bühne gebracht hatte. Dann, auch einige Jahre her, so etwa 30, die erste Begegnung, sie war 51 und ihre CD "Play Me Backwards" war die erste CD ihres Lebens gewesen, die ein wenig, wirklich nur ein wenig, dem Rock'n'Roll-Idiom entsprach. Sie war schließlich Folksängerin. Eine kleine, zierliche Person, leuchtende Augen, wunderschön, diese Nase, ein Lächeln auf den Lippen, vertrauend, arglos, unschuldig.

Dabei war Joan Baez überall dabei gewesen: Auf den Märschen der Bürgerrechtsbewegung, da war sie Anfang 20, in Vietnam, da war sie Anfang 30, in der Bundesrepublik auf den Ostermärschen, da war sie Mitte 20.

Folkmusik war in den 60ern nicht einfach Folkmusik, Folkmusik war im, nennen wir es mal Folksong Revival, Protest! Allumfassender, insbesondere in New York und Boston bzw. Cambridge, sie sang Traditionals, sie sang Gospel und immer wieder bis heute den bereits erwähnten Dylan, sie sang Woody Guthrie, sie war 15, als sie zum ersten Mal Dr. Martin Luther King sprechen hörte, wie sie sich in einer MTV-Dokumentation erinnerte.

Jahre später sang sie bei seinem Marsch auf Washington ´We Shall Overcome´, Dylan war ebenfalls dabei. Und Joan Baez' Mutter, sie wurde 100 Jahre alt, war Quäkerin. Was das bedeutet? Pazifismus.

Dann, nach Jahren, mein nächstes Zusammentreffen fast genau so wie das erste doch ganz anders manchmal mochte man ihren engelsgleichen Gesang nicht mehr hören und war verblüfft über ihre Ruhe - oder Unruhe -, gutes zu tun.

Sie war in China, in Serbien, noch einmal in Vietnam, sie ist mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft, darunter ganz ernsthafte und drei Bambis, sie hat 50 bis 60 Schallplatten und CDs gemacht, sie hat aus erster Ehe einen Sohn, war mit Steve Jobs zusammen, war lesbisch, hat auf dem Baumhaus ihres Anwesens südlich von San Francisco meditiert und seit einigen Jahren gibt es den Joan-Baez-Award, gestiftet von Amnesty International.

An die beiden Begegnungen denke ich, voller Wehmut oder Melancholie manchmal verzückt zurück.

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