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JournalismuskritikGünter-Wallraff-Preis an türkische Journalistengruppe

Verleihung des Günter-Wallraff-Preises für Journalismuskritik an die türkische Gruppe "Haber Nöbeti" und Uwe Krüger. (DLF / Jessica Sturmberg)
Verleihung des Günter-Wallraff-Preises für Journalismuskritik an die türkische Gruppe "Haber Nöbeti" und Uwe Krüger. (DLF / Jessica Sturmberg)

Die türkische Gruppe "Haber Nöbeti" ("News Watch") ist mit dem 2. Günter-Wallraf-Preis für Journalismuskritik ausgezeichnet worden. Sie bemüht sich darum, Medienberichte aus der Krisenregion Osttürkei zu korrigieren. Ein Sonderpreis ging an den Kommunikationswissenschaftler Uwe Krüger, der blinden Flecken der Berichterstattung nachgeht.

Die Journalistengruppe "Haber Nöbeti" hat seit Februar 68 Journalisten ehrenamtlich in den kurdischen Teil der Türkei geschickt. Dort geht die Regierung nach eigenen Angaben militärisch gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK vor. In der Region berichteten zuvor nur lokale Journalisten - und das unter Lebensgefahr. Die Initiative Nachrichtenaufklärung (INA) e.V. "zeichnet damit eine Organisation aus, die in Zeiten gravierender Einschränkungen der Pressefreiheit in der Türkei die Defizite der medialen Berichterstattung gerade aus der Krisenregion Osttürkei korrigieren will".

In ihrer Laudatio erklärte Deutschlandfunk-Chefredakteurin Birgit Wentzien: "Die Journalisten von Haber Nöbeti zeigen Solidarität mit ihren Kollegen im Osten der Türkei, die unter Lebensgefahr berichten, einem enormen Druck ausgesetzt sind und inhaftiert werden. Sie demonstrieren damit: Journalismus ist kein Verbrechen, sondern fundamental notwendig für eine freie Gesellschaft. Eine demokratische Botschaft, an die zu erinnern in der Türkei keine Selbstverständlichkeit ist, sondern die Menschen mit dem Leben bezahlen."

Wentzien: Ein Zeichen setzen

Hier werde ein Zeichen gesetzt, betonte Wentzien. Alternativen gebe es immer: Man könne "raufen oder laufen, argumentieren oder insistieren". Der türkische Präsident  Recep Tayyip Erdogan aber kenne und lebe nur Stärke. Er genieße es offenbar mehr und mehr, Europa spüren zu lassen, dass es auf ihn angewiesen sei. "Das ist Erpressung."

Safak Timur von der türkischen Journalistengruppe "Haber Nöbeti" nimmt den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik entgegen. (DLF / Jessica Sturmberg)Safak Timur von der türkischen Journalistengruppe "Haber Nöbeti" nimmt den Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik entgegen. (DLF / Jessica Sturmberg)

Safak Timur von der Journalistengruppe "Haber Nöbeti", nahm den Preis entgegen. Sie erklärte, man widme die Auszeichnung "den mutigen Kollegen".

Der Günter-Wallraf-Preis für Journalismuskritik ist mit 4.000 Euro dotiert. Er wurde zum zweiten Mal verliehen - im Rahmen des 2. Kölner Forums für Journalismuskritik, zu dem der Deutschlandfunk eingeladen hatte.

Krüger: "Medienkritik stößt nicht auf taube Ohren"

Der Vorstand der INA vergab in diesem Jahr auch einen undotierten Sonderpreis. Er ging an den Kommunikationwissenschaftler Uwe Krüger von der Universität Leipzig. Er untersucht den Vertrauensverlust in die Medien und blinde Flecken der journalistischen Berichterstattung. Krüger geht Verflechtungen zwischen sogenannten Alpha-Journalisten einerseits und Polit- und Wirtschaftseliten andererseits nach und konstatiert eine "Refeudalisierung der Strukturen politischer Öffentlichkeit".

Der Kommunikationswissenschaftler Uwe Krüger erhielt den Sonderpreis für Journalismuskritik. (DLF / Jessica Sturmberg)Der Kommunikationswissenschaftler Uwe Krüger erhielt den Sonderpreis für Journalismuskritik. (DLF / Jessica Sturmberg)

Uwe Krüger sagte, er freue sich sehr über die Anerkennung. Er habe erfahren, dass Medienkritik nicht auf taube Ohren stoße. Krüger betonte, er möchte "Danke sagen für die Resonanzböden", die er gefunden habe.

(kis/stfr/bor)

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