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Jubel - Austritte - Rücktritt

Am 28. Februar legt Papst Benedikt XVI. sein Amt nieder. Die anfängliche Begeisterung nach seiner Wahl im April 2005 wich im Laufe des achtjährigen Pontifikats der Ernüchterung. Nicht nur Kirchenkritiker halten den Rücktritt für seine bedeutendste Reform.

Von Monika Konigorski | 26.02.2013
    "Annuntio vobis gaudium magnum: habemus Papam."

    Großer Jubel herrscht am 19. April 2005 unter den Gläubigen auf dem Petersplatz. Viele Zehntausende sind gekommen, um den Namen des neuen Papstes zu erfahren. Schon nach dem vierten Wahlgang ist weißer Rauch über der Sixtinischen Kapelle aufgestiegen, nach einem der kürzesten Konklaven der Kirchengeschichte.

    "Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Josephum Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger"

    Kardinaldekan Josef Ratzinger wird der 265. Papst der Kirchengeschichte. Ratzinger nennt sich Benedikt XVI., in Erinnerung an den Friedenspapst Benedikt XV. und an Benedikt von Nursia, Ordensgründer und Patron Europas.

    Wir sind Papst – titelt die Bild Zeitung wirkungsmächtig. Bei seiner ersten Auslandsreise wird der Papst beim Weltjugendtag in Köln von mehreren Hunderttausend Menschen mit begeisterten Benedetto-Rufen empfangen. Er feiert den meistbesuchten Gottesdienst auf deutschem Boden, mit rund einer Million Menschen.

    Die zeitweise öffentliche Begeisterung für das Katholische hat sich im Laufe des achtjährigen Pontifikats Benedikts XVI. in Deutschland in ihr Gegenteil verkehrt. Die Kritiker Ratzingers sagen: Seine bedeutendste Handlung als Papst war sein Rücktritt.

    Vom Universitätsprofessor zum Glaubenswächter
    Als Josef Ratzinger am 24. April 2005 das Amt des Papstes antritt, ist er kein unbeschriebenes Blatt. Er war von seinem Vorgänger Johannes Paul II. als Präfekt der Glaubenskongregation nach Rom geholt worden. Aus dem reformoffenen Theologieprofessor der 50er- und 60er-Jahre, dem Berater beim Zweiten Vatikanischen Konzil, auf den manche ihre Hoffnung setzten, wurde ein Glaubenswächter, der als Großinquisitor, Zuchtmeister und Panzerkardinal verschrien war. Ratzinger bekämpfte die lateinamerikanische Theologie der Befreiung. Er betrieb den Ausstieg der katholischen Kirche in Deutschland aus der Schwangerschaftskonfliktberatung mit und entzog Andersdenkenden auf katholischen Lehrstühlen die Lehrerlaubnis.

    Als 2005 seine Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche bekannt gegeben wird, teilen liberale deutsche Theologen die Euphorie der Boulevardmedien mitnichten. Sie sind entsetzt und hoffen, dass Ratzinger als Papst anders agieren würde als in seiner Funktion als oberster Glaubenshüter. Ratzinger erklärt, dass seine Wahl zum Papst nicht in seiner Absicht lag, im Gegenteil.

    "Als langsam der Gang der Abstimmungen mich erkennen ließ, dass sozusagen das Fallbeil auf mich herabfallen würde, war mir ganz schwindlig zumute. Ich hatte nämlich geglaubt, mein Lebenswerk getan zu haben und jetzt auf einen ruhigen Ausklang meiner Tage hoffen zu dürfen. Deswegen habe ich mit tiefer Überzeugung zum Herrn gesagt: Tu mir das nicht an!"

    Fast menschenscheu wirkt Papst Benedikt bei seinen ersten Auftritten. Der Journalist und Vatikankenner Marco Politi:

    "Also im ersten Jahr gab es auch sehr viele Hoffnungen, auch weil er sich sehr taktvoll, bescheiden, aber auch überzeugend vorgestellt hat, ohne auch Papst Wojtyla nachahmen zu wollen: Er hat sehr viele Sympathien erregt."

    An die großen Gesten und das Charisma seines Vorgängers Johannes Paul II. kann Benedikt der XVI. nicht anknüpfen. Er versucht durch seine Worte zu wirken, schreibt Enzykliken und ein dreiteiliges Jesusbuch, hält Ansprachen und Reden, die Aufsehen erregen: in Paris, in London, vor der UNO und im Bundestag.

    "Joseph Ratzinger ist eine große Persönlichkeit. Und wenn man seine Reden hört, wenn man seine Bücher liest und seine Enzykliken auch, merkt man, wie wichtig es für ihn ist, wieder das Christentum in einer säkularisierten Gesellschaft zu beleben. Und das ist eigentlich auch das Ziel seines Pontifikats. Aber andererseits hat es in diesem Pontifikat so viele Krisen gegeben - Jahr für Jahr, wie es sie in den letzten 200 Jahren in der Kirchengeschichte nicht gegeben hat."

    Der Missbrauchsskandal
    Die größte Krise der katholischen Kirche in Deutschland und ihres Oberhauptes in Rom beginnt im Frühjahr 2010, als auch in Deutschland das Ausmaß von sexualisierter Gewalt in kirchlichen Einrichtungen und durch Geistliche ans Licht kommt. Zuvor war der Missbrauch in Irland, Österreich und den USA aufgedeckt worden.

    "Wir schämen uns zutiefst und werden alles Erdenkliche tun, damit so etwas sich nicht wiederholt. Wir werden Pädophile absolut vom heiligen Priesteramt ausschließen. Es ist absolut inkompatibel. Und wer der Pädophilie schuldig ist, kann nicht Priester sein."

    Jahrzehntelang aber hatten Kirchenleitungen trotz schwerer Vorwürfe die mutmaßlichen Täter gedeckt. Selbst treue Kirchenmitglieder sind empört. 2010 gibt es in Deutschland erstmals mehr Austritte aus der katholischen Kirche als Taufen. Es ist ihre schwerste Krise seit der Reformation, heißt es. Bischof Stefan Ackermann, Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz.

    "Gerade Papst Benedikt hat sich doch dieser ganzen Thematik, dieser schmerzlichen Thematik, gestellt, keinen Zweifel daran gelassen, dass es um Aufklärung geht, dass wir alles tun müssen, um Kinder und Jugendliche zu schützen. Und er hat sich ja auch der Begegnung mit Betroffenen immer wieder gestellt, in den Vereinigten Staaten, in England und bei uns hier."

    Vertreter der Missbrauchsopfer melden sich dagegen sehr kritisch zu Wort. Das Netzwerk Betroffener von sexueller Gewalt erklärt, zur Unterstützung der Opfer habe Joseph Ratzinger nichts beigetragen. Für den katholischen Fundamental-Theologen Magnus Striet von der Universität Freiburg ist der Umgang von Papst Benedikt XVI. mit dem Missbrauchsskandal symptomatisch:

    "Hier kann man sehr genau studieren: Dass überhaupt Bewegung in die Kirche gekommen ist, hing damit zusammen, dass von außen Druck ausgeübt wurde. Es hat nicht von innen her Aufklärungsprozesse gegeben, sondern von außen wurde gesagt: Ihr müsst aufklären."

    Um dem verheerenden Umgang mit Schutzbefohlenen ein Ende zu setzen, habe Papst Benedikt sicher alles getan, was innerhalb seiner Denkmöglichkeiten vorkam. Aber:

    "Er kann nicht denken, dass das systembedingt ist. Sondern es sind dann immer die wenigen, die das Amt verletzen. Also Personen, die sündig werden. Und er sieht da überhaupt keine strukturellen Probleme."

    Die Piusbruderschaft als Provokation
    Als Pontifex hatte Josef Ratzinger im wortwörtlichen Sinne die Aufgabe, Brücken zu bauen. Protestanten sind vom ökumenischen Ertrag des Pontifikats Benedikts allerdings enttäuscht, und auch Benedikts Vorhaben, in der Ökumene mit der Orthodoxie voranzukommen, war von sehr geringem Erfolg gekrönt. Vertreter des Judentums waren wie vor den Kopf gestoßen, als der Papst im Januar 2009 die Exkommunikation von vier Bischöfen der traditionalistischen Priesterbruderschaft Pius X. aufhebt. Denn einer von ihnen ist Bischof Richard Williamson. Kurz bevor Papst Benedikt ihn rehabilitiert, ist ein Interview mit ihm ausgestrahlt worden. Darin erklärt Bischof Williamson:

    "Es gab keine Gaskammern. Und es wurden auch keine sechs Millionen Juden vergast."

    Das Entsetzen ist groß, nicht nur bei Religionsvertretern, auch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel.

    "Es geht hier darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann und dass es einen positiven Umgang natürlich mit dem Judentum insgesamt geben muss. Diese Klarstellungen sind aus meiner Sicht noch nicht ausreichend erfolgt."

    Papst Benedikt macht die Exkommunikation der vier Piusbrüder wieder rückgängig, erklärt, er habe von dieser Haltung Williamsons nichts gewusst, und räumt interne Kommunikationsschwierigkeiten ein. Dennoch bemüht er sich weiter um die Traditionalisten in der katholischen Kirche, die sich im Zuge des Zweiten Vatikanums abgespalten haben, da sie seine Beschlüsse als Bruch mit der katholischen Lehre empfinden und nicht mittragen.

    Immer wieder ist von internen Kommunikationsschwierigkeiten, tragischen Regiefehlern und falschen Einschätzungen während des Pontifikats Benedikts des XVI. die Rede. Der Vatikanist Marco Politi bezeichnet die Amtszeit Benedikts in seinem Buch "Krise eines Pontifikats" als eine Aneinanderreihung von Pannen und Eklats, die sich geradezu systemartig wiederholen. Beispielhaft dafür ist neben der Willamson-Affäre die Vorlesung Papst Benedikts an der Universität Regensburg im Jahr 2006, in der er ein islamkritisches Zitat benutzt, das bei Muslimen zu heftigen Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen führt.

    Spionage und Intrigen im Vatikan
    Ende des vergangenen Jahres sorgt der so genannte Vatileaks-Skandal für Schlagzeilen, bei dem vertrauliche Dokumente aus dem Vatikan über Benedikts persönlichen Kammerdiener an die Öffentlichkeit gelangen. Vorwürfe der Korruption, des Missmanagements und der "Günstlingswirtschaft" im Vatikan werden laut. Italienische Medien befeuern Spekulationen, nach denen der Rücktritt Benedikts vor allem mit dem Ausmaß der Intrigen zusammenhänge, das Benedikt in einem geheimen Bericht über die Hintergründe des Vatileaks-Skandals vor Augen geführt worden sein soll. Der Vatikan weist den Bericht über Skandale als Versuch der Einflussnahme zurück. Fest steht, die Kurie, den Vatikanischen Führungsapparat, hat Benedikt XVI. nicht reformiert. Viele Experten hatten dies aber für die dringlichste Reform gehalten. Marco Politi:

    "Ganz bestimmt ist er ein großer Intellektueller und ein großer Theologe. Aber ein Papst ist auch Kirchenoberhaupt einer Organisation von einer Milliarde Gläubigen, einer weltweiten Organisation. Da muss man sehen, was tut der Papst als regierende Figur. Und da hat es zu viele Versagen gegeben."

    Der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke sagt dazu:

    "Pannen sind ja auch irgendwie was Sympathisches. Sie zeigen, dass die Kirche kein Verein von Strategen ist. Sie zeigen auch, dass der Papst seine Schwächen hatte. Er hat vieles allein gemacht, er hat sich nicht richtig beraten und helfen lassen. Aber er hat Pannen ja auch wieder gutgemacht. Also nehmen wir diese Regensburger Rede – wenn er dieses Signal nicht gegeben hätte in Regensburg, wäre es nicht zum Dialog mit den Muslimen in der Form gekommen. Also, man kann es nicht dabei stehenlassen, dass ein falscher Akzent gesetzt wurde. Der Papst hat vieles dann wieder eingeholt."

    Benedikt sei keine Führungsperson, hieß es oft, sondern er habe weiterhin als Professor agiert. Er sei kein Lenker, sondern ein Denker. Doch ist die Theologie Josef Ratzingers, Benedikts XVI., tatsächlich wegweisend?

    Eines seiner zentralen Themen ist das Verhältnis von Glaube und Vernunft. Noch einmal der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der bei Ratzinger in dessen Zeit als Universitätsprofessor promovierte:

    "Er hat ja zwei Pole benannt. Der Glaube braucht die Vernunft, damit der Glaube nicht pathologisch wird, nicht in Aberglauben verkommt. Eine ganz wichtige und mutige Aussage – aber umgekehrt fordert er auch die Vernunft heraus, eine absolute Vernunft, die meint, sie sei das Letzte, ist genauso wenig menschlich."

    Der Intellektuelle auf dem Papstthron, Prof. Dr. Papst, wie Benedikt der XVI. auch genannt wird, soll die Kirche auch in den westlichen Gesellschaften wieder diskurs- und sprechfähig werden lassen. Ist ihm das gelungen?

    So bescheiden Benedikt der XVI. nach seiner Wahl auftritt, so programmatisch war die Rede, die er vor seiner Wahl gehalten hatte:

    "Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene 'Ich' und seine Gelüste gelten lässt."

    Abkehr von der Moderne
    Der Knackpunkt bei Benedikt XVI. liegt darin, dass er immer bereits weiß, was die wahre, die rechte Vernunft ist. Und kollidierte sein Verständnis mit dem, was als vernünftig zu denken ist, mit dem, was andere Menschen als vernünftig begreifen, so schließt er gleich aus. Wenn man sich moderne Gesellschaften anschaut, dann gilt das als gerecht, was den Einzelnen möglichst großen Spielraum in der individuellen Lebensführung gestattet. Das heißt: Die Lebensentwürfe dürfen frei gewählt werden, solange sie nicht andere Menschen betreffen. Und an dieser Stelle hakt Benedikt XVI. bereits wieder ein, das ist eine lange, lange Tradition, dass er immer einen objektiven Maßstab setzt.

    Beispiel homosexuelle Lebenspartnerschaften.

    "Zur Moderne gehört es, das zu akzeptieren, weil sozusagen diese Lebensgemeinschaft nicht kollidiert mit dem Recht, mit der Auffassung von Menschen, die in anderen Lebensgemeinschaften existieren. Benedikt XVI. hingegen geht hin und setzt einen objektiven Maßstab dagegen und sagt: unerlaubt, weil naturwidrig. Und das ist etwas, was dauerhaft nicht funktionieren wird."

    … erklärt der Fundamentaltheologe Magnus Striet. Er sieht die Kirche durch die letzten beiden Pontifikate in einer existenziellen Entscheidungssituation. Mit seiner rigorosen Ablehnung des Gedankens der Autonomie des Menschen in seiner Lebensgestaltung habe Benedikt XVI. die Kirche noch tiefer in die Entscheidungssituation hineinmanövriert. Die lautet: Wie hältst du es mit der Moderne?

    "Die Moderne ist für ihn ein Gebilde, das er am Ende nicht versteht. Die Pluralität, die dort herrscht. Auch die Religionslosigkeit, die er dort meint feststellen zu können. Das passt einfach nicht in sein Weltbild. Wenn Sie mich fragen, hat er hier versöhnend gewirkt? Nein. Aber er wollte es auch nie. Weil die Moderne sich für ihn reduziert auf Gewalt, Pluralismus, Diktatur des Relativismus."

    "Fratres Carissimi,
    non solum propter tres canonizationes ad hoc Consistorium vos convocavi, sed etiam ut vobis decisionem magni momenti pro Ecclesiae vitae communicem."

    Benedikt XVI. hatte in Interviews bereits erklärt, dass ein Papst zurücktreten können müsse. Das kanonische Recht sieht diese Möglichkeit auch vor, nur hatte bisher erst ein Papst in der Kirchengeschichte von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht, vor 700 Jahren. Als der Papst seine theoretische Überlegung am 10. Februar tatsächlich umsetzt, zeigen sich auch Bischöfe und Kardinäle überrascht und wie vom Donner gerührt.

    Der Rücktritt als Schritt in die Zukunft
    Ausgerechnet der Papst, der sein ganzes Pontifikat lang für das Bewahren der Tradition eintrat, der ängstlich wirkte angesichts dessen, seinen Ankündigungen auch Taten folgen zu lassen, die den Lauf der Dinge hätten verändern können - ausgerechnet dieser Papst bricht mit der Tradition, dass das Papstamt ein Amt auf Lebenszeit ist, von dem man, wie von einer Vaterschaft, nicht zurücktreten kann.

    Oft waren die Zeiten lang, in denen nichtgewählte Kurienvertreter die Geschicke der Kirche lenkten, während die Päpste offiziell noch im Amt waren, aber körperlich und geistig stark abbauten. Diese Zeit wird nun kürzer sein. Gestern noch erschien ein päpstlicher Erlass, ein "motu proprio" des Papstes, das den Kardinälen nach seinem Rücktritt die Möglichkeit gibt, das Konklave früher als geplant zu eröffnen. Bis Ostern, so der Vatikansprecher, solle der Nachfolger Benedikts XVI. gewählt sein. Dessen Rücktrittserklärung löste weltweit Anerkennung aus. In der Erklärung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitzsch, heißt es:

    "Es ist eine große menschliche und religiöse Geste. Wir deutschen Bischöfe danken dem Heiligen Vater für seinen Dienst auf dem Stuhl Petri und sind erfüllt von großem Respekt und von Bewunderung für seine Entscheidung."

    Tatsächlich schätzt eine Reihe von Theologen und Beobachtern den Rücktritt des Papstes als seine bedeutendste Reform ein, als den Akt, mit dem er in die Geschichtsbücher eingehen wird. Die Bilanz ist bitter. Und dennoch, für ein Pontifikat voller Pannen, gescheiterter Vorhaben und einer rückwärtsgerichteten Theologie hat Benedikts Pontifikat einen positiven Abschluss. Denn der Rücktritt könnte die Kirche stärker verändern als alles andere, was Benedikt während seiner gesamten Amtszeit getan hat.

    Nachfolgende Päpste haben nicht nur ebenfalls diese Option, sie können nun nach dem Beispiel Benedikts auch mit Rücktrittsforderungen konfrontiert werden, wenn ihre Kräfte schwinden. Möglicherweise auch, wenn ihre Amtsführung zu viele Fehler aufweist? Schon werden umstrittene Kardinäle aufgefordert sich an diesem Schritt des Papstes ein Beispiel zu nehmen.

    Für Weihbischof Hans-Jochen Jaschke aus Hamburg entspricht der Rücktritt ganz dem Theologen Ratzinger, der schon vor Jahren gesagt hat: Wenn der Zeitpunkt gekommen ist, dass ein Papst sieht, dass er das Amt nicht mehr wahrnehmen kann, dann habe er die Entscheidung zu treffen.
    "Das ist gut und mutig. Der Papst ist Mensch. Die Papstwahl – natürlich hoffen wir, dass der Heilige Geist dabei ist - wird aber von Menschen getroffen, das ist eine Wahl auf Zeit."

    In zwei Tagen, am 28. Februar um 20 Uhr, endet das Pontifikat Benedikts XVI. Nach der Rücktrittsankündigung gab es zu seinen letzten Gottesdiensten und Gebeten lange Besucherschlangen. Der Jubel war wieder groß. Auch zu Papst Benedikts allerletztem öffentlichen Auftritt, der Generalaudienz am morgigen Mittwoch, werden wieder über 100.000 Besucher erwartet.