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StartseiteTag für TagRückkehr auf die Insel01.07.2016

Jüdische ExilkubanerRückkehr auf die Insel

Die Jahrzehnte der Unterdrückung der jüdischen Gemeinde auf Kuba sind bis heute zu spüren. Bis zur kubanischen Revolution in den 1950er-Jahren lebten rund 20.000 Juden auf der Insel - heute sind es kaum mehr als 800. Nach dem Ende der Eiszeit zwischen Kuba und den USA kehren nun einige der jüdischen Exilkubaner zurück.

Von Anne-Katrin Mellmann

Templo Beth-Shalom Gran Sinagoga de la Comunidad Hebrea de Cuba (Wolfram Nagel)
Die Synagoge Beth-Schalom in Havanna (Wolfram Nagel)
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Saul Berenthal sieht aus wie Mitte 50, ist aber schon 72. Er nennt sich "Jewban" - jüdischer Exilkubaner. Als Berenthal 16 war, verließ die Familie die Insel. Sein Vater hatte bis zum Abbruch der Handelsbeziehungen Autoteile importiert. Gleich nachdem die Präsidenten Kubas und der USA Ende 2014 nach Jahrzehnten der Eiszeit die Annäherung verkündeten, beantragte Berenthal in Kuba Traktoren bauen zu dürfen. Als erste US-Amerikaner erhielt er die Genehmigung. Vor kurzem präsentierten sie sich auf einer Landwirtschaftsmesse in Havanna:

"Eines Tages kam ein Mann an unserem Stand und sagte, er wolle mich sprechen. Ich hatte aber gerade keine Zeit und musste ihn eine Stunde lang warten lassen. Er wartete. Als ich mich dann zu ihm setzte, zog er einen Umschlag aus der Tasche. Darin hatte er ein Bild. Es zeigt meine Familie auf der Bar Mizwa meines Bruders. Der Mann war damals unser Nachbar in Havannas Altstadt. 60 Jahre lang hat er das Bild aufbewahrt. Jetzt habe ich es."

Saul Berenthal ist der erste US-Amerikaner, der in Kuba eine Fabrik bauen darf. (Deutschlandradio/ Anne-Katrin Mellmann)Saul Berenthal ist der erste US-Amerikaner, der in Kuba eine Fabrik bauen darf. (Deutschlandradio/ Anne-Katrin Mellmann)

Ergriffen zeigt er das Bild aus einer vergangenen Epoche mit seinen Eltern, die längst verstorben sind. Kuba gab seinen jüdischen Eltern Asyl, als sie vor dem Holocaust in Europa flüchteten. Nach der kubanischen Revolution, mussten sie emigrieren, jetzt fand ihr Sohn Saul jedoch zurück in die alte Heimat, organisiert Workshops für Kubaner und Exilkubaner jüdischen Glaubens. Einen Rabbiner gibt es auf der Insel zwar nicht mehr und in der Mangelwirtschaft auch keine koscheren Nahrungsmittel, aber Synagogen sind noch da.

In Kuba jüdisch zu sein, hat eher kulturelle als religiöse Bedeutung

"Bisher gibt es keine Verbindung zur weltweiten jüdischen Gemeinde. In Kuba jüdisch zu sein, hat eher kulturelle als religiöse Bedeutung. Jude zu sein ist auch weit mehr als Religion: Es ist eine Kultur, ein Erbe, eine Art zu sein. Ich würde das jüdische Leben gern wieder aktivieren. Denn wir sind sonst die letzte Generation kubanischer Juden."

Weil Berenthals Kinder in den USA geboren sind und kubanische Juden in dem sozialistischen Staat in Kuba nach und nach konvertierten. Die Gemeinde hat nach jahrzehntelanger Unterdrückung nur noch etwa 800 Mitglieder. Das Tauwetter mache sich aber auch hier bemerkbar, so Berenthal:

"Ich mache die Erfahrung, dass die kubanische Regierung das Wiederaufleben der jüdischen Gemeinde unterstützt. Für mich sind beide Länder sehr wichtig. Dass sie so lange getrennt waren und ich nun die Möglichkeit habe sie wieder näher zu bringen und zu guten Nachbarn zu machen ist eine Dimension die mir sehr viel bedeutet."   

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