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StartseiteKultur heuteKritik an Ausstellung in Düsseldorf12.07.2021

Jüdischer Kunsthändler Max SternKritik an Ausstellung in Düsseldorf

Es sieht nach einem erneuten PR-Desaster für die Stadt Düsseldorf aus, sagte der Provenienzforscher Willi Korte im Dlf über die geplante Ausstellung zum jüdischen Kunsthändler Max Stern. Die Stadt habe sich international weitgehend isoliert.  

Willi Korte im Gespräch mit Stefan Koldehoff

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Das Stadtmuseum Düsseldorf (IMAGO / Reiner Zensen)
Am 1. September soll eine Ausstellung über Max Stern im Düsseldorfer Stadtmuseum eröffnet werden (IMAGO / Reiner Zensen)
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Max Stern erhielt 1935 in Düsseldorf Berufsverbot, 1937 musste er seine Galerie schließen. In einer Zwangsauktion musste er die restlichen Bestände zu Geld machen. Max Stern gelang die Flucht ins Ausland - nach Kanada.

Jahrelanger Streit

Um eine Ausstellung, die an ihn und sein Schicksal erinnern soll, gibt es seit vielen Jahren Streit: Ein ursprüngliches Ausstellungskonzept des Stadtmuseums hatte die Stadt Düsseldorf im Jahr 2018 abgesagt. An dieser Ausstellung hätten die Nachlassverwalter Max Sterns beteiligt werden sollen – drei Universitäten in Kanada und Israel.

Die Gemälde "Landscape with goat" des Künstlers Willem Buytewech (1625-1670) (l) und "Ships in distress on a stormy sea" des Künstlers Jan Porcellis (1584-1632) stehen am 12.12.2016 in der Botschaft von Kanada in Berlin. Die Erben des jüdischen Kunstsammlers Max Stern stellen diese als NS-Raubkunst zurückerstattete Kunstwerke vor. Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa | (picture alliance/dpa/Britta Pedersen) (picture alliance/dpa/Britta Pedersen)Stadtmuseum Düsseldorf in der Kritk 
Beitrag zur kurzfristigen Absage der Ausstellung über den jüdischen Kunstsammler Max Stern (1904 – 1987).

Im Mittelpunkt der damals geplanten Ausstellung hätte auch die Frage von Kunstrückgaben gestanden. Dazu, so die damalige Meinung der Stadt, müsse aber noch geforscht werden. Nach internationalem Druck soll es nun doch eine Ausstellung geben. Die Nachlassverwalter kündigten ihre Mitarbeit daran aber auf, weil sie sich und ihre Expertise brüskiert fühlten. Ursprünglich für 2020 geplant, soll die Ausstellung nun am 1. September 2021 eröffnen.

Internationale Forschung fehle in Ausstellung

Mit der neuen Ausstellung sei nun keineswegs alles in Ordnung, sagte der Provenienzforscher Willi Korte im Dlf. Mit den kanadischen Expertinnen und Experten sei über die Gründe für die damalige Absage nicht gesprochen worden, daher beteiligten sich auch die kanadische Stern-Stiftung und das internationale Stern-Forschungsprojekt nicht. Düsseldorf habe sich isoliert und könne nun von der internationalen Forschungsarbeit nicht profitieren.

Es sei fraglich, so Korte, was eine solche Ausstellung ohne die entscheidenden Expertinnen und Experten bringen solle: "Ich kann als jemand, der 20 Jahre Stern-Forschung betreibt sagen, dass es noch große Lücken im Verständnis der Biografie von Max Stern gibt, weil viele Archivalien aus der Zeit des Nationalsozialismus verloren gegangen sind." An der Sinnhaftigkeit der Düsseldorfer Ausstellung zweifelt Willi Korte: "Ich frage mich, wie die Stadt Düsseldorf innerhalb weniger Monate so eine Ausstellung zusammensetzen könnte, die etwas Neues präsentiert."

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