
Seine Hauptwerke entstanden in Frankfurt am Main, wo seine Karriere in den 1950er Jahren am Institut für Sozialforschung bei Theodor W. Adorno begann. 1961 wurde er in Marburg mit dem Werk "Strukturwandel der Öffentlichkeit" habilitiert. 1964 übernahm er Max Horkheimers Lehrstuhl für Philosophie und Soziologie an der Universität Frankfurt. Aus seiner Antrittsvorlesung wurde 1968 das Buch "Erkenntnis und Interesse" (1968). Während der Studentenrevolte wurde Habermas als Unterstützer wahrgenommen - er lehnte die Radikalisierung der Bewegung allerdings ab.
1971 wechselte er nach Starnberg bei München, wo er bis 1981 das Max-Planck-Institut zur Erforschung der Lebensbedingungen der wissenschaftlich-technischen Welt leitete. 1981 veröffentlichte er "Theorie des kommunikativen Handelns", sein Hauptwerk. 1983 kehrte er nach Frankfurt zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1994 erneut einen Lehrstuhl für Philosophie übernahm.
Im Alter meldete er sich zu politischen Fragen zu Wort, etwa zum Kosovo-Krieg, zur Hirnforschung oder zu Religionskämpfen.
Bundespräsident Steinmeier würdigt Habermas als großen Aufklärer
Bundespräsident Steinmeier würdigte den Verstorbenen in einem Kondolenzschreiben an die Kinder. Darin heißt es, mit Habermas verliere Deutschland einen "großen Aufklärer, der die Widersprüche der Moderne durchmessen" habe. Er habe das Ethos des demokratischen Diskurses gelehrt. Steinmeier schrieb weiter, Habermas habe sich leidenschaftlich für die Überwindung von Nationalismus, die europäische Einigung als Lehre aus Krieg, Völkermord und totalitärer Herrschaft eingesetzt. Deutschland verdanke ihm viel.
Auch Bundeskanzler Merz würdigte Habermas als einen der "bedeutendsten Denker unserer Zeit". Dieser habe mit Weitblick und historischer Größe politische und gesellschaftliche Entwicklungen begleitet. Merz erinnerte an Habermas analytische Schärfe, die "wie ein Leuchtfeuer in tosender See" gewirkt habe.
Kulturstaatsminister Weimer erklärte, Habermas habe als Meisterdenker und Philosoph der Bundesrepublik die geistigen Grundlagen der Demokratie geprägt. Man werde seine Stimme vermissen.
Diese Nachricht wurde am 14.03.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.
