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Jugendperspektive

Bücher für junge Leser stammen meistens von älteren Autoren, aber das muss nicht so sein: Marlene Röder etwa, geboren 1983, schreibt, seit sie 14 ist. Ihr neuer Roman "Zebraland" wird in diesem Jahr mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet.

Mit Ute Wegmann |
    Immer wieder gibt es eine große Faszination für junge, minderjährige Autoren und Autorinnen. Denken wir zurück an das Jahr 1999 und Benjamin Lebert mit seinem Roman "Crazy". In den letzten Wochen war das Phänomen wieder mal aus verschiedenen Gründen ständig Thema mit Helene Hegemanns "Axolotl Roadkill".

    Jedes Mal aufs Neue wird viel gestaunt, viel geschrieben und auf das Geburtsdatum verwiesen. Das wird hier auch Marlene Röder passieren: Sie ist Jahrgang 1983.

    Mit 14 begann sie zu schreiben. Mittlerweile hat sie ihren zweiten Roman vorgelegt, für den sie im Mai den Evangelischen Buchpreis (Literaturpreis vom Deutschen Verband Evangelischer Büchereien) erhalten wird. Ihr Name: Marlene Röder. "Im Fluss" heißt der Roman, mit dem sie 2006 den "Hans im Glück"-Preis gewannen. "Zebraland" ist der Titel ihres zweiten Romans.

    Marlene Röder hat zunächst eine Ausbildung zur Glasmalerin an einer Glasfachschule begonnen. Jetzt studiert sie in Gießen Lehramt für Förderschule mit dem Schwerpunkt Kunst und Deutsch.

    "Im Fluss" ist ein dramatischer Entwicklungsroman über Selbstfindung, Tod, Liebe, Freundschaft und Einsamkeit. Erzählt wird aus den drei Perspektiven des 17-jährigen Alex, der gleichaltrigen Mia und von Jan, dem jüngerem Bruders von Alex.

    Das Buch ist in vier Kapitel, in vier Jahreszeiten gegliedert. Abwechselnd erzählen die drei Jugendlichen, wie sie sich kennenlernten, erzählen von ihrem Alltag, ihren Problemen, aber auch von ihren Leidenschaften. Nach und nach lernt man ihre Gegenspieler kennen, die als Traumgebilde, Illusion oder schlechte Erfahrung in ihren Köpfen sitzen. Alle drei Jugendliche werden sich entwickeln und ihre Gegenspieler hinter sich lassen.

    "Zebraland" ist ebenfalls ein realistischer Jugendroman, ein spannendes Psychogramm mit geschickten Perspektivwechseln. Im Zentrum steht eine unterlassene Hilfeleistung nach einem Autounfall, die zu einer inneren und äußerlich durch Erpressung erzwungenen Auseinandersetzung mit Schuld führt.

    Vier Jugendliche fahren nachts auf dem Heimweg von einem Konzert ein Mädchen aus ihrer Schule an: Yasmin, wegen ihres schwarz-weiß gestreiften Kopftuchs "Zebra" genannt. Yasmin stirbt auf dem Weg ins Krankenhaus, die vier Beteiligten fühlen sich unterschiedlich stark schuldig, beschließen jedoch zu schweigen. Bis ein Erpresser auftaucht ...

    Literatur

    Marlene Röder: Im Fluss. 254 Seiten. Ravensburger Buchverlag. Für Jugendliche.
    Marlene Röder: Zebraland. 223 Seiten. Ravensburger Buchverlag. Für Jugendliche.

    Das Hörbuch zu "Zebraland", gelesen von Hans Löw und Sandra Schwittau, erscheint bei Silberfisch/Hörbuch Hamburg.