Bildung
Juso-Chef Türmer nennt Aussagen von Forschungsministerin Bär zur Bafög-Reform "ungeheuerlich"

Dass Bundesforschungsministerin Bär als zuständige Ressortchefin die geplante Erhöhung der Bafög-Sätze infrage stellt, stößt weiter auf Unverständnis. Der Juso-Vorsitzende Türmer nannte Äußerungen der CSU-Politikerin im Deutschlandfunk skandalös. Statt für Bildungs- und Chancengerechtigkeit zu sorgen, wiederhole Bär "saudumme Klischees vom faulen Studenten".

    Philipp Türmer (SPD) Bundesvorsitzender der Jusos, spricht auf die Digitalmesse Republica.
    Philipp Türmer, Bundesvorsitzender der Jungsozialisten, der Jugendorganisation der SPD (picture alliance / dpa / Annette Riedl)
    Er bezog sich damit auf eine Aussage der Ministerin, wonach es "kein Drama" sei, wenn Studenten neben dem Studium jobben. Tatsächlich arbeiteten 65 Prozent der Studenten jetzt schon, so Türmer. Das sei mehr als in den gesamten Generationen davor. Die Union wolle offenbar kein Land, in dem Bildungsmöglichkeiten nicht vom Geldbeutel der Eltern abhingen, kritisierte Türmer im Deutschlandfunk.
    Der Juso-Vorsitzende nannte es außerdem "ungeheuerlich" zu behaupten, es gebe Widerstände in den Regierungsfraktionen gegen eine Erhöhung der Bezüge. Er kenne niemanden in der SPD, der nicht mit voller Überzeugung hinter der Bafög-Reform stehe.
    Bär hatte in einem Interview gesagt, sie habe "gehört, dass die Reform von den Regierungsfraktionen nicht mehr unterstützt wird". Gleichzeitig äußerte sie Verständnis dafür, dass die im Koalitionsvertrag vereinbarte Bafög-Reform möglicherweise gestoppt werde. Wenn in der Pflege und beim Elterngeld gekürzt werden solle, dann könne man nicht an anderer Stelle "große zusätzliche Leistungen" versprechen, so die Ministerin.

    SPD-Fraktionsvize Esdar warnt vor "Schaden für die Koalition"

    Die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Esdar, nannte Bärs Äußerungen "schlicht falsch und nicht zutreffend". Die Sozialdemokraten im Bundestag stünden geschlossen zur Bafög-Reform. Esdar warnte vor einem Schaden für die Koalition, sollte die Union das Vorhaben einseitig aufkündigen.
    Kritik kam auch aus der Opposition. Die Grünen-Politikerin Asar sagte dem Deutschlandfunk, Bafög sei keine Sozialleistung, sondern eine Investition in die Fachkräfte von morgen. Bildungsgerechtigkeit habe für die Koalition offenbar keine Priorität. Die Partei Die Linke kritisierte, Bär verhöhne die Lebensrealität hunderttausender Studierender.

    Studierendenwerk äußert sich "überrascht"

    Der Vorsitzende des Deutschen Studierendenwerks, Anbuhl, sagte dem Deutschlandfunk, er sei ein bisschen enttäuscht von Frau Bär. Er erwarte von einer Ministerin, dass sie für die jungen Generationen und für die Studierenden kämpfe und nicht nach dem ersten Gegenwind aus der eigenen Fraktion die Segel streiche.
    Eine Bafög-Erhöhung sei fest versprochen und überfällig. Das Bafög hinke seit Jahren schon den Lebenshaltungskosten hinterher, betonte Anbuhl.
    Die Hälfte der geförderten Summe beim Bafög muss als zinsloses Staatsdarlehen zurückgezahlt werden.
    Diese Nachricht wurde am 01.06.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.