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Iran
Justizchef droht Frauen ohne Kopftuch mit "gnadenloser Verfolgung"

Der Iran verschärft seine Drohungen gegen Frauen, die sich in der Öffentlichkeit ohne Kopftuch zeigen. Die Abnahme des Schleiers sei gleichbedeutend mit Feindseligkeit gegenüber Werten der Islamischen Republik, teilte der Oberste Richter des Landes, Edschei, mit.

03.04.2023
    Eine Frau ist anonym von hinten ohne Kopftuch vor einem Gebäude in Teheran zu sehen.
    Eine Frau ohne Kopftuch in Teheran (IMAGO / ZUMA Wire)
    Diejenigen, die solche - Zitat - "anomalen Handlungen" begingen, würden bestraft und "ohne Gnade" verfolgt. Offen ließ der höchste Vertreter der Teheraner Justiz indes, mit welchen Strafen in solchen Fällen zu rechnen sei.

    Verzicht auf Kopftuch als Zeichen des Protestes

    Seit der 1979 eingeführten islamischen Scharia sind Frauen verpflichtet, ihr Haar zu bedecken und lange, locker sitzende Kleidung zu tragen, um ihre Figur zu verbergen. Wer dagegen verstößt, muss mit Geldstrafen oder Verhaftung rechnen.
    Für viele Frauen ist der Verzicht auf das Kopftuch zum demonstrativen Symbol des Widerstands gegen das iranische Regime geworden. Erst kürzlich hatte das das Innenministerium die Bürger aufgefordert, unverschleierte Frauen zur Rede zu stellen.

    Streiks von Arbeiterinnen und Arbeitern

    In der Islamischen Republik kommt es seit Monaten zu Protesten. Sie wurden durch den Tod der 22-jährigen Mahsa Amini, die Mitte September in Polizeigewahrsam starb. Die sogenannte Sittenpolizei hatte sie festgenommen, weil sie ihr Kopftuch falsch getragen haben soll.
    Inzwischen gibt es zwar seltener größere Kundgebungen. Es kommt aber immer wieder zu Protestaktionen. Zuletzt gab es etwa Streiks von Arbeiterinnen und Arbeitern in verschiedenen Regionen des Landes. Hier ging es um bessere Löhne und Arbeitsbedingungen. In den Protesten mischt sich oft die Kritik an der Wirtschaftslage mit der grundsätzlichen Kritik am Regime.
    Diese Nachricht wurde am 01.04.2023 im Programm Deutschlandfunk gesendet.