Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
Mittwoch, 29.09.2021
 
Seit 04:05 Uhr Radionacht Information
StartseiteCorso„Die Banalitäten des Alltags gefallen mir ganz besonders“10.03.2020

Kabarettist Ursus Wehrli„Die Banalitäten des Alltags gefallen mir ganz besonders“

Er hat abstrakte Kunst aufgeräumt, die Welt sortiert und international Preise eingeheimst: Ursus Wehrli, Komiker, Autor und eine Hälfte des Kabarett-Duos Ursus und Nadeschkin. Für sein aktuell erschienenes "Tagebuch" biegt er "die Erlebnisse zurecht", wie er im Deutschlandfunk bekennt.

Ursus Wehrli im Corsogespräch mit Ulrich Biermann

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Porträt des Schweizer Autors Ursus Wehrli (Geri Born Zürich)
Der Schweizer Linkshänder und Autor Ursus Wehrli: Hier mal nicht dabei, Tagebuch zu schreiben (Geri Born Zürich)
Mehr zum Thema

Ursus & Nadeschkin „Die Perfektionierung des Scheiterns”

Kunstvolles Aufräumen zu Silvester

Ursus Wehrlis Tagebuch ist klein, handlich, wie diese chinesischen Billignotizbücher im Din-A6-Format. Darin finden sich Eintragungen, wie:

Samstag:
Früh aus dem Bett, aber nur kurz, Schlafe danach bis Mittag. Am frühen Abend lasse ich den Tag Revue passieren und kann zu Recht stolz sein.

Sehen so die Tage des Ursus Wehrli aus?

Er habe ein sehr abwechslungsreiches Leben, gibt der Schweizer im Deutschlandfunk zu, "und wenn es mal langweilig ist, dann erfinde ich halt mal was".

Dienstag:
Heute hatte ich kein Glück. Gegen Abend kam auch noch Pech dazu.

Wer jetzt erwartet, ein reales Tagebuch zu lesen, der wird enttäuscht, aber, so Wehrli: "Man muss sich den Autor als glücklich-müßigen Menschen vorstellen." Auf den 144 Seiten fänden sich aber auch Notizen zu den Enttäuschungen des Alltags. Dazu gäbe noch Banalitäten, Absurdes und überraschende Verknüpfungen. Wehrli finde es fazinierend, Dinge zusammenzubringen, die offensichtlich nicht zusammenpassen, sagt er im Dlf.

Mittwoch:
Heute habe ich den ganzen Tag etwas gemacht.
Ich stelle fest: Etwas machen ist eigentlich immer eine gute Idee.

Heutzutage werde zu viel über sich selber gesprochen, kritisiert der Komiker: "Wir nehmen uns oftmals viel zu ernst, jeder will sich im besseren Licht zeigen." Ein reales Tagebuch zu führen sei dagegen schon ein adäquates Mittel, sich selbst zu überprüfen. Ein Tagebuch sei auch für das 21. Jahrhundert ein sehr geeignetes Reflektionsmedium.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Ursus Wehrli: "Heute habe ich beinahe was erlebt - Ein Tagebuch"
Kein-und-Aber-Verlag Zürich, 2020. 144 Seiten, 16 Euro.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk