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StartseiteKalenderblattKämpfer gegen die Apartheid08.01.2012

Kämpfer gegen die Apartheid

Vor 100 Jahren wurde der South African Native National Congress gegründet

Am 8. Januar 1912 trafen sich Dorfchefs und Delegierte aus Kirchen und anderen Vereinigungen der Schwarzen im südafrikanischen Mangaung und gründeten den Afrikanischen Nationalkongress. Ihr Ziel: Alte Rivalitäten begraben und vereint gegen Rassismus und Kolonialismus protestieren.

Von Brigit Morgenrath

Nelson Mandela und seine Frau  Winnie Mandela nach seiner Entlassung aus dem Victor Verster Gefängnis in Kapstadt am 11. Februar 1990. (AP)
Nelson Mandela und seine Frau Winnie Mandela nach seiner Entlassung aus dem Victor Verster Gefängnis in Kapstadt am 11. Februar 1990. (AP)

"Heute versucht der Afrikanische Nationalkongress eine Partei zu sein, die alle Klassen vertritt. Aber ich glaube, der ANC wird sich irgendwann spalten. Er muss entscheiden, ob er die Partei von 'big business' und der kleinen Geschäftsleute (...) oder eine Massenpartei sein will."

Denis Goldberg, 78 Jahre alt, ist ein ANC-Veteran und verbrachte wegen seines Kampfes gegen die Apartheid in Südafrika 22 Jahre im Gefängnis. Als Student war er der Kongressallianz unter Führung des damals schon altehrwürdigen ANC beigetreten.

Am 8. Januar 1912 trafen sich Dorfchefs und Delegierte aus Kirchen und anderen Vereinigungen der Schwarzen in Mangaung und gründeten den Afrikanischen Nationalkongress. Ihr Ziel: Alte Rivalitäten untereinander begraben und von nun an vereint gegen Rassismus und Kolonialismus protestieren.

Die Gründerväter versuchten friedlich, mit Eingaben und Petitionen an die weiße Minderheitsregierung gegen die Rassentrennung, Landraub und Hungerlöhne in den Minen vorzugehen. Ohne Erfolg. Erst nachdem in den 1940er-Jahren Nelson Mandela, Walter Sisulu und Oliver Tambo die ANC-Jugendliga ins Leben gerufen hatten, wurde der ANC zu einer Massenbewegung.

In den "fighting fifties" setzte der ANC auf Kampagnen und Streiks. Und auf dem berühmten Volkskongress von 1955 verabschiedeten 3000 Delegierte die Freiheitscharta:

"Südafrika gehört allen, die darin leben, Schwarzen und Weißen. Keine Regierung kann gerechterweise einen Machtanspruch erheben, es sei denn, er ist auf dem Willen des ganzen Volkes gegründet."

Auf die "fighting fifties" folgten die "silent sixties": Nach einem Massaker der Apartheid-Polizei an friedlichen Demonstranten in Sharpeville, nach Ausnahmezustand und harter Repression wurde der ANC verboten. Die Aktivisten gingen in den Untergrund. Nelson Mandela und andere gründeten im Dezember 1961 den "Speer der Nation", den militärischen Flügel des ANC.

Aber schon wenig später wurde das gesamte Oberkommando gefasst und nach einem spektakulären Gerichtsprozess in die Gefängnisse verbannt. Als einziger Weißer auch Denis Goldberg:

"Als der Richter sagte, er werde nicht die Todesstrafe verhängen, lächelten wir ein wenig und als er dann sagte, er verurteile uns nur zu lebenslänglich, lachten wir! Weil Leben ist wunderbar."

Erst mit den Schüleraufständen in Soweto 1976 flammten die Proteste wieder auf. Tausende junge Männer flohen ins Exil. Der Befreiungskampf veränderte den ANC.

""Entscheidungen wurden an der Spitze getroffen und durchgesetzt. Dabei waren wir nicht sehr diszipliniert und manche Leute kamen mit ziemlich widerlichem Verhalten davon. Das gibt es in allen Befreiungsbewegungen, weil es überall Frustrationen gibt und Entfremdung und Einsamkeit. Da waren wir nicht anders."

""Freunde, Genossen und Mit-Südafrikaner, ich begrüße Euch im Namen von Frieden Demokratie und Freiheit für alle. Wir werden weiter voranschreiten. Der lange Weg zu Freiheit und Gerechtigkeit ist unumkehrbar."

1990 wurde Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen. Aber erst nach einer Übergangsphase mit bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen durften alle Südafrikaner im April 1994 zum ersten Mal wählen. Frei und geheim.

Seitdem haben die Südafrikaner dem ANC bei allen Parlamentswahlen eine deutliche Mehrheit beschert. Aber die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weiter geöffnet. Korruption hat zugenommen, Macht und Einfluss scheinen manchen ANC-Politikern wichtiger zu sein, als das Wohl des Landes.

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