Kaffeepreise
Teure Bohnen

Kaffee ist nach Wasser das beliebteste Getränk der Deutschen und in den vergangenen Jahren immer teurer geworden. Was hinter den steigenden Preisen steckt und wie die Zukunft des Kaffeeanbaus aussehen könnte.

    Eine Siebträgermaschine wird mit Espresso befüllt.
    Viele Menschen können sich ein Leben ohne Kaffee und Kaffeekultur kaum vorstellen. (picture alliance / Anadolu / Mehmet Futsi)
    163 Liter Kaffee pro Jahr trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt. Das Getränk zählt zu den Lebensmitteln, die sich in der Vergangenheit besonders stark verteuert haben. Warum ist das so? Welche Faktoren führen zu billigerem Kaffee? Und unter welchen Umständen könnten höhere Kaffeepreise auch sinnvoll sein?

    Inhalt

    Wie sich der Kaffeepreis zuletzt entwickelt hat

    Zwischen 2021 und 2025 ist der Importpreis für nicht geröstete Kaffeebohnen um fast 150 Prozent gestiegen. Gerösteter oder entkoffeinierter Kaffee wurde im selben Zeitraum um fast 70 Prozent teurer.
    Doch das hielt die Deutschen nicht vom Kaffeetrinken ab: Seit 2015 stiegen die Kaffeeimporte um acht Prozent. Der größte Teil stammte aus Brasilien, gefolgt von Vietnam und Honduras.
    Kaffee wird auf dem Weltmarkt gehandelt und es gab ihn auch schon mal sehr viel billiger: Anfang des 20. Jahrhunderts litten die Kaffeebauern in Brasilien unter Absatzkrisen – Überproduktion drückte den Preis. Deshalb gab es von 1963 bis 1989 ein internationales Kaffeeabkommen, das Mindestpreise und Exportquoten vorsah.
    1989 ließen die USA das Abkommen jedoch platzen. Die Folge: Erneut kam es zur Überproduktion. Mit Vietnam strebte außerdem ein neuer Konkurrent auf den Weltmarkt. Bis 2002 fiel der Weltmarktpreis deshalb auf ein Drittel gegenüber dem von 1989. Hunderttausende Kaffeebauern gaben ihre Felder auf. Seitdem reguliert der freie Markt wieder den Preis. Kaffee ist wie viele andere Rohstoffe auch ein Spekulationsprodukt.

    Warum der Kaffee teurer geworden ist

    Zu hohe Temperaturen in Südamerika, Hitzewellen, Trockenheit und veränderte Niederschlagszeiten in Ostafrika und Vietnam haben nach Angaben des Agrarwissenschaftlers Christoph Gornott zuletzt zu geringeren Kaffee-Erträgen geführt. In Brasilien, Äthiopien, Vietnam und auch Kenia sorgten 2024 zudem Krankheiten und Schädlinge für Ernteeinbußen.
    Eine „Mimose“ nennt Gornott die Kaffeepflanze. Denn sie ist empfindlich und benötigt bestimmte Temperaturen und eine bestimmte Feuchtigkeit. Sonst brechen die Erträge schnell ein. Als Folge gibt es dann deutlich weniger Kaffee auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage, besonders aus China und der arabischen Welt. Das treibt die Preise in die Höhe.
    Wie andere Lebensmittel auch, wird Kaffee an der Börse gehandelt –unter anderem an der Intercontinental Exchange in New York und der Intercontinental Exchange Futures in London.
    An den Terminbörsen werden sogenannte Futures abgeschlossen. Das heißt, alle Geschäfte erfolgen zu vorher ausgehandelten Bedingungen. Damit versuchen sich Händler, Röster und Bauern gegen Kursschwankungen abzusichern. Doch Spekulationen haben weiterhin einen großen Einfluss auf die Preise.

    Was eine EU-Verordnung mit dem künftigen Kaffeepreis zu tun hat

    Etwa 95 Prozent des äthiopischen Kaffees wachsen auf Plantagen von Kleinbäuerinnen und -bauern. Eine neue Richtlinie der Europäischen Union könnte sie bald in Bedrängnis bringen.
    Mit der EU-Entwaldungsverordnung EUDR soll erreicht werden, dass keine Produkte mehr in die EU importiert werden, die mit Entwaldung verbunden sind. Sie erstreckt sich nicht nur auf Kaffee, sondern auch auf andere Produkte wie Soja, Rindfleisch oder Kautschuk.

    Mehr als 60 Prozent des Kaffees stammt von Kleinbauern

    Deutschland führt monatlich äthiopischen Kaffee im Wert von etwa 40 Millionen Euro ein und ist damit der weltweit größte Abnehmer. Ein großer Teil des hierzulande getrunkenen Kaffees stammt von Kleinbauern aus verschiedenen Ländern Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Kleinbauern produzieren weltweit mehr als 60 Prozent des Kaffees.
    Noch ist unklar, wie viele von ihnen den neuen Dokumentationspflichten nachkommen können. Längst nicht jeder äthiopische Kaffeebauer kann schreiben und hat die nötige Technik, um Daten zu melden.
    Die Entwaldungsverordnung könnte somit im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich die Bauern neue Absatzmärkte suchen müssen und weniger Kaffee nach Deutschland exportiert wird – was dann wiederum Auswirkungen auf den deutschen Kaffeepreis haben kann.

    Möglichkeiten zur Preistablisierung

    Wenn Ernten in wichtigen Anbauländern schlecht ausfallen, steigen an der Börse die Preise. Auch wegen des Klimawandels rechnen Experten damit, dass es künftig immer wieder Wetterphänomene geben wird, die die Erträge drücken.
    Deswegen wird unter anderem nach neuen Anbauverfahren gesucht. Eine mögliche Lösung ist der sogenannte Agroforst: Kaffeepflanzen wachsen dabei unter dem Schutz größerer Bäume. Das sorgt laut der Organisation Coffee Watch für mehr Feuchtigkeit, auch in Dürrephasen. Allerdings komme die Methode etwa in Brasilien bisher nur auf einem Prozent der Anbaufläche zum Einsatz.

    Andere Kaffeesorten und die Züchtung

    „Wir müssen das ganze System, wie wir Kaffee anbauen, resilienter gestalten“, sagt der Agrarwissenschaftler Christoph Gornott. Auch die Züchtung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wünschenswert wären Kaffeepflanzen, die besser mit extremen Temperaturen, Starkregen und Trockenheit umgehen können.
    Von den bisher rund 130 Kaffeearten werden nur zwei genutzt – Arabica und Robusta. Doch auch andere Arten zeigten Potenzial, betont Gornott. Eine vielversprechende Kaffeesorte ist beispielsweise Liberica. Aktuelle Forschungen weisen darauf hin, dass sie widerstandsfähiger ist.

    Kaffeepulver aus dem Bioreaktor

    In Helsinki arbeiten Forscher außerdem an Kaffeepulver aus dem Bioreaktor. Das Pulver wäre klimafreundlich, standortunabhängig und unabhängig von Klimaveränderungen. Die Basis bilden einzelne Zellen einer Kaffeepflanze, die in großen Stahltanks vermehrt werden. Anschließend werden die Zellen geerntet und gefriergetrocknet. Heraus kommt ein beiger Brei.
    Nach dem Rösten soll er optisch nicht von herkömmlichem braunem Kaffeepulver zu unterscheiden sein. Nur mit der Röstung sind die Forscher noch nicht zufrieden - und eine Zulassung fehlt bislang.

    Mehr Geld für die Erzeuger des Produkts

    Jenseits all dieser Versuche könnte ein höherer Kaffeepreis allerdings auch sinnvoll sein. Die Nachhaltigkeitsforscherin Janina Grabs glaubt nicht, dass der Kaffee noch einmal grundsätzlich billiger wird. Und letztlich kommt es dann darauf an, wer das Geld in der Wertschöpfungskette bekommt. Wenn ein Paket Kaffee in Deutschland 20 Cent teurer werde, könne das schon bedeuten, dass die Kaffeebäuerinnen und –bauern in den Anbauländern plötzlich in der Lage seien, ihre Kinder zur Schule zu schicken, sagt Grabs.
    Weltweit verbleiben Studien zufolge derzeit nur etwa 10 bis 25 Prozent der Wertschöpfungskette von Kaffee im Herkunftsland. Die Macht im Kaffeegeschäft konzentriert sich noch immer auf wenige internationale Konzerne beim Rösten und im Einzelhandel.

    Onlinetext: Maja Fiedler, Asmus Heß / Quellen: Deutschlandfunk