
163 Liter Kaffee pro Jahr trinkt jeder Deutsche im Durchschnitt. Gleichzeitig zählt das Getränk aber auch zu den Lebensmitteln, deren Preise in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen sind. Woran liegt das und was lässt sich dagegen tun?
Wie hat sich der Kaffeepreis zuletzt entwickelt?
Zwischen 2021 und 2025 stieg der Importpreis für nicht geröstete Kaffeebohnen um fast 150 Prozent. Kaffee, geröstet oder entkoffeiniert, wurde im selben Zeitraum um fast 70 Prozent teurer. Das hielt die Deutschen offenbar nicht vom Kaffeetrinken ab: Seit 2015 stiegen die Kaffeeimporte um acht Prozent. Der größte Teil stammte aus Brasilien, gefolgt von Vietnam und Honduras.
Doch das war nicht immer so. Anfang des 20. Jahrhunderts litten Kaffeebauern in Brasilien unter Absatzkrisen – Überproduktionen drückten den Preis. Deshalb gab es von 1963 bis 1989 ein internationales Kaffeeabkommen, das Mindestpreise und Exportquoten vorsah. 1989 ließen die USA das Abkommen jedoch platzen. Die Folge: Erneut kam es zur Überproduktion. Mit Vietnam kam außerdem ein neuer Konkurrent auf den Weltmarkt. Bis 2002 fiel der Weltmarktpreis deshalb auf ein Drittel von 1989. Hunderttausende Kaffeebauern gaben ihre Felder auf.
Seitdem reguliert der freie Markt wieder den Preis. Doch Kaffee ist wie viele andere Rohstoffe auch ein Spekulationsprodukt.
Wodurch wird Kaffee teurer?
Die Kaffeepflanze ist sensibel
Eine „Mimose“ nennt der Agrarwissenschaftler Christoph Gornott die Kaffeepflanze. Denn sie ist empfindlich und benötigt bestimmte Temperaturen und eine bestimmte Feuchtigkeit. Sonst brechen die Erträge schnell ein.
Außerdem ist die Kaffeepflanze anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Das liegt daran, dass sich die verschiedenen Pflanzen genetisch kaum unterscheiden, erklärt der Bioinformatiker Peter Stadler.
Hitze, Trockenheit, Schädlinge
Zu hohe Temperaturen in Südamerika, Hitzewellen, Trockenheit und veränderte Niederschlagszeiten in Ostafrika und Vietnam haben laut Gornott zuletzt zu geringeren Kaffee-Erträgen geführt.
Kaffeebauern in Kenia können die Ernteausfälle in Südamerika und Asien nicht kompensieren, weil die Anbaufläche dafür nicht groß genug ist. Außerdem haben 2024 in Ländern des Kaffeegürtels wie Brasilien, Äthiopien, Vietnam und auch Kenia Krankheiten und Schädlinge Ernteeinbußen gebracht.
Deshalb gibt es deutlich weniger Kaffee auf dem Weltmarkt. Gleichzeitig steigt die Nachfrage, besonders aus China und der arabischen Welt. Das treibt die Preise in die Höhe.
Rodungen gefährden Kaffee-Anbau
Wenn für den Kaffeeanbau Wälder gerodet werden, schadet das wiederum dem Kaffee. Denn die fehlenden Bäume wirken sich auf atmosphärische Luftströme aus. Diese transportieren eigentlich Feuchtigkeit durchs Land. Ohne Wald können sie das nicht mehr. So fällt weniger Regen. Die Organisation Coffee Watch fürchtet, dass durch den Regenmangel zwei Drittel der für den Anbau von Arabica-Kaffee geeigneten Flächen in Brasilien bis 2050 verloren gehen könnten. Die Zukunft des Kaffee-Anbaus in Brasilien stehe auf dem Spiel, hieß es von der Organisation.
EU-Entwaldungsverordnung
Etwa 95 Prozent des äthiopischen Kaffees wachsen auf Plantagen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern. Eine neue EU-Verordnung könnte sie ab Ende des Jahres in Bedrängnis bringen. Dann müssen sie nachweisen, dass für ihren Kaffee kein Wald abgeholzt wird. Doch längst nicht jeder äthiopische Kaffeebauer kann schreiben und hat die nötige Technik, um diese Daten zu melden. Im Moment ist Deutschland der größte Absatzmarkt für äthiopischen Kaffee. Die Verordnung könnte sich damit auch auf den deutschen Kaffeepreis auswirken.
Spekulation an der Börse
Wie andere Lebensmittel auch, wird Kaffee an der Börse gehandelt –unter anderem an der Intercontinental Exchange in New York und der Intercontinental Exchange Futures in London. An den Terminbörsen werden sogenannte Futures abgeschlossen. Das heißt, alle Geschäfte erfolgen zu vorher ausgehandelten Bedingungen. Damit versuchen sich Händler, Röster und Bauern gegen Kursschwankungen abzusichern. Doch Spekulationen haben weiterhin einen großen Einfluss auf die Preise.
Welche Lösungsansätze gibt es?
Kaffeeanbau unter Bäumen
Eine mögliche Lösung ist der sogenannte Agroforst. Kaffeepflanzen wachsen dabei unter dem Schutz größerer Bäume. Das sorgt laut der Organisation Coffee Watch für mehr Feuchtigkeit, auch in Dürrephasen. Allerdings komme die Methode etwa in Brasilien bisher nur auf einem Prozent der Anbaufläche zum Einsatz.
Andere Kaffeesorten und Züchtung
„Wir müssen das ganze System, wie wir Kaffee anbauen, resilienter gestalten“, sagt der Agrarwissenschaftler Christoph Gornott. Die Züchtung spiele dabei eine wichtige Rolle. Es bräuchte resilientere Kaffeepflanzen. Diese könnten besser mit extremen Temperaturen, Starkregen und Trockenheit umgehen.
Zudem werden von den derzeit rund 130 Kaffeearten bisher nur zwei genutzt – Arabica und Robusta. Auch andere Arten zeigen Potenzial, so Gornott. Eine vielversprechende Kaffeesorte ist Liberica. Aktuelle Forschungen zeigen, dass sie widerstandsfähiger ist.
Kaffeepulver aus dem Bioreaktor
In Helsinki arbeiten Forscher an Kaffeepulver aus dem Bioreaktor. Das Pulver wäre klimafreundlich, standortunabhängig und unabhängig von Klimaveränderungen. Die Basis bilden einzelne Zellen einer Kaffeepflanze, die in großen Stahltanks vermehrt werden. Anschließend werden die Zellen geerntet und gefriergetrocknet. Heraus kommt ein beiger Brei. Nach dem Rösten soll er optisch nicht von herkömmlichem braunem Kaffeepulver zu unterscheiden sein. Nur mit der Röstung sind die Forscher noch nicht zufrieden. Und eine Zulassung fehlt bislang.
mfied








