Dienstag, 31. Januar 2023

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Kampf gegen den IS
Nordsyrische Stadt Manbidsch vom IS befreit

Im Norden Syriens nahe der Grenze zur Türkei haben kurdische und arabische Kämpfer mit Unterstützung durch US-Luftangriffe die Terrormiliz IS aus Manbidsch vertrieben. Für die Islamisten ist das ein herber Schlag. Durch die Stadt verlief eine wichtige Nachschubroute.

Von Björn Blaschke | 13.08.2016

    Kämpfer der Syrischen Demokratischen Streitkräfte mit Ferngläsern auf einem Aussichtspunkt beobachten die nordsyrische Stadt Manbidsch.
    Soldaten der Syrischen Demokratischen Streitkräfte beobachten mit Ferngläsern von einem Aussichtspunkt aus die nordsyrische Stadt Manbidsch. (AFP / DELIL SOULEIMAN)
    Der Fernsehsender steht der kurdischen Miliz nahe, die als Hauptkraft bei den Syrischen Demokratischen Kräften gilt. Diese Allianz hat heute nun wohl auch noch die letzten IS-Kämpfer aus Manbidsch vertrieben. Die Bilder des Senders zeigen Frauen ohne Gesichtsschleier auf den Straßen; Männer, die sich öffentlich die Bärte abschneiden; sich rasieren. Beides ist unter der Herrschaft des IS mit seinen krude-islamistischen Sittenvorstellungen undenkbar. Eine Frau hebt beide Arme; spreizt Zeige- und Mittelfinger zum Victory- zum Siegeszeichen. Dabei ruft sie "Gott sei Dank; Gott sei Dank… Wir sind glücklich. Wir danken Gott; möge ER den IS zur Rechenschaft ziehen!"
    Eine andere Frau ergreift das Wort: "Ich fühle mich so glücklich, es ist als würde ich träumen. Ich kann es noch gar nicht glauben. Ich habe Dinge gesehen, die niemand sonst gesehen hat." Dann schreit die Frau plötzlich: "Ich fühle mich unwohl" und bricht zusammen.
    Bilder, die ergreifend sind, aber auch mit einer gewissen Distanz betrachtet werden sollten, eben weil sie von einem Sender stammen, der nicht als unvoreingenommen gilt. Er steht eben der kurdischen Miliz nahe, die zusammen mit arabischen Kämpfern und mit US-Luftwaffenunterstützung den IS aus Manbidsch vertrieben hat. Nicht umsonst wohl jubelt diese Frau in die Kamera – und richtet ihre Worte doch an ihre Befreier: "Möge Gott Euch preisen; Ihr seid unsere Kinder; Ihr seid unsere Helden; Ihr seid unsere Augen!"
    Herber Schlag für den IS
    Doch ein junger Mann, den der kurdische Sender ebenfalls zeigt, wirkt irgendwie wie ein unbestechlicher Zeuge für die Grausamkeit des IS, der in Manbidsch 2014 die Kontrolle übernahm: Dem Mann fehlt eine Hand – und auf die Frage des Reporters, was ihm zugestoßen ist, sagt er: "Der IS hat sie mir abgeschnitten, weil ich angeblich ein Motorrad geklaut hatte."
    Die Grausamkeit des IS zeigte sich gestern noch einmal in Manbidsch, als sich der IS aus der Stadt zurückzog: Nach Angaben eines kurdischen Sprechers nahmen die IS-Kämpfer rund 2.000 Bewohner als menschliche Schutzschilde mit in Richtung Djarablus. Die Ortschaft an der türkischen Grenze hält der IS nach wie vor. Doch nun hieß es mittags: "Die Zivilisten sind an den Rändern der Stadt (Djarablus) und in der Nähe freigelassen worden, nachdem die IS-Kämpfer ihre Rückzugsorte erreicht hatten!" – das teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Die hat ihren Sitz in London, aber stützt sich auf ein Netzwerk von Aktivisten in Syrien. Aus dem Umfeld der sogenannten Syrischen Demokratischen Kräfte hieß es, einige Zivilisten hätten fliehen können, andere seien freigelassen worden. Wie auch immer. Die Geiseln sind offenbar wieder frei – so wie Manbidsch frei ist vom IS. Für die Islamisten ist der Verlust der Stadt ein herber Schlag: Durch die Stadt verlief eine wichtige Nachschubroute in die IS-Hochburg Rakka.