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Schlacht um Aleppo
Ein Kampf mit Worten und Waffen

Rebellengruppen in Aleppo behaupten, sie hätten den Belagerungsring um den Osten der Stadt durchbrochen. Stimmt nicht, heißt es vonseiten der syrischen Regierung. Was wahr ist und was nicht, lässt sich im syrischen Bürgerkrieg kaum noch überprüfen. Beide Seiten kämpfen in dem Krieg nicht nur mit Waffen, sondern auch Worten und Bildern.

Von Anne Allmeling | 09.08.2016
    Menschen in der syrischen Stadt Aleppo.
    Menschen in der syrischen Stadt Aleppo. (AFP / George Ourfalian)
    Sie tragen T-Shirts, kurze Hosen und Kalaschnikows – und wirken wild entschlossen, ihre Gegner zu besiegen. Videos im Internet zeigen, wie sich eine Gruppe junger Männer durch staubige Hinterhöfe kämpft – in Aleppo, so heißt es, doch überprüfen lässt sich das nicht: Von der Stadt ist nichts zu sehen; auch der Feind bleibt unsichtbar in diesen Filmen. Die Bewaffneten behaupten, sich einen Weg in den belagerten Osten der Stadt zu bahnen. Eine Information, die Rami Abdel Rahman später bestätigt. Der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit Sitz in Großbritannien stützt sich auf die Informationen von Aktivisten – und gilt als oppositionsnah: "Es gab zwei Kämpfe: einen, um die Blockade der östlichen Stadtteile von Aleppo zu durchbrechen; und einen anderen, um die Regierungstruppen im Westen der Stadt zu umzingeln. Dabei ist es den Oppositionsgruppen gelungen, einen Korridor in den Osten der Stadt zu errichten, der von den Regierungstruppen umstellt ist."
    Eine Erfolgsmeldung für die Aufständischen und ihre Anhänger – doch die syrische Regierung und ihre Verbündeten behaupten genau das Gegenteil. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur betont, dass es den "Terroristen" nicht gelungen sei, die Belagerung Aleppos zu durchbrechen – mit "Terroristen" meint sie die Gegner der syrischen Regierung. Mitte Juli hatten die Truppen von Präsident Baschar Al-Assad mit Hilfe der russischen Luftwaffe die letzte Versorgungsroute der Opposition in den Osten Aleppos gekappt und die Stadt belagert. Nach Angaben der Vereinten Nationen sollen bis zu 300.000 Bewohner von der Außenwelt abgeschnitten sein.
    Meldungen, um den Kampfgeist zu stärken
    Selbst wenn die Regierungsgegner, zu denen auch zahlreiche islamistische Gruppen gehören, einen Korridor in die belagerten Stadtteile kontrollieren – die eingeschlossenen Bewohner haben davon noch nicht profitiert. Berichte über Hilfslieferungen seien nicht richtig, sagt Rami Abdul Rahman. "Es wurden keine Hilfsgüter in den Osten der Stadt Aleppo gebracht, denn diese Gebiete sind für humanitäre Hilfe immer noch unsicher. Diese Information wurde verbreitet, um den Kampfgeist zu stärken. Dabei wurde der Kampfgeist schon durch diesen großen Sieg gegen die Regimetruppen und deren verbündete Milizen gestärkt."
    Die Aufständischen, aber auch die syrische Armee und ihre Verbündeten bereiten sich nun offenbar auf weitere schwere Gefechte in Aleppo vor. Doch die Informationen, die aus der belagerten Stadt und ihrer Umgebung durchsickern, lassen sich kaum überprüfen. Denn die Gefechte dauern an – und die syrische Regierung und ihre Gegner kämpfen nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Bildern und Worten.