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StartseiteSport AktuellDie NADA plant ein GPS-System für Athleten14.11.2014

Kampf gegen DopingDie NADA plant ein GPS-System für Athleten

Kaderathleten müssen bislang ihren Aufenthaltsort lückenlos in einem Computermeldesystem angeben. Damit sie auch unangemeldet von Dopingkontrolleuren gefunden werden können. Das ist für viele lästig. Denkbare Alternative: Sportler per GPS mit Satelliten orten zu lassen.

Von Bastian Rudde

Ein GPS-Satellit im Weltraum (Zeichnung). (NASA)
Spitzensportler sind vermehrt bereit, sich für Doping-Kontrollen per GPS orten zu lassen. (NASA)
Weiterführende Informationenen

Doping: Millionenspende und neues Image für NADA (Deutschlandfunk, Sport Aktuell, 28.01.2014)

Timo Boll bezeichnet sich als "gläsernen Athleten". Tag für Tag muss der Vorzeige-Tischtennisspieler in einem Internet-Kalender angeben, wann er wo ist. Für unangemeldete Dopingtests. Nötig, aber nervig, sagt Boll. "Selbst wenn wir mal in den Wald gehen und einen Spaziergang machen, müssen wir das eigentlich eintragen. Man läuft natürlich mit diesem System Gefahr, wenn man es einfach mal vergisst, dass man gesperrt wird."

Wer dreimal nicht an dem Ort ist, den er angegeben hat, kann bestraft werden und hat dann den Doper-Stempel. So ist das Meldesystem namens ADAMS für viele der etwa 2.000 Sportler, die es nutzen müssen, Stress. "Ich würde viel lieber einen GPS-Empfänger mitnehmen, der automatisch mitteilt, wo man ist."

Eingriff in die Persönlichkeitsrechte

Ortung per Satellit? Ein tiefer Eingriff in die Persönlichkeitsrechte. Einige Athleten sprechen von "elektronischer Fußfessel" und "Big Brother". Doch die Nationale Anti-Doping-Agentur NADA hat Pläne für ein freiwilliges GPS-System, sagt NADA-Vorstand Lars Mortsiefer der ARD-Rechercheredaktion Sport. "Es ist jetzt das Ziel, das im nächsten Jahr voranzubringen und zu einer Marktreife werden zu lassen."

Und zwar als streichholzschachtelgroßen Sender beim Sportler, den der Kontrolleur ansteuert - dann, wenn eine Kontrolle gemacht werden soll. Ein dauerhaftes Tracking soll es nicht geben. Entwickelt hat das System Leichtathlet Jonas Plass. Über den Dachverband DOSB hat er gerade unter anderem die Olympiateams 2012 und 2014 zum Reiz-Thema Satelliten-Ortung befragt, sagt Plass, knapp 200 Sportler antworteten demnach. Laut Plass mehrheitlich pro GPS: "Pi mal Daumen kann man sagen: Zwei Drittel wünschen sich ein solches System und wären bereit, sich orten zu lassen."

GPS-System soll freiwillig sein

Doch ist das GPS-System marktreif, soll es auch wegen des Privatsphäre-Eingriffs freiwillig sein. Eine Ergänzung zum ungeliebten ADAMS-Meldesystem im Internet. Das könnte entschlackt werden, sagt NADA-Vorstand Mortsiefer. "Natürlich wird ADAMS zunächst nicht abgeschafft. Aber es wird natürlich erleichtert, aufgefunden zu werden, sodass das ein oder andere an Information nicht mehr in das System eingetragen wird, sondern vom GPS aufgefangen wird."

Ein aktuelles Beispiel, wie Ortung helfen könnte, ist Handball-Weltmeister Michael Kraus. Der sagt, er habe die Klingel nicht gehört oder die sei kaputt gewesen, als ihn Doping-Kontrolleure testen wollten. Die nahmen an, Kraus habe sich nicht an seine Angaben im Internet gehalten. Mit GPS hätten sie das gegenchecken können. So herrscht Unklarheit, gegen Kraus läuft ein Revisions-Verfahren - im schlimmsten Fall droht ihm eine Sperre.

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