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Kampf gegen IS
Luftangriffe gegen Terrormiliz ausgeweitet

Am frühen Morgen hat die amerikanische Luftwaffe erstmals Stellungen der IS nahe Bagdad angegriffen. Präsident Obama will strikt bei seiner Linie bleiben, keine Bodentruppen zu entsenden. Doch genau darüber herrscht Uneinigkeit in Washington.

Von Marcus Pindur | 16.09.2014

US-Präsident Obama hält eine "Rede an die Nation" am 10.09.2014
US-Präsident Obama will weiterhin keine Bodentruppen in den Irak schicken, sagte er vorige Woche in einer Rede an die Nation. (AFP / Saul Loeb)
Die Vorgabe des Präsidenten ist klar.
"Our objective is clear. And that is to degrade and destroy ISIS so that it´s no longer a threat. Not just to Iraq, but also the region and to the United States."
Die Terrormiliz IS müsse so zerstört werden, dass sie keine Gefahr mehr für den Irak, die Region und die Vereinigten Staaten darstelle, so Barack Obama vor anderthalb Wochen. Luftangriffe, eine politische und militärische Koalition, die im Wesentlichen von Staaten des Nahen Ostens getragen werden müsse, und eine handlungsfähige Regierung in Bagdad: Das sind die Haupt-Elemente der Politik Obamas gegen den sogenannten Islamischen Staat IS.
Heute am frühen Morgen meldete das zuständige Militärkommando in Tampa, Florida, erstmals zwei Luftangriffe auf IS-Stellungen vor Bagdad. Die Angriffe seien Teil der von Präsident Obama angekündigten ausgeweiteten Strategie gewesen, hieß es.
Die Obama-Administration bleibt bei ihrer Linie, keine amerikanischen Bodenkampftruppen in den Irak zu schicken, so Außenminister Kerry, der seit Wochen an einer handlungsfähigen Anti-IS-Koalition arbeitet.
"Länder in der Region, Länder außerhalb der Region haben militärische Unterstützung angeboten. Wir werden keine Bodentruppen dorthin schicken. Manche unserer Partner haben das angeboten, aber wir werden das nicht tun."
Das amerikanische Engagement soll sich nach den Plänen des Weißen Hauses auf Luftangriffe und die Beratung der irakischen Armee beschränken.
Forderung nach Einsatz von Bodentruppen wird laut
Doch es gibt Zweifel, ob der Kampf gegen die IS-Miliz auf Dauer ohne amerikanische Bodentruppen erfolgreich sein kann. Der republikanische Senator Lindsey Graham kritisiert seit längerem die seiner Ansicht nach halbherzige Vorgehensweise Obamas.
"Das ist ein Wendepunkt im Kampf gegen den Terror, wir bekämpfen jetzt eine terroristische Armee, nicht eine Organisation. Und man braucht eine Armee, um eine Armee zu schlagen. Die Idee, das könne ohne amerikanische Bodentruppen geschehen, ist eine Fantasievorstellung. Wir können unsere Sicherheit nicht outsourcen. Und es kann überhaupt nicht funktionieren, die IS-Miliz am Boden in Syrien zu bekämpfen ohne eine substanzielle amerikanische Beteiligung."
Einige Militärexperten geben dem republikanischen Senator zwar recht, doch amerikanische Bodentruppen lehnen auch viele Republikaner vehement ab, besonders der Tea Party-Flügel.
Mehrere republikanische Abgeordnete im Repräsentantenhaus wollen ihre Zustimmung zu dem Hilfspaket für die Freie Syrische Armee in dieser Woche an ein Einsatzverbot für amerikanische Bodentruppen knüpfen.
Einer Umfrage des amerikanischen Nachrichtensenders CNN zufolge befürworten zwar 76 Prozent der Amerikaner Luftangriffe im Irak und Syrien. Doch den Einsatz von Bodentruppen lehnen 61 Prozent der Befragten ab.
Amerikanische Bevölkerung gegen Truppenentsendung
Derek Harvey ist ehemaliger Militärgeheimdienst-Mitarbeiter und jetzt Professor an der University of South Florida. Es bestehe ein großes Missverhältnis zwischen den weitreichenden strategischen Zielen Obamas und den dafür bereitgestellten Mitteln.
"Präsident Obama und alle Mitglieder seiner Regierung müssen jetzt vor allem hartnäckig und konzentriert an der Koalition gegen die Terrormiliz IS arbeiten. Das bedarf einer großen Kraftanstrengung der Obama-Administration. Denn es bestehen offen gesagt bei den Partnern in der Region Zweifel an der Verlässlichkeit der amerikanischen Regierung."
Amerikanische Bodentruppen im Irak und Syrien wird es nach Ansicht der meisten politischen Beobachter nicht geben. Weder sei Obama dazu bereit, noch entspreche das der Stimmung in der amerikanischen Bevölkerung.
Doch die meisten dieser Beobachter hielten es vor einem Jahr ebenfalls für ausgeschlossen, dass ausgerechnet die Obama-Administration in nicht allzu ferner Zukunft im Irak einen Krieg führen würde - ob mit oder ohne Bodentruppen.