Sonntag, 22.09.2019
 
StartseiteEuropa heuteKampf um jede Stimme05.04.2012

Kampf um jede Stimme

Für den französischen Präsidenten wird es ein harter Wahlkampf

Nicolas Sarkozy reist zurzeit durch Frankreich, um Stimmen für die bevorstehende Wahl zu sammeln. Besonders im Süden des Landes sind die Leute nicht gut auf ihren Präsidenten zu sprechen.

Von Ursula Welter

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf (picture alliance / dpa / David Thierry)
Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Wahlkampf (picture alliance / dpa / David Thierry)

Ein Markt an der Küste östlich von Marseille. Pascal verkauft hier bunte T-Shirts, Hemden:

"Ich bin dennoch für Präsident Sarkozy",

sagt Pascal, der lässig auf seinem Hocker zwischen den Kleiderständern kauert, die Kappe tief ins Gesicht gezogen, zum Schutz gegen die grelle Mittagssonne.

"Hier kommen keine Reichen hin, das sind einfache Leute, die haben nichts mehr im Portemonnaie, selbst die Mittelklasse ist geschwächt."

Die Arbeitslosigkeit ist deutlich gestiegen, das Wachstum der französischen Wirtschaft stagniert, die Menschen klagen über zu teuren Wohnraum, die Kaufkraft schwindet, viele Wahlversprechen des Nicolas Sarkozy sind unerfüllt geblieben. Wenn die Bilanz so schlecht ist, warum also will er Sarkozy wieder wählen ?

"Es ist richtig, was er zu Schengen gesagt hat. Wir leben doch in Europa, um es gut zu haben. Jetzt rede ich ein bisschen wie Marine Le Pen. Wir können hier nicht die ganze Welt aufnehmen."

Hier, unweit der italienischen Grenze, war der Druck der Einwanderung besonders zu spüren, als der arabische Frühling die Flüchtlinge auf das europäische Festland spülte. Aber auch weiter im Westen, im Hafen von Marseille, dem Tor zu Afrika, ist die Stimmung schlecht. Nicolas Sarkozys Versprechen zu Europa, zur Einwanderung, zur Wirtschaftspolitik – der Imbissbesitzer ist nicht überzeugt, dass die Rechnung aufgeht:

"Nicolas Sarkozy ist seit zehn Jahren an der Macht. Jetzt, wo er wiedergewählt werden will, sagt er, ich mache dies, ich mache jenes, wo war er denn in den letzten zehn Jahren, erst als Innenminister und dann als Präsident."

Die Leute hier haben die Nase voll, sagt er, das Fleischmesser in der Hand, die Mieten steigen, die Löhne stagnieren, die Jugend hat keine Perspektive. Gleich nebenan die Stammkneipe von Olympique Marseille. An der Theke geht die Rotweinflasche rum, die Stimmung ist deshalb nicht besser:

"Jetzt spüren die auch in Nordfrankreich, was wir hier schon seit 30 Jahren spüren, seit unserem Hafen, der Lunge dieser Region, die Luft ausgeht."

Am Tresen gibt es nur einen, der Nicolas Sarkozy unterstützen will und das offen zugibt. Andere sprechen entweder vom "Wechsel", dem zentralen Schlagwort im Wahlkampf der Sozialisten, viele deuten an, dass sie rechts außen, beim Front National, ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen werden. Der Süden tickt anders als der Norden.

In einer Kleinstadt nördlich von Paris strömen Tausende in die Turnhalle eines Gymnasiums, viele, meist ältere, Paare, aber auch junge Leute. Nicolas Sarkozy ist der Redner an diesem Samstagnachmittag:

"Ich denke, er kann am besten auf die Herausforderungen von heute antworten, auf die Lage Frankreichs in dieser globalisierten Welt. François Hollande mag ja im Inneren einiges bewirken können, aber für die Rolle Frankreichs in der Welt ist Sarkozy der Bessere."

Sarkozy kommt durch den Seiteneingang, junge Männer und Frauen in Fan T-Shirts säumen seinen Weg. Ein Samstagnachmittag im Departement Hauts-de-Seine, nördlich von Paris. Sarkozy tummelt sich auf seinem Lieblingsfeld, der "Inneren Sicherheit". Seine Rede handelt von Frankreich, von den Werten der Republik, vom Stolz eines Landes, das sich vom Terrorismus nicht in die Knie zwingen lasse. Und wieder geht es um Europa, das unter ihm, Sarkozy, ein neues Gesicht, neue Einwanderungsregeln bekomme. Die Halle tobt, das Publikum ist auf Sarkozys Seite und singt aus voller Brust zum Abschied die Hymne.

Sammelportal: Präsidentenwahl in Frankreich

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk