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StartseiteKalenderblatt"Kannst du die Phrase in einem Atem singen?"31.03.2011

"Kannst du die Phrase in einem Atem singen?"

Die Sopranistin Elisabeth Grümmer - eine Jahrhundertstimme

Elisabeth Grümmer als Gräfin in Mozarts Figaro. Wie soll man diese Stimme beschreiben ...? "Rein, klar, zart, fein, innig, empfindsam" sind die Attribute, die immer wieder genannt werden – aber da ist noch mehr.

Von Michael Stegemann

Kerstin Meyer (l) und Elisabeth Grümmer (r) in der Oper "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss im Dezember 1959 an der Städtischen Oper Berlin in einer Inszenierung von Carl Ebert (picture alliance / dpa)
Kerstin Meyer (l) und Elisabeth Grümmer (r) in der Oper "Der Rosenkavalier" von Richard Strauss im Dezember 1959 an der Städtischen Oper Berlin in einer Inszenierung von Carl Ebert (picture alliance / dpa)

Etwas Magisches, das man nicht vergisst, das einen tief im Innersten anrührt und verzaubert. Dabei hatte Elisabeth Grümmer ihre Bühnen-Karriere gar nicht als Sängerin begonnen.

"Meine Laufbahn begann ja eigentlich als Schauspielerin. Ich kam als junges Mädchen eigentlich von der Schule weg zur Bühne. Ich bin in Meiningen groß geworden ..."

Die Familie war nach dem Ersten Weltkrieg nach Thüringen gekommen; ihre Wurzeln lagen jedoch in Elsass-Lothringen, wo die Sängerin als Elisabeth Schilz am 31. März 1911 in Niederjeutz geboren wurde. Die Arbeit als Schauspielerin am Meininger Theater endete, als sie den Geiger Detlef Grümmer heiratete und mit ihm Ende der 1930er-Jahre nach Aachen ging. Dort wurde der junge Herbert von Karajan – Generalmusikdirektor am Aachener Theater – auf die Stimme aufmerksam und vermittelte der (damals schon 30-jährigen) Elisabeth Grümmer ihr Opern-Debüt als eines der Blumenmädchen in Wagners Parsifal. Den lyrischen Wagner-Partien blieb sie auch später treu – etwa als Elsa im Lohengrin bei den Bayreuther Festspielen.
Die eigentliche Karriere Elisabeth Grümmers begann 1946 mit ihrem Engagement an der Städtischen Oper Berlin. In den nächsten Jahren war sie auf allen großen Bühnen in dem Repertoire zu hören, das wie maßgeschneidert zu ihrer wunderbar reinen Stimme passte: die großen Mozart Partien, Desdemona und Micaëla, Wagners Elsa und Eva und die Marschallin im Rosenkavalier – und die Agathe im Freischütz, als die sie in drei Schallplatten-Produktionen mitwirkte, unter anderem 1955 unter Erich Kleiber.

"Gerade diese Aufnahme gehört mit zu den schönsten Erinnerungen."

Die New Yorker Met und die Wiener Staatsoper, die Festspiele von Salzburg und Bayreuth – in den 1950er und 60er-Jahren war Elisabeth Grümmer einer der gefragtesten lyrischen Soprane der Welt. Dabei war sie klug genug, nie über ihr Repertoire hinaus zu singen: was ihr nicht lag, legte sie schnell zur Seite; anderes (wie die Salome oder die Brünnhilde) hat sie gar nicht erst versucht. So blieb ihre Stimme quasi alterslos – auch dank einer perfekten Technik.

"Singen ist ja Atem. Das Atmenproblem ist ja doch eigentlich mit das größte Problem beim Singen: Reicht es noch? Kannst du die Phrase in einem Atem singen, ohne dass ein Mangel hörbar, spürbar wird in der Stimme und in der Interpretation?"

Bei ihr war eben nie ein Mangel zu hören. Mit 61 nahm Elisabeth Grümmer ihren Abschied von der Bühne, mit 75 ist sie (am 6. November 1986) in Warendorf gestorben: Eine der schönsten Strauss-, Wagner-, Weber- und vor allem Mozart-Stimmen des 20. Jahrhunderts.

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