Sonntag, 14. April 2024

Potsdam
Kapelle im wiederaufgebauten Garnisonkirchturm eröffnet

Die Nagelkreuzkapelle im Turm der Potsdamer Garnisonkirche ist mit einem feierlichen Gottesdienst in Dienst genommen worden - und damit als erster Raum des wiederaufgebauten Gebäudes eröffnet. Gegner werfen dem Ort rechtsextremistische Wurzeln vor. Der evangelische Bischof Stäblein bezeichnete die neue Kapelle als "Zukunftsort, weil Vergangenheit nicht verdrängt werde".

02.04.2024
    Baustelle zum Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam.
    Zugang zum Turm der Garnisonkirche in Potsdam. Die vollständige Fertigstellung des Gebäudes ist bis Ende 2025 geplant. (imago-images / Martin Müller )
    Der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz betonte in seiner Predigt, es bleibe Aufgabe der Kirche, kritisch aufzuarbeiten und die eigene Geschichte immer wieder kritisch anzugucken. "Nie wieder ist jetzt", sagte Stäblein und ergänzte, dazu gehörten Worte gegen alles Völkische, Menschenfeindliche, Rechtsextreme.

    Symbolort für rechtsnationale Bestrebungen

    Für Kritiker ist der historische Bau ein Symbol des Militarismus und ein Treffpunkt rechtsnationaler Bewegungen in den 1920er und 1930er Jahren. Bekannt wurde die Garnisonkirche vor allem durch den sogenannten "Tag von Potsdam" am 21. März 1933. Damals trafen sich der damalige Reichskanzler Adolf Hitler und Reichspräsident Paul von Hindenburg an den Grabstätten der preußischen Könige Friedrich Wilhelm I. und Friedrich des Großen - und demonstrierten so Einigkeit.
    Vor der Garnisonkirche protestierten etwa 250 Menschen gegen die Einsetzung weiterer Gelder für den Wiederaufbau des Gotteshauses. Zudem forderten sie die Auflösung der Stiftung Garnisonkirche.

    Kirche: Kultur- und Erinnerungsort

    Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und 1968 auf Geheiß der DDR-Führung gesprengt. Die evangelische Kirche sieht in dem Wiederaufbau einen wichtigen Ort für Friedensarbeit und Demokratiebildung. Neben Gottesdiensten soll die Kirche als Kultur-, Erinnerungs- und Lernort genutzt werden.
    Die Bauarbeiten für den Kirchturm laufen seit Herbst 2017. Das rund 42 Millionen Euro teure Vorhaben wird zu mehr als der Hälfte aus Bundesmitteln finanziert. Der inzwischen fast 60 Meter hohe Turm soll voraussichtlich im Sommer eröffnet werden. Dann soll er eine Höhe von knapp 90 Metern haben.
    Diese Nachricht wurde am 02.04.2024 im Programm Deutschlandfunk Kultur gesendet.