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StartseiteWochenendjournal spezial"Rendezvous" mit Udo Lindenberg 29.09.2014

Kapitel 7 "Rendezvous" mit Udo Lindenberg

Drei Monate musste Detlef Fahle, der Junggebliebene mit blond gegeltem Haar, in den 80er-Jahren im NVA-Knast verbringen. Seine Haftzeit wollte er am Anfang nur aus einem Grund zu Ende bringen: damit er sich nach seiner Entlassung umbringen konnte.

Von Benjamin Hammer

Udo Lindenberg bei der Präsentation der Ausstellung "Udo. Die Ausstellung" auf Schloss Neuhardenberg (picture alliance / dpa)
Udo Lindenberg bei der Präsentation der Ausstellung "Udo. Die Ausstellung" auf Schloss Neuhardenberg (picture alliance / dpa)
Weiterführende Information

Weiterführende Literatur

Rüdiger Wenzke
"Ab nach Schwedt! Die Geschichte des DDR-Militärstrafvollzugs"
Ch. Links Verlag, Berlin 2013

Torsten Dressler
"Stillgestanden – Blick zur Flamme!"
Westkreuz-Verlag Berlin 2013

Paul Brauhnert, Ilja Hübner, Arno Polzin (Hrsg.)
Der DDR-Militärstrafvollzug und die Disziplinareinheit in Schwedt
Metropol Verlag, Berlin 2013

Benjamin Hammer: Als Schwuler in der NVA, das wollte Fahle nicht länger ertragen. Doch dieses Wochenendjournal wird ein versöhnliches Ende haben – und so ist es auch bei Detlef Fahle gekommen. Den Wendepunkt im Gefängnis, sagt Fahle heute, brachte ein Musiker aus West-Deutschland. 

Detlef Fahle: Es war ja damals dieses Festival des politischen Liedes, oder so was Ähnliches, was damals 1983 im Palast der Republik stattfand. Das war der erste Auftritt von Udo Lindenberg in der damaligen DDR. Und dann kam im Radio, als wir an einem Samstagvormittag die Zimmer reinigen mussten von den Bediensteten, kam die Durchsage, dass diese Sendung übertragen wird im DDR-Fernsehen. Ich war damals großer Lindenberg-Fan und habe gleich gesagt, oh, das müssen wir sehen. Und das hat der Wärter gehört, dass ich das gesagt habe, und dann hat der nachgefragt, was wollt ihr sehen, und dann habe ich gesagt, am Samstag den Lindenberg im Fernsehen, den Auftritt. Das war natürlich erst mal tabu, aber irgendwie hatte sich das bei mir als Idee im Kopf festgesetzt und ich habe es dann damals geschafft, dass wir das sehen konnten. Es war einerseits, dass wir das als Politschulung genutzt haben; zum anderen haben wir irgendeine Norm bei der Sport- oder bei der militärischen Ausbildung, die wir vorher nicht geschafft haben, wie eine Art Deal gemacht: Ja, wenn ihr das schafft, dann könnt ihr das sehen. - Mir haben hinterher Soldaten gesagt, wie wir mitgeteilt bekommen haben, dass wir das sehen können, haben die das erste Mal in meinem Gesicht ein Lächeln gesehen oder ein Lachen hier in Schwedt.

Hammer: Was war damals Dein Lieblings-Udo-Lindenberg-Song?

Fahle: Mädchen aus Ostberlin.

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