Archiv


Karlsherz und Jagdhunde

Jagdhunde am Himmel – ein unscheinbares Sternenbild steht am Abend des 8. Mai fast im Zenit. Über Jahrhunderte haben Astronomen seine Sterne unterschiedlich zugeordnet. Am hellsten leuchtet Cor Caroli, der seinen Namen der englischen Geschichte verdankt.

Von Dirk Lorenzen |
    In den späten Abendstunden steht ein sehr unscheinbares Sternbild fast im Zenit: Die Jagdhunde lauern unter der Deichsel des Großen Wagens – gut getarnt, denn es sind nur zwei Sterne zu erkennen.

    Der Danziger Bierbrauer und Astronom Johannes Hevelius hat die Jagdhunde in ihrer heutigen Form Ende des 17. Jahrhunderts eingeführt. Der Rinderhirte Bootes führt sie an der Leine, während sie nach den Hinterläufen des Großen Bären schnappen.

    Der aus Leisnig in Sachsen stammende Kartograf Peter Apian hatte bereits anderthalb Jahrhunderte vor Hevelius Hunde in dieser Himmelsgegend verzeichnet. Allerdings hatte er ihnen keine konkreten Sterne zugeordnet.

    Dem griechischen Astronomen Claudius Ptolemaeus galten die Sterne der heutigen Jagdhunde als Objekte, die zu keiner Himmelsfigur gehören.

    Der hellste Stern der Jagdhunde ist Cor Caroli – der lateinische Name bedeutet Karlsherz. Er bezieht sich auf den englischen König Charles den Ersten, der 1649 enthauptet worden ist.

    Charles Scarborough, Leibarzt von Charles dem Zweiten, mit dem elf Jahre später die Monarchie wieder eingeführt wurde, berichtete, bei der Rückkehr des neuen Königs nach London habe dieser Stern besonders hell geschienen.

    Das war sicher Einbildung. Doch der englische Kartograf Francis Lamb hat einige Jahre später diesen Stern als Cor Caroli Regis Martyris verzeichnet – also als Herz des königlichen Märtyrers Karl.

    Der Stern ist gut hundert Lichtjahre von uns entfernt. Cor Caroli schlägt und leuchtet derzeit jede Nacht hoch am Himmel.


    Der mythologische Hintergrund dieses Sternbilds

    Die FAZ über das Sternbild Jagdhunde