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Karrierepläne mit der Cinema Musica

Was für andere die Lieblingsband ist, sind für fünf angehende Historiker und Musikwissenschaftler aus Bremen die Komponisten von Filmmusik. Gemeinsam geben sie das Filmmusikmagazin "Cinema Musica heraus. Das vierteljährlich erscheinende Heft ist bundesweit einzigartig und informiert über Themen wie die neuesten Arbeiten der Starkomponisten aus Hollywood, aktuelle Wiederveröffentlichungen von filmmusikalischen Klassikern oder die aufstrebende Filmkomponistenszene in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Von Lutz Weihe |
    Die Musik zu Bram Stokers "Dracula" signalisiert Bedrohung. Mike Beilfuß erinnert sie immer auch an die düsteren Jobaussichten nach seinem Geschichtsstudium:

    " Man beendet das Studium dann, das ist die Vision, die wir haben. Und am Ende sind wir arbeitslos, weil wir vorher die ganze Zeit nur in der Uni gehockt haben. Man sitzt in der Uni, schreibt seine Hausarbeiten, trifft vielleicht ein paar Professoren und das ist der einzige Kontakt, den man dann sozusagen zur Außenwelt hat. Ja, das kann es doch nicht sein!"

    Vor gut einem Jahr, Beilfuß hatte da schon 13 Semester auf dem Buckel, half ihm der Zufall aus der Klemme. Das Schweizer Fanmagazin "Film Musik Journal", für das er jahrelang hobbymäßig Rezensionen aktueller Soundtracks geschrieben hatte, drohte eingestellt zu werden - der Chefredakteur war schwer erkrankt:

    " Dann hat er mich gefragt, ob ich das weiter machen möchte. Und dann haben wir dieses Magazin übernommen, die Autoren übernommen, die Gelder übernommen, die Abonnenten übernommen und haben das dann in dieses neue Magazin aufgehen lassen."

    Die Cinema Musica war geboren. Redaktionelle Mitstreiter fand Beilfuß in vier - ebenfalls filmmusikbegeisterten - Studienfreunden. Vor einem halben Jahr brachten sie die erste Ausgabe heraus. Redaktionsräume sucht man bei der Cinema Musica vergebens; hergestellt wird das Magazin in mühevoller Kleinarbeit am heimischen PC:

    " Wirklich heftig an dieser Aufgabe gearbeitet haben fünf. Dann treffen wir uns und setzen uns zusammen, aber da läuft auch unheimlich viel über E-Mail oder über Telefonate ab. Da ist man so schnell mit Informationen oder hat auch so schnell auch Vorschläge verschickt oder Designvorschläge oder so, die wir uns dann einfach nur mal kurz angucken am Computer. Dann sagen wir: ja, okay oder guck da noch mal ein bisschen und dann geht der Informationsfluss auch so sehr gut."

    Die Resonanz der Abonnenten auf das neue Heft war ermutigend, erinnert sich Chefredakteur David Serong:

    " Jeder Rücklauf, den wir gekriegt haben, war positiv. Also grundsätzlich kritisch, dass jemand gesagt hat, ich mag euer Magazin nicht mehr, hat keiner. Da haben sie dann geschrieben, dass es wirklich super ist. Insgesamt sind die sehr zufrieden."

    Aufmacher war ein Interview mit Howard Shore, Oscar-Preisträger und Schöpfer der Filmmusik zur Fantasy-Trilogie "Herr der Ringe". Ein Autor reiste dafür auf eigene Kosten bis nach London. Heute erscheint die dritte Ausgabe und die Redaktion denkt bereits über das kommende Heft nach. An aktuellen Themen mangelt es nie. Mike Beilfuß:

    " Pläne und Stoff ist genug. Wir haben insgesamt 16 Autoren, und wenn man denen sagt, macht da mal ein bisschen was in die Richtung oder die kommen selber mit Vorschlägen meistens - das ist gar kein Problem. Und auch interessanter Stoff, nicht nur so ein Füllstoff, das sind auch Sachen, die uns selber interessieren die wir auch selber drin haben wollen. Doch das klappt ganz gut."

    Die Finanzierung hingegen wackelt gewaltig: Zwar bekommt die Redaktion Geld aus dem Filmfördertopf des Bundeslandes Bremen, mit dem sie die Druckkosten für das vierteljährlich erscheinende Heft bezahlen kann, aber damit ist - so Beilfuß - im April Schluss:

    " Wir hoffen, dass wir bis dahin einen anderen finanzstarken Partner gefunden haben. Da sind einige Kontakte schon entstanden. Wir haben ganz lockeren Kontakt und Anzeigenanfragen ans ZDF oder Klassikradio oder entsprechende Institutionen. Aber das ist bisher noch nicht Greifbares raus gekommen - leider."

    Und obwohl die Zeit langsam knapp wird, bleibt Chefredakteur Serong zuversichtlich:

    " Wir sehen ganz schlicht und ergreifend, dass der Markt für Filmmusik da ist. Wenn man bei Saturn eingeht und guckt: die Filmmusikabteilung ist größer als die Heavy Metall-Abteilung und für Heavy Metall gibt es zwei Zeitungen, die seit Jahren laufen. Also als Nischenmagazin kann man da durchaus existieren."

    Derzeit wappnet sich sich die Redaktion für den angestrebten Gang auf den umkämpften Zeitschriftenmarkt: Ein Grafiker bringt die "Optik" des textlastigen Magazins gründlich auf Vordermann. Neue Abonnementen versucht die Redaktion mit Gewinnspielen und Geschenk-CDs zu ködern, potentielle Anzeigenkunden umwirbt sie intensiv per Telefon und E-Mail. Den nötigen Mut, das eigene Projekt weiter voran zu treiben, berichtet David Serong bescheiden, hat den Bremern ein Übernahmeangebot des Marburger Schüren-Verlags gemacht, der selbst fünf Filmmagazine herausgibt:

    " Wir hatten ein Treffen mit Annette Schüren und sie hat uns halt ein Angebot gemacht, wie wir eine Zusammenarbeit machen können."

    Und Beilfuß verrät: Annette Schüren war ziemlich angetan von der Cinema Musica:

    " Die sagt, das Heft kann man so nehmen. Der Druck würde bei uns bleiben und alles was inhaltlich mit dem Heft passiert würde bei uns bleiben und sie würde es so in ihr Verlagsprogramm aufnehmen - das würde sie machen."