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StartseiteCampus & Karriere"Katastrophensituationen müssen geübt werden"16.03.2011

"Katastrophensituationen müssen geübt werden"

Krisenforscher: Vorsorge spielt eine wichtige Rolle

Die Uni Bonn bietet einen Masterstudiengang Katastrophenmanagement an. Kann so ein Studium tatsächlich auf Extremsituationen wie in Japan vorbereiten? Krisenmanagement kann man trainieren, erklärt Institutsleiter Richard Dikau.

Richard Dikau im Gespräch mit Manfred Götzke

Den Verantwortlichen in Japan wirft Richard  Dikau schlechtes Krisenmanagement vor. (AP / Digital Globe)
Den Verantwortlichen in Japan wirft Richard Dikau schlechtes Krisenmanagement vor. (AP / Digital Globe)

Manfred Götzke: Kann man Katastrophe lernen? Die Uni Bonn bietet einen Masterstudiengang Katastrophenmanagement an.

Richard Dikau: Also wir bereiten unsere Studenten in diesem Weiterbildungsstudiengang so auf allgemeine Katastrophensituationen vor, dass wir uns bemühen, das Thema sehr breit aufzufächern, das heißt nicht spezialisiert uns mit irgendeinem Thema zu beschäftigen, sondern wirklich die gesamte Bandbreite der Probleme, die hier eine Rolle spielen, abzudecken. Das beginnt also bei uns mit allgemeinen Themen zum Bevölkerungsschutz in Deutschland, internationalen Strategien, naturwissenschaftliche Themen, sozialwissenschaftliche Themen, aber dann auch solche Fragen wir Risikokommunikation, Notfallmedizin bis hin zu einer operativen Stabsübung, das ist dann das neunte Modul, mit dem der Lehrgang auch abgeschlossen wird.

Götzke: Da würde ich auch direkt mal gern drauf eingehen: Wie sieht das praktisch aus, spielen Sie in so einer Übung im Studium solche Szenarien durch, die wir jetzt auch in Japan möglicherweise noch erleben werden, Evakuierung einer 35-Millionen-Metropolregion?

Dikau: Also das ist bisher noch nicht Teil unserer Übung gewesen, das müssen wir natürlich jetzt überdenken, solche Übungsfragen. Mal unabhängig davon, was wir tun oder nicht, ich halte es für äußerst problematisch, eben an eine Evakuierung einer 35-Millionen-Metropole zu denken. Ich glaube, dass da ganz klare Grenzen vorhanden sind. Also wenn wir üben, dann üben wir im Bereich zum Beispiel einer bestimmten Gefahrenlage, Hochwasser droht, bestimmte Unternehmen sind bedroht, wie muss ein Stab sich verhalten, wer muss involviert werden, wie laufen die Kommunikationsstrukturen in so einem Stab. Das ist als bisher so der Bereich gewesen, mit dem wir uns in der Übung selber beschäftigt haben.

Götzke: Sie haben es gerade schon angedeutet, Sie müssen möglicherweise Ihr Studium überdenken. Können Sie aus der Katastrophe in Japan lernen?

Dikau: Nun ich meine, wahrscheinlich werden wir diesen Aspekt, wie man mit Risiken umgeht oder mit Unsicherheit allgemein umgeht, bei solchen sehr, sehr großen Katastrophen, wahrscheinlich müssen wir diesen Bereich etwas stärker bei uns im Curriculum unterbringen. Ansonsten denken wir, dass wir mit unseren Themen das allgemeine Konzept dieser Problemlage – Risiken, Unsicherheit, Entscheiden unter Unsicherheit - eigentlich ganz gut abdecken.

Götzke: Inwieweit kann man das denn lernen, Entscheiden unter Unsicherheit, in Extremsituationen, vielleicht auch Besonnenheit, besonnenes Reagieren?

Dikau: Nun, man muss üben. Man muss natürlich die Grundlagen solcher Themen verstehen, also die psychologischen, die wissenschaftlichen, die operativen Grundlagen, man muss wissen, wie Kommunikationsnetze funktionieren, das ist der eine Teil. Und der andere Teil: Es muss es geübt werden, also Katastrophensituationen müssen geübt werden.

Götzke: Was ist das klassische Berufsziel eines Katastrophenmanagers?

Dikau: Unser Studiengang heißt Katastrophenvorsorge und Katastrophenmanagement. Wir bilden also aus beide Themenbereiche. Wenn ich das jetzt mal auf Japan beziehen darf: Die Vorsorge, die Katastrophenvorsorge für das, was jetzt eingetreten, beginnt mit der Planung des Kernkraftwerks, bitte schön. Das ist der Teil, der letztlich vor der Katastrophe bearbeitet werden muss. Der Katastrophenmanagementteil, der ist wichtig für das Management der Katastrophe selbst. Operative Aktivitäten, Katastrophenhilfe, Katastrophenmedizin und so weiter, Wasserbevorratung und diese Dinge. Das sind also immer zwei Teile, die relevant sind, und das ist wichtig, das möchte ich noch mal betonen, dass wir keinen dieser beiden Bereiche ausblenden dürfen.

Götzke: Wie bewerten Sie das Katastrophenmanagement der japanischen Behörden, machen die das richtig?

Dikau: Was ich aus meiner Sicht, aus meiner naturwissenschaftlichen Sicht jetzt sehe, ist eine Katastrophenkette. Die begann also mit einem Erdbeben und ist letztlich dann auch ein technisches Problem geworden dadurch, dass bei dieser Tsunamiwelle, die wohl auch am Kernkraftwerk über zehn Meter Höhe hatte, ein technisches Problem aufgetreten ist. Ich glaube, dass dort das Management tatsächlich nicht sehr gut funktioniert, ich möchte mich mal da etwas vorsichtig ausdrücken. Das hat was mit der Handhabung der Havarie zu tun, das hat aber auch etwas mit der Kommunikation, also mit der Katastrophen- oder Krisenkommunikation zu tun, die meiner Ansicht nach wirklich nicht sehr gut läuft.

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