Montag, 05. Dezember 2022

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"Katrina" ist erst der Anfang

Meteorologie. - Der Tropensturm "Katrina" schickt sich an, als einer der verheerendsten Hurrikans in die Geschichte einzugehen. Doch infolge der Klimaerwärmung, so meinen Forscher, könnten Katastrophenstürme wie "Katrina" oder "Ivan" im vergangenen Jahr erst der Auftakt zu einer Reihe gewaltiger Unwetter sein.

Gerd Pasch im Gespräch mit Jan Lublinski | 29.08.2005

    Gerd Pasch: Als besonders gefährlich gilt ja die Flutwelle, die der Hurrikan "Katrina" auslöst. Die erste Frage an Jan Lublinski: Wie hoch kann diese Flutwelle werden?

    Jan Lublinski: So eine Welle kann tatsächlich hoch werden wie ein Hochhaus, also durchaus zehn Meter sind da sicherlich drin im Fall von "Katrina". Es gibt jetzt auch schon Auswertungen von Daten der vergangenen Saison, wo man jetzt sehr genau analysiert hat und inzwischen in Fachmagazinen publiziert hat. Bei Hurrikan "Ivan" im vergangenen Jahr waren es 28 Meter hohe Wellen, das muss man sich einmal vorstellen - Monsterwellen. Aber das ist nicht die einzige Gefahr - die Flut, die dann folgt direkt am Ufer - sondern auch umher fliegende Gegenstände, durch den Wind herunter gerissene Dächer. Und auch die Gefahr durch Tornados ist natürlich gegeben.

    Gerd Pasch: Ein Sturm hat ein Auge und im Auge des Sturms ist es bekanntlich ruhig. Wo ist der Hurrikan am gefährlichsten?

    Jan Lublinski: Im Auge des Sturms kann man den Himmel sogar sehen, während direkt neben dran in der Wand des Auges, die ja sehr schnell dann über einen herüber zieht, wenn man sich für kurze Zeit im Auge des Sturms befindet, dort sind die höchsten Windgeschwindigkeiten. Dort ist eine Wand aus Gewitterwolken, die sich im Kreis dreht um das Auge herum. Wenn man jetzt so einen Hurrikan von oben betrachtet, wie man es von den Satellitenaufnahmen her kennt, dann ist der Hurrikan auf der rechten Seite besonders gefährlich, weil er sich ja gegen den Uhrzeigersinn dreht. Also ist die Front, die rechts auf die Küste prallt, die, die die Wellen vor sich her treibt und die, die die höchsten Windgeschwindigkeiten aufweist.

    Gerd Pasch: Die Amerikaner scheinen in den letzten Monaten, Jahren ja sehr häufig von Hurrikans betroffen zu werden und da ist die Frage, wie die amerikanische Gesellschaft eigentlich damit fertig wird, wenn immer wieder neue Hurrikans auf sie zukommen?

    Jan Lublinski: Ja, im vergangenen Jahr waren es vier allein in Florida. Dieses Jahr ist es jetzt "Katrina" - Nummer drei schon. Ja man muss sagen, die Amerikaner sind eigentlich erstaunlich routiniert. Sie haben sehr genaue Vorhersagetechniken, sie haben eine sehr gute Planung solcher Katastropheneinsätze - soweit das eben möglich ist. Jede Familie hat einen gewissen Familienrettungsplan und eine ganze Wissenschaft wird daraus gemacht, wie man sich am besten vorbereitet auf eine Hurrikan-Saison. Nichtsdestotrotz sind auch die Amerikaner dieser Situation immer wieder auch in gewisser Weise natürlich ausgeliefert. Aber die Todeszahlen halten sich relativ in Grenzen, wenn man das vergleicht mit Ländern wie Honduras oder auch den karibischen Staaten, wo dann immer gleich Tausende von Toten zu beklagen sind.


    Gerd Pasch: Welchen Zusammenhang haben denn die Forscher zwischen der neueren Entwicklung und dem Klimawandel herstellen können?

    Jan Lublinski: Dazu muss man sagen, es gibt eine Lehrmeinung, eine alte, die besagt, es gibt einen 25jährigen Zyklus der Hurrikanaktivität. Es gibt also 25 Jahre mit niedriger Hurrikanaktivität, gefolgt von 25 Jahren starker Aktivität. Im Moment bewegen wir uns auf diesen Zeitraum zu, wo es eben mehr Hurrikans gibt. Woher kommt dieser Zyklus? Das hat etwas mit Meeresströmungen zu tun, der so genannten thermohalinen Zirkulation. Diese Strömung wird bewegt durch Temperaturunterschiede im atlantischen Ozean, auch durch den Salzgehalt. Da geschieht es eben alle paar Jahrzehnte, dass warmes Wasser an die Oberfläche kommt und dieses warme Wasser geht dann als feuchter Wasserdampf in die Luft und erzeugt diese Hurrikans vor Afrika, die dann in Richtung Amerika wandern. Aber es gibt jetzt eine neue Studie eines Wissenschaftlers vom Massachusetts Institute of Technology in Boston, der nun sehr genaue Zusammenhänge nachweisen kann zwischen den Windgeschwindigkeiten und dem leichten Anstieg der Meerestemperatur in den vergangenen 30 Jahren. Und demnach sieht es doch so aus, als gäbe es einen ganz deutlichen Zusammenhang zwischen Erderwärmung einerseits und der Größe der Hurrikans. Also es wird nicht mehr Hurrikans geben, während sich die Erde immer weiter erwärmt, sondern die großen Hurrikans werden immer größer werden, die Winde werden stärker werden und es wird sehr viel stärker auch regnen in Zukunft.

    Gerd Pasch: Kann man denn gar nichts gegen diese Stürme unternehmen, außer sich aus dem Staub zu machen?

    Jan Lublinski: Es hat in den 60er und 70er Jahren Versuche gegeben, die Hurrikans irgendwie einzudämmen oder abzuschwächen. Die sind alle fehlgeschlagen. Hat sicherlich damit zu tun, dass diese Wetterphänomene so gewaltig und so energiereich sind, dass man dagegen mit einfachen menschlichen Mitteln nicht ankommt.