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Kaufentscheidung mit Umweltbewusstsein

Die Luftreinhalterichtlinie aus Brüssel hat den deutschen Automarkt erst richtig in Bewegung gebracht, die Diskussion um Rußpartikel-Filter neu entfacht. Da die Partikel-Konzentration in den Städten, die seit Anfang des Jahres gemessen werden muss, vielerorts katastrophal ausfällt, drohen nun Fahrverbote für Luft verschmutzende Diesel-Autos - aber eben nicht für alle. Lastwagen, Busse und rußarme Diesel sollen ausgenommen werden, ebenso Benziner. Der Verkehrclub Deutschland (VCD) appelliert nicht erst seit der Feinstaub-Diskussion in den Innenstädten an das Umweltbewusstsein der Autofahrer. Wie jedes Jahr hat er auch für 2005/2006 eine Rangliste der umweltfreundlichsten Modelle aufgestellt.

Von Dieter Nürnberger |
    Der Sieger in der Umweltliste des Verkehrsclub Deutschland hat einen Wiedererkennungswert - es ist nämlich das gleiche Fahrzeug wie schon 2004. Spitzenreiter bei den sparsamen, leisen und schadstoffarmen Fahrzeugen ist der "Toyota Prius". Ein Auto mit verbrauchsarmen Hybrid-Antrieb, das ist eine Technologie bei der nach einem Dynamoprinzip Schwung- und Bremsenergie zurückgewonnen wird und mit Hilfe eines Elektromotors auch wieder genutzt werden kann. Das hat die Tester beim VCD überzeugt - Gerd Lottsiepen ist der zuständige Fachmann beim Verkehrsclub Deutschland.

    " Er ist ein Benziner und er erfüllt die Normklasse Euro 4. Und das ist bei den Schadstoffen derzeit der beste Standard. Euro 4 Benziner sind viel, viel sauberer als Fahrzeuge ohne Partikelfilter, aber auch sauberer noch als Fahrzeuge mit Partikelfilter. Bei dem "Toyota Prius" ist auch der Lärmwert sehr gut. Und er wirklich auch beim Verbrauch hervorragend. Der "Prius" hat einen Verbrauch von 4,3 Litern Super und einen C02-Ausstoß von 104 Gramm pro Kilometer. Wir hatten noch nie einen Benziner mit einem derart guten Wert. "

    Der "Toyota Prius" hat also auch in diesem Jahr die Konkurrenz hinter sich gelassen. Das spricht natürlich für den Hersteller, für das Produkt, aber aus Sicht des VCD zeigt dies auch, dass andere Hersteller wohl immer noch nicht den Zug der Zeit erkannt haben - und somit nicht zum Testsieger aufschließen konnten. Sinn dieser Umweltliste ist es ja, dem Verbraucher, dem Autofahrer, einen Leitfaden, eine Entscheidungshilfe beim Kauf zu geben, wie Hermann-Josef Vogt, der Vize-Vorsitzende des VCD, sagt.

    " Ziel muss es sein, den Verbrauch von Energie und damit verbundene Emissionen von Treibhausgasen zu reduzieren. Dazu sind wir alle gefragt: Verbraucher, Industrie und Politik. Bei einer Betrachtung der Verkehrspolitik ist der Mensch nicht zu vernachlässigen. Seine Entscheidung über seine Mobilität ist der wichtigste Beitrag für einen umweltgerechten Verkehr. "

    Einiges hat sich aber bei dieser Untersuchung verbessert. So tauchen 2005 immerhin 81 PKW mit Dieselfilter in der Umweltliste auf, 2004 waren es erst 36. Allerdings ist auch offensichtlich, dass deutsche Autos in der Top-Ten-Liste noch nie so schlecht abgeschnitten haben wie in diesem Jahr. Nur der "Opel Corsa ECO 1.0" taucht unter den Besten auf Platz 6 auf. Das findet der Verkehrsclub schon beklagenswert, weil eben die Konkurrenzfähigkeit deutscher Konzerne darunter leide. Man hinke bei der Umwelttechnik im Autobau hinterher - aus falschen Entscheidungen der Vergangenheit heraus. Man habe die Partikelfilter für Dieselfahrzeuge nicht rechtzeitig ernst genommen - und im Großen und Ganzen habe man auch den Spritverbrauch nicht abgebaut, und davon hängt ja schließlich der Ausstoß des Klimagases CO2 ab. "Volkswagen" sei da mit den einstigen Modellen "Lupo" und "A2" schon mal weiter gewesen, klagt Gerd Lottsiepen.

    " Hätte der VW-Konzern diese beiden Drei-Liter-Autos konsequent weiterentwickelt, also mit zeitgemäßer Abgasreinigungstechnik ausgestattet, dann wären sie heute noch ganz knapp vor dem "Prius" die Nummer Eins. Aber: Marketingfehler, inkonsequente Konstruktion und entsprechend schlechte Verkaufszahlen haben dazu geführt, dass beide Baureihen - der "Lupo" und der "A2" vom Markt genommen wurden. Die Konzernspitze zwang stattdessen die Ingenieure, ihre Kraft auf die Entwicklung von 1001-PS-starken Luxusschlitten zu bündeln."

    Und für Dieselfahrzeuge ohne Filter gelte nun einmal der Grundsatz, dass sie in der Umweltliste des VCD nicht auftauchen können. Aber immerhin aus deutscher Sicht - Mercedes scheint da die Zeichen der Zeit verstanden zu haben. Alle Dieselmodelle sollen nun serienmäßig mit Partikelfilter angeboten werden. Ein umweltfreundliches Auto sollte also Kriterien wie geringen Schadstoffausstoß, Lärmvermeidung und Verbrauchssparsamkeit berücksichtigen. Und mit der Hybridtechnik des Testsiegers sei da auch eine zukunftsfähige Variante entwickelt worden. Der VCD hofft, dass in den nächsten Jahren auch noch einiges an Neuheiten auf dem Markt komme. Stichworte sind hier der Ethanolmotor oder auch die Fortentwicklung bei den Erdgasfahrzeugen.