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Kein Zurück zu den alten Diplomstudiengängen

Die Hochschulrektorenkonferenz will zehn Jahre nach Einführung der Bachelor- und Masterstudienabschlüsse die sogenannte Bologna-Reform auf den Prüfstand stellen. Ein Zurück zu den alten Diplomstudiengängen schloss HRK-Präsident Horst Hippler zwar aus, eine Arbeitsgruppe Vorschläge zur Korrektur von Fehlentwicklungen entwickeln.

Von Jürgen König | 21.11.2012
    Ein gelöster HRK-Präsident Horst Hippler trat heute vor die Presse, auf der Mitgliederversammlung von Göttingen hatte es zwar Diskussionen, aber keinen neuen Streit gegeben.

    "Es gab keine Jubelstürme, aber wir haben, glaube ich, eine vernünftige Sitzung gehabt. Die Frage, wie eben Äußerungen tatsächlich empfunden werden, ist natürlich sehr, sehr schwierig zu beurteilen; auf der anderen Seite ist es wichtig, dass man auch pointiert sich äußert, und das werde ich weiterhin tun. Ich hoffe aber, dass wir uns sozusagen ein bisschen nähern. Ich bin kein Feind der Fachhochschulen, das will ich hier noch mal ausdrücklich sagen. Was ich aber auch möchte, ist, dass die Fachhochschulen ihren eigenen Bildungsauftrag auch definieren. Die Diversifizierung bringt innerhalb dieser Gruppe ähnliche Probleme wie die Diversifizierung der Universitäten. Natürlich sind meine Äußerungen, wenn ich sage, nach sechs Semestern ist man kein Physiker - ich glaube, da wird mir die Deutsche Physikalische Gesellschaft zustimmen. Ob das die Fachhochschulen akzeptieren oder nicht, ist dann für mich sekundär."

    Auch in der Frage des Bologna-Prozesses meinte Horst Hippler einiges richtigstellen zu müssen.

    "Es gibt, glaub ich, niemanden mehr, der zurück möchte zu diesen wirklichen, durchgängigen Studiengängen, keinen, auch ich nicht, obwohl das einige Leute immer behaupten, auch ich bin da nicht für. Es geht aber darum, es weiter zu entwickeln. In einigen Bundesländern gibt es Unterschiede durch die länderspezifischen Strukturvorgaben, wie sozusagen Studiengänge zu gestalten sind, und dann gibt es auch Unterschiede, welches Fach Sie an welcher Hochschule tatsächlich belegen und was das Ziel eines Studiengangs ist - und diese Ziele sind ja teilweise auch hochschulspezifisch unterschiedlich, obwohl das gleiche draufsteht. Wichtig ist eigentlich, zu schauen, was ist wo gemacht worden und was kann man von anderen lernen, was kann man übertragen und was ist wo machbar".

    Um diese "Weiterentwicklung" voranzutreiben, soll eine Arbeitsgruppe der HRK die bisherige Umsetzung der verschiedenen Reformschritte systematisch untersuchen, differenziert nach Hochschularten, Wissenschaftsdisziplinen und Studiengängen, Ziel ist es, Handlungsempfehlungen auszusprechen für die Hochschulen, für den Bund und die Länder.

    Ein weiteres Thema der Versammlung waren die bevorstehenden EU-Haushaltsverhandlungen. 80 Milliarden Euro sind im geplanten Rahmenprogramm für Forschung und Innovation, "Horizon 2020", vorgesehen. Da man die Budgets schon bestehender europäischer Forschungsprogramme wie auch des neuen Bildungsprogramms "Erasmus für alle" in diese 80 Milliarden Euro von "Horizon 2020" integrieren möchte, stelle das Programm keinen finanziellen Zuwachs dar, kritisierte Horst Hippler, es schreibe nur bestehende Verhältnisse fort. Die nun drohenden zusätzlichen Kürzungen hält Horst Hippler für "sehr bedrohlich", zumal viele der geplanten Forschungsvorhaben Kernbereiche europäischer Politik berühren würden, etwa bei den Themenfeldern Energie oder Gesundheit.

    "Ich war gerade in Südamerika und habe gesehen wie Brasilien investiert in Bildung und Ausbildung, ganz systematisch nimmt man sich einen Sektor nach dem anderen vor und bauen dann dazu ihre Wirtschaft auf, das ist sehr, sehr spannend und ein tolles Beispiel dafür, wie es denn gehen kann, und wenn wir in Europa an dieser Stelle kürzen, werden wir ein echtes Problem bekommen, denn Wissenschaftler sind flüchtig, sie sind mobil, wenn die Bedingungen innerhalb Europas durch eine solche Entscheidung, Horizon 2020 zu kürzen oder klein zu machen, dann werden Wissenschaftler abwandern. Dorthin, wo sie bessere Bedingungen finden, und die findet man im Moment in Kanada, man findet sie in Asien, ich denke mal, da wird ein entsprechender Druck entstehen."

    Die gestern vorgestellten Zahlen zum Deutschlandstipendium bewertete HRK-Präsident Hippler als "sehr, sehr positiv"; zum laufenden Prüfverfahren der Dissertation von Annette Schavan durch die Universität Düsseldorf, sagte er auf Nachfrage, dass sich die HRK dazu nicht äußern werde.