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KI-Früchte auf TikTok und Instagram gehen viral: Neuer Trend wirft Fragen auf

Mal wieder wirft ein Trend in den Sozialen Medien gesellschaftliche Fragen auf. Dieses Mal geht es um von Künstlicher Intelligenz animierte Früchte oder animiertes Gemüse mit menschlichen Gesichtern. Um sie drehen sich verschiedene Kurzgeschichten. Was wie so oft bei solchen Trends albern wirkt, nimmt mitunter jugendgefährdende Dimensionen an.

    Eine von Künstlicher Intelligenz animierte Erdbeere und eine Banane mit menschlichen Gesichtern sprechen miteinander.
    Seit einigen Wochen gehen Videos vor allem auf TikTok und Instagram viral, in denen KI-animierte Früchte oder Gemüsesorten Kurzgeschichten darstellen - teils mit Gewaltinhalten. (Screenshot / TikTok )
    In diesen Videoclips geht es oft unter Titeln wie "Fruit Love Island" um Fremdgehen, und am Ende wird ein Baby geboren, das offenkundig das Ergebnis eines Seitensprungs ist. Hinzu kommen zahlreiche Ableger mit anderen Geschichten, teils harmlos, teils feindlich und gewaltverherrlichend.

    "Slops" wie die KI-Früchte fesseln binnen weniger Sekunden die Aufmerksamkeit von Nutzern

    Die Ursprünge hatten damit zunächst nichts zu tun. Sie dienten wie viele andere solcher billig und binnen weniger Minuten produzierten KI-Inhalte - "Slop" genannt - kommerziellen Zwecken oder als Ratgeber. Mit ihrer bunten Optik und mit ihren absurden Dialogen fesseln sie die Aufmerksamkeit bereits nach wenigen Sekunden und sorgen für eine hohe Verweildauer der Nutzer.
    Das wiederum aktiviert die Algorithmen, die Inhalte mit hoher Verweildauer bevorzugen. Dieser Effekt kann genutzt werden, um vor allem Kinder und Jugendliche auf fragwürdige Seiten zu locken.

    Trend knüpft an "Italian Brainrot" und "Tralalero Tralala" an

    Der KI-Früchte-Trend erinnert an den als "Italian Brainrot" bezeichneten Trend um bizarre KI-Kreaturen, etwa einen Hai mit Sneakern unter dem absurden Namen "Tralalero Tralala". Auch sie gingen viral und gehörten vergangenes Jahr zu den meistgesuchten Begriffen im deutschsprachigen Internet.
    Die Plattform Jugendschutz.net schreibt zu den KI-Früchten, was wie ein harmloser Trend wirke, entpuppe sich oft als moralisch fragwürdig, sexistisch oder rassistisch. Auch Inhalte, die blutige Gewaltszenen gegen Frauen zeigten, fänden sich. Bei Kindern und Jugendlichen könne durch solche Inhalte eine Normalisierung und Werteverschiebung stattfinden, wenn sie diese unreflektiert als Unterhaltung konsumierten. 

    Medienethik-Forscherin Heesen: "Wir wissen nichts über die Motive, sich diese KI-Früchte-Videos anzuschauen"

    In einem Video ist etwa zu sehen, wie ein Mann in Form einer Banane seine Birnen-Frau mit drastischen Worten dazu auffordert, abzunehmen. Dann betrügt er sie mit einer schlanken Erdbeere.
    Die Medienethik-Wissenschaftlerin Jessica Heesen von der Universität Tübingen gibt allerdings zu bedenken, auch wenn ein Unterhaltungsformat eine gewisse Anziehung habe, heiße das noch nicht, dass diese Verhaltensweisen übernommen würden. So einfach funktioniere Medienwirkung nicht, sagte sie der dpa. Man wisse nichts über die Motive, sich diese Videos anzuschauen.

    KI-Früchte als Vorboten der "Dead Internet Theory"?

    Beim aktuellen Boom der Fruchtvideos ist aus Sicht der Forscherin noch nicht mal klar, ob die hohen Zugriffszahlen teils durch KI-Bots zustande kämen. Die erwarteten zumindest kurzzeitig hohen Zugriffszahlen seien sicher auch die Motivation zur Erstellung der Videos, mit denen auf diese Weise viel Geld verdient werden könne. Zwischendurch gibt es daher auch Appelle von Nutzern an Nutzer, sich solche Videos nicht mehr anzusehen.
    Kulturkritiker sehen in diesen KI-Trends einen Vorboten der sogenannten Theorie des toten Internets. Demnach wird das Internet zunehmend von KI für Algorithmen geflutet und menschliche Kreativität auf diese Weise verdrängt.
    Diese Nachricht wurde am 26.04.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.