"Disdetect"
KI-gestütztes Analysewerkzeug soll Erkennen von Desinformation erleichtern

Ein mit Künstlicher Intelligenz (KI) gestütztes Analysewerkzeug soll das Erkennen von Desinformation, Hassrede und manipulierten Inhalten im Internet erleichtern. "Disdetect" unterscheide sich in einem zentralen Punkt von einem klassischen Faktencheck, teilte die Hochschule Darmstadt mit. Eine Doktorantin hat das webbasierte Tool entwickelt.

    Ein Smartphone mit aufgedeckter Falschinformation in einem sozialen Netzwerk. Die Farbgebung ist an Tik Tok angelehnt.
    Neue Technik soll beim Erkennen von Fakenews und manipulierten Inhalten im Netz helfen. Dafür sind 19 KI-Modelle zugleich im Einsatz (Symbolbild). (imago / Christian Ohde)
    Statt Inhalte automatisch zu klassifizieren und in Kategorien wie "wahr" oder "falsch" zu sortieren, analysiert "Disdetect" Texte anhand von mehr als 50 Merkmalen. So macht es auffällige Muster sichtbar, wie die Hochschule erläuterte. Es ist das Dissertationsprojekt der Informatikerin Mina Schütz.

    Große Textmengen

    Das webbasierte Werkzeug kann große Mengen von Texten analysieren. Es bewertet unter anderem, ob Beiträge emotional formuliert sind, Hinweise auf Hassrede, Desinformation und Verschwörungsmythen enthalten oder typische Merkmale von "Clickbait" aufweisen - also dem Überspitzen von Artikeln, um mehr Reichweite im Internet zu finden.

    Ergebnisse werden im Ampelsystem sortiert

    Die Ergebnisse werden visualisiert und in einem Ampelsystem in vier Farbstufen eingeordnet – von vertrauenswürdig bis kritisch. "Desinformation ist komplex. Ein Text kann faktisch korrekt sein und trotzdem manipulativ wirken – oder umgekehrt", erläuterte Schütz. "Die Kombination verschiedener Signale ermöglicht eine fundierte Einschätzung." Im Hintergrund arbeiten 19 KI-Modelle zusammen, deren Ergebnisse gebündelt werden. Zusätzlich gibt das System selbst Auskunft darüber, wie hoch die Fehlerwahrscheinlichkeit ist.

    "System unterstützt, entscheidend bleibt der Mensch"

    Medienschaffende, Wissenschaft oder Fachleute aus Behörden und Organisationen könnten mit "Disdetect" schnell erkennen, bei welchen Inhalten genauer hingeschaut werden sollte. "Die eigentliche Einordnung bleibt aber immer beim Menschen", betonte Schütz. Das System unterstütze die Analyse, treffe aber keine endgültigen Entscheidungen.
    Diese Nachricht wurde am 20.05.2026 im Programm Deutschlandfunk gesendet.