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StartseiteUmwelt und VerbraucherKinderfotos im Netz09.04.2013

Kinderfotos im Netz

Worauf Eltern achten sollten

Immer mehr Schulen und Kindergärten wollen im Internet für sich werben: mit Fotos von Festen oder besonderen Projekten. Bevor Bilder ihrer Kinder ins Netz gestellt werden können, müssen die Eltern ihre Erlaubnis erteilen. Eine Entscheidung, bei der ein paar grundsätzliche Dinge zu beachten sind.

Von Stephanie Grimme

Porträtfotos sollten Eltern lieber nicht ins Netz stellen lassen, so die EU-Initiative Klick-Safe für mehr Sicherheit im Netz. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)
Porträtfotos sollten Eltern lieber nicht ins Netz stellen lassen, so die EU-Initiative Klick-Safe für mehr Sicherheit im Netz. (picture alliance / dpa / Britta Pedersen)

"Ich find's schon ganz gut, dann sieht man ja auch, was die Kinder mit den Lehrern alles machen beim Schulprojekt oder beim Sommerfest, und außerdem kann man das Zuhause dann auch noch mal angucken."

Mit Fotos im Internet könnten Kinder ihre Eltern, Freunde oder Oma und Opa viel besser am Schulleben teilhaben lassen, finden viele Kinder.

Eltern, wie Tanja Kattenbusch oder Katharina Preugschas aus Essen, lehnen dies eher ab. Bei ihnen überwiegen die Sorgen.

"Weil wir die Befürchtung haben, dass gerade, wenn die Kinder einzeln auf dem Foto sind, Missbrauch damit betrieben werden könnte, die irgendwie verfremdet werden."

"Ich hab da gar nicht drüber nachgedacht. Ich wollte einfach, dass kein Foto meines Sohnes oder meiner Tochter einfach so im Internet ist."

Überhaupt gar keine Fotos ins Internet stellen zu lassen, ist die ganz sichere Variante, aber nicht nötig, findet Dilek Atalay von der EU-Initiative Klick-Safe für mehr Sicherheit im Netz, die ihren Sitz in Düsseldorf hat.

"Wenn das zum Beispiel Gruppenfotos sind, wo die Kinder nicht so gut zu identifizieren sind, ist das nicht so tragisch: Ich würde darauf achten, dass nicht unbedingt die Namen mit in der Unterzeile angegeben werden, das heißt, das die Identität damit nicht direkt preis gegeben wird."

Porträtfotos sollten die Eltern sicherheitshalber lieber nicht ins Netz stellen lassen, schon gar nicht welche mit Namen.

Offizielle Bilder von Schulaktivitäten wie Projektwochen oder Festen scheinen Dilek Atalay eher unbedenklich. Ein Augenmerk sollten Eltern aber auf Fotos haben, die auf Klassenfahrten gemacht werden, rät die Internet-Sicherheits-Expertin.

"Das sind dann keine offiziellen Fotos, aber gerade inoffizielle Fotos, die vielleicht Jugendliche oder Kinder untereinander mit dem Handy etc. machen können, können ja auch verfänglich sein. Weil diese Fotos, die dann auf den Handys sind, könnten dann hochgeladen werden, ins Internet eingestellt werden, und da hat man dann nicht mehr die Kontrolle drüber."

Ein Foto ohne Erlaubnis zu veröffentlichen ist verboten. Das gilt für Onlinealben, Internetseiten oder soziale Netzwerke wie Facebook. Wenn nicht eine ausdrückliche Erlaubnis vorliegt, dürfen Fotos nicht ins Netz. Und müssen auf Verlangen wieder entfernt werden!

"Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild. Und wenn jetzt ohne Ihre Erlaubnis-Erteilung jemand ein Foto von Ihnen zum Beispiel in sozialen Netzwerken einstellt, der beste Weg ist dann diese Person direkt anzuschreiben und zu sagen: 'Ich hab dir nicht die Erlaubnis gegeben, bitte lösche dieses Foto wieder.'"

Wenn das nicht geschieht, sollte man sich an den Anbieter der Webseiten wenden und die Entfernung des Bildes verlangen. Zur Not mit Hilfe eines Anwalts, rät die Polizei.
Es gibt aber noch einen weiteren Grund sehr vorsichtig mit Kinder-Fotos im Internet zu sein, findet die Essener Mutter Heide Latkovic.

"Ich sehe, dass bei meiner Tochter in der Klasse, die ist im siebten Schuljahr, da wird ordentlich rumgemobbt über irgendwelche Plattformen im Internet. Wenn ich mir vorstelle, da sind noch Fotos und da wird auch noch Schindluder mit getrieben, fände ich das ganz furchtbar."

Mobbing im Internet ist verboten und kann auch strafrechtliche Konsequenzen haben, warnt Klick-Safe-Mitarbeiterin Dilek Atalay. Erst recht, wenn dafür Fotos verwendet werden. Per Screen Shot, also einer Bildschirmkopie, sollten Betroffene Beweise sichern.

"Wenn es gezielt dafür eingesetzt worden ist, um einen zu blamieren, wenn das jetzt also ein sehr, sehr peinliches Foto ist, und es nicht entfernt wird, würde ich auch definitiv einen Screen Shot machen, und im Fall von Mobbing kann man damit auch zur Polizei damit gehen."

Ob und welche Bilder von Kindern ins Internet gelangt sind, ist nicht leicht herauszufinden. Datenschutzexperten raten regelmäßig mithilfe von Suchmaschinen zu gucken, wo man selbst und die Kinder so überall im World Wide Web auftauchen. Das geht allerdings nur, wenn die Fotos mit Namen betitelt sind. Ein Gesichts-Erkennungsprogramm, um das gesamte Internet zu durchforsten, gibt es bislang nicht.

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