Samstag, 19.10.2019
 
Seit 14:05 Uhr Campus & Karriere
StartseiteDeutschland heuteZwischen Aufklärung und Illegalität20.02.2017

Kinderwunsch-Messe in BerlinZwischen Aufklärung und Illegalität

Offen über eine Kinderwunschbehandlung zu sprechen, ist für viele Paare noch immer ein Tabuthema. Die "Kinderwunsch Tage" am 18. und 19. Februar in Berlin boten daher für Interessierte die perfekte Möglichkeit, sich zu informieren. Allerdings gab es im Vorfeld auch Kritik. Denn nicht alles, was auf der Messe präsentiert wurde, ist in Deutschland legal.

Von Sabine Büttner

Zwei eineiige Zwillings-Babys (imago / McPhoto)
Auf der Messe ist die Bandbreite an Informationen riesig - vom harmlos anmutenden Kinderwunsch-Yoga bis hin zur In-vitro-Fertilisation. (imago / McPhoto)
Mehr zum Thema

Reproduktionsmedizin Familie im Angebot

Kinderwunsch Ethische Probleme der Reproduktionsmedizin

Reproduktionsmedizin Für ein Baby nach Tschechien

Das Veranstaltungszentrum in einem Hotel in Berlin-Moabit. Überall gibt es Infobroschüren und Plakate, sie zeigen Babygesichter, Babyfüße. Über einem Stand in der Mitte der Halle schweben große, weiße Luftballons in Spermienform. Rund 50 Teilnehmer sind bei den ersten "Kinderwunsch Tagen" dabei. Nicht alle mit großen Werbebannern. Einige bleiben eher dezent, vielleicht weil sie befürchten, das Ganze könnte zu kommerziell daher kommen. Und auch die Besucher bleiben zurückhaltend. Es gibt zwei Eingänge. Die meisten nutzen den diskreteren Weg über das Foyer des Hotels.

Dass sich Interessierte auf einer Messe in Deutschland über das Thema Kinderwunsch informieren können, ist neu. Im Ausland sieht das anders aus. Veranstalter David McAllister:

"Es gibt Fruchtbarkeitsmessen in Amerika, Australien, Israel, Großbritannien, Spanien. Das Thema interessiert die Öffentlichkeit, sie will Informationen. In Deutschland sollte es – im Rahmen der gesetzlichen Beschränkungen – nicht anders sein, auch hier sollte man den Menschen helfen, Informationen darüber zu finden, wie man Eltern wird."

Riesige Bandbreite an Informationen

Werdende Eltern stehen auf einer Strohrolle im Sonnenuntergang. (picture-allinace / dpa / Patrick Pleul)Für viele Paare die Krönung ihrer Liebe: ein eigenes Kind. (picture-allinace / dpa / Patrick Pleul)

Auf der Messe ist die Bandbreite an Informationen riesig - vom harmlos anmutenden Kinderwunsch-Yoga bis hin zur In-vitro-Fertilisation, also der künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers.

Was vorab für Kritik sorgte: Auf den "Kinderwunsch Tagen" präsentieren sich auch mehrere Kliniken aus dem Ausland, die Methoden anbieten, die in Deutschland verboten sind. Die Eizellenspende etwa. Paare, die sich für diese Möglichkeit entscheiden, müssen ins Ausland reisen. Veranstalter David McAllister:

"Es passiert! Es passiert seit Jahren. Und jeder weiß, dass es passiert. Die deutsche Fruchtbarkeits-Industrie weiß, dass es passiert. Und ich bin sicher, wenn die Patienten die Möglichkeit hätten, zu Hause behandelt zu werden, würden sie das tun. Aber es gibt diese Option nicht. Die einzige Wahl ist, ins Ausland zu gehen."

Eine Wahl, die teuer werden kann

Und diese Wahl kann teuer werden. In den USA kostet eine Eizellenspende im mittleren Preissegment insgesamt um die 40.000 Euro, heißt es von einem Fruchtbarkeitszentrum aus Oregon, das auf der Messe mit dabei ist. Niedrigere Preise bieten Kliniken zum Beispiel aus Spanien oder Tschechien.

Zwischen so viel Internationalität sticht der Berliner Arzt Dr. David Peet heraus. Seine Klinik ist die einzige deutsche auf der Messe. Als er Anfang des Jahres die negative Presse über die "Kinderwunsch Tage" mitbekam, hat er überlegt, ob er seine Teilnahme doch noch absagt.

"Es sind ja von vier Berliner Praxen drei abgesprungen. Wir haben uns aber gedacht, wir müssen letzten Endes auch den Besuchern zeigen, es gibt in Deutschland Praxen, die machen gute Medizin, also da kann man durchaus auch hingehen. Man muss nicht nach Karlsbad, man muss nicht nach Barcelona und man muss nicht nach Oregon!"

Ein Forum für offene Fragen

Nein, das muss man nicht. Trotzdem fällt auf der Messe auf, dass es am Stand der Klinik aus Alicante in Spanien immer vergleichsweise voll ist; Paare Schlange stehen, um mit einem der Ärzte und Mitarbeiter dort zu sprechen. Viele Besucher nutzen die Messe als Möglichkeit, ihre Fragen stellen zu können – auch zur hier verbotenen Eizellenspende:

"Ich finde das gut, das sind Sachen, über die man nachdenken kann. Bei vielem wundere ich mich auch, dass das in Deutschland nicht möglich ist." - "Man wird da an den Rand der Legalität gestellt, manch einer ist teilweise verzweifelt und hat unbedingt den Wunsch, ne Familie zu gründen, dann wird einem da was aus gesetzlichen Gründen in den Weg gestellt, das ist halt nicht so schön."

Bewegen auf dünnem Eis

Stichwort Gesetz: Auch den Ausstellern ist natürlich bewusst, dass sie sich bei einigen Punkten auf dünnem Eis bewegen. Ein Unternehmen empfiehlt Interessierten, sich juristischen Beistand zu suchen, da sich die Gesetzlichkeiten zwischen den Nationen unterscheiden. Sehr konkrete Angaben.

Zukunftsmusik ist dagegen das "Baby Home Kit" der deutschen Humanbiologin Marion Vollmer. In dem Kästchen so groß wie eine Streichholzschachtel können Spermien zu Hause aufbereitet werden. Vollmer will es nächstes Jahr auf den Markt bringen. Die Messe-Besucher seien ganz begeistert von der Idee, weil sie mehr Privatsphäre bieten würde.

Privatsphäre – für viele Paare mit Kinderwunsch wohl eines der wichtigsten Themen. Und sicher für viele der Besucher ein Grund, auf die Messe zu kommen. Hier konnten sie sich unverbindlich umsehen und Gespräche führen, ohne Termine, anonym. Denn eine Kinderwunschbehandlung ist und bleibt für viele ein Tabuthema.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk