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StartseiteCorso"Wir reden hier von vermeintlich guter Propaganda"05.09.2019

Kino und Propaganda"Wir reden hier von vermeintlich guter Propaganda"

Propaganda-Filme zum Zweiten Weltkrieg gab es nicht nur in Nazi-Deutschland, sondern auch in den USA: Die Arte-Doku „Hollywoods zweiter Weltkrieg“ von Jascha Hannover zeigt, wie die Amerikaner dem Krieg zustimmen sollten. "Als würde Steven Spielberg in den Irak gehen", so der Regisseur im Dlf.

Jascha Hannover im Corsogespräch mit Anja Buchmann

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(Puclic Domain)
Regisseur William Wyler - Dreharbeiten im Kampfflieger (Puclic Domain)
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Hollywoods beste Regisseure arbeiteten, von Präsident Roosevelt gesteuert, als Propagandafilmer für die US-Army: William Wyler, Anatole Litvak, Frank Capra, George Stevens oder – im Nachkriegsdeutschland – Billy Wilder. Einige von ihnen kamen aus Europa und kehrten während des Kriegseinsatzes in die "Alte Welt" zurück. Der Kölner Regisseur Jascha Hannover über seine Dokumentation "Hollywoods zweiter Weltkrieg": "Man muss sich das vorstellen, als würden Steven Spielberg oder Martin Scorsese in den Irak gehen und dort Propaganda machen, um das Land von dem Krieg zu überzeugen", meinte er im Deutschlandfunk.

Anschauung und Kriegsmotivation für amerikanische GIs

Die Filmemacher waren vielfach europäische Immigranten, die wegen der Nazis nach Amerika geflohen waren und nun Filme drehten, um die kriegsmüden Amerikanerinnen und Amerikaner vom Eintritt in den Zweiten Weltkrieg zu überzeugen. Dabe entstanden Filme wie von William Wyler, bei denen er "unter höchstem persönlichen Risiko gedreht" habe und dabei beinahe ums Leben gekommen wäre, so Hannover.

Andere Werke, wie die Serie "Why we fight" von Frank Capra, seien vor allem aus "Material von den Nazis montiert" und neu zusammen gesetzt worden - auch für amerikanische GIs zur Anschauung und Kriegsmotivation. Denn noch 1939 hätten 90 Prozess der Amerikaner gesagt: "Das mit dem Krieg sollten die Europäer unter sich regeln", erläuterte der Regisseur.

"Wir hinterfragen den Kriegseinsatz der Vereinigten Staaten nicht mehr"

Besonders heute sind die Grenzen von Propaganda nicht immer leicht zu ziehen. "Wir reden hier von vermeintlich guter Propaganda", so Jascha Hannover, "wir hinterfragen an sich den Kriegseinsatz der Vereinigten Staaten nicht mehr".

Frank Capra, mid-1940s Co-producer, Why We Fight (1943-45)  documentary series Shown at right: Frank Capra (Photofest)Frank Kapra bei den Arbeiten zur Serie "Why we fight" (Photofest)

In Frank Capras "The Battle of Russia" schlage das Ganze allerdings deutlich in Richtung "Geschichtsrevision oder Lüge" um: Der Film sei gemacht worden, um in den USA die Sowjetunion als einen Verbündeten zu legitimieren und habe "viele Dinge außen vor gelassen und geschönt", meinte der Regisseur im Corsogespräch.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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