Dienstag, 16. April 2024

Konzert mit Klangforum Wien: Werke György Ligeti
Der Ungar in Österreich

Dirigent Péter Eötvös stellt heraus, dass György Ligeti nach dem ungarischen Aufstand 1956 nach Wien floh und dort wirkte. "Tatsächlich vertritt seine Musik beide Kulturen." Und so widmet das Klangforum Wien ein Konzert Ligeti, der später 16 Jahre in Deutschland wirkte.

Am Mikrophon: Egbert Hiller | 21.05.2023
Blick auf ein Puzzle mit den Nationalflaggen von Österreich und Ungarn, die miteinander verbunden werden können.
Der unglückliche Verlauf des Ungarischen Aufstandes 1956 veranlasste ungarische Bürger, ihr Land irgendwie Richtung Österreich zu verlassen. (imago images / edna)
Als Spezialist für Ligetis Musik dirigiert hier sein Landsmann Peter Eötvös das Klangforum Wien bei einem Konzert des Musikfestivals Heidelberger Frühling. Er führt auf eine aufregende Reise in Ligetis Klangkosmen.
Und er vertritt die These, Ligeti sei nicht ausschließlich ein Ungar, denn nach dem Ungarischen Volksaufstand 1956, bei dem sich die Bevölkerung gegen die Regierung der Kommunistischen Partei und der sowjetischen Besatzungsmacht erhob, verließ Ligeti sein Land.

Der Ungar als Österreicher?

Eötvös meint: "Für uns ist Ligeti natürlich ein ungarischer Komponist, obwohl er hauptsächlich im Westen gelebt hat nach 1956, als er Ungarn verlassen hatte nach der Revolution. Die Zusammenarbeit zwischen dem Palast der Künste in Budapest und dem Klangforum und dem Heidelberger Festival ist entstanden aus dem Grunde gerade, dass Ligeti als ungarischer und als österreichischer Komponist gesehen werden kann. Tatsächlich, seine Musik vertritt beide Kulturen, muss ich sagen. "
Das trifft für eine gewisse Zeit zu. Denn Ligeti wirkte auch 16 Jahre lang als Professor in Hamburg und lebte in Deutschland.

Blick auf musikalische Rollenverteilung

Das Mit- und Gegeneinander von Solo und Orchester reizte den Nachkriegs-Avantgardisten György Ligeti in besonderem Maße. Die Auseinandersetzung mit der Tradition spielte dabei eine große Rolle für ihn. Der in Ungarn geborene Komponist entwickelte die Konzertgattung höchst eigensinnig weiter: Im Cellokonzert von 1966 geht das Soloinstrument im Komplex der Orchesterbesetzung fast vollständig auf.
Im Kammerkonzert von 1970 werden alle Musikerinnen und Musiker als Solisten behandelt. Und im Violin- wie im Klavierkonzert durchdringen sich spektakuläre Virtuosität und vielschichtige Rhythmik und Harmonik.
Auf einer Konzertbühne mit einem Ensemble im Hintergrund bedankt sich ein älterer Herr mit einer Verbeugung und Händedruck bei einem Mann mit einer Geige in der Hand.
Dirigent Péter Eötvös bedankt sich herzlich vor dem Klangforum Wien und dem Publikum beim Geiger Barnabás Kelemen für seine Interpretation der Solopartie des Konzertes für Violine und Orchester von György Ligeti. (Heidelberger Frühling / studio visuell)
Aufnahme vom 04.04.2023 aus der Aula der Neuen Universität, Heidelberg im Rahmen des Musikfestivals Heidelberger Frühling
György Ligeti (1923–2006)
Kammerkonzert für 13 Instrumentalisten
Konzert für Violine und Orchester
Konzert für Violoncello und Orchester
Konzert für Klavier und Orchester

Barnabás Kelemen, Violine
László Fenyő, Violoncello
Zoltán Fejérvári, Klavier

Klangforum Wien
Leitung: Péter Eötvös