Eine von unzähligen Baustellen im Zentrum von Bratislava. Überall wird hier gebaut, das ganze rechte Donauufer, gegenüber der historischen Altstadt, entlang zieht sich ein Gürtel noch leer stehender moderner Gebäudekomplexe. Bratislava ist für Bau-Investoren eine Art Wilder Westen geworden, meint der Architekt Matus Vallo:
"Der Bauboom wird von den Politikern kaum reguliert, es gibt so gut wie keine Auflagen für die Investoren. Dazu kommt noch das hohe Maß an Korruption in der Stadtverwaltung. Und so baut in den letzten fünf Jahren einfach jeder drauf los. Das wird Bratislava noch teuer zu stehen kommen."
Bezahlt hat die Stadt bereits mit einigen alten Industriebauten, die dem Bauboom zum Opfer fielen. Prominentes Beispiel: die alte Kabelfabrik, Kablovka, in der Nähe des Busbahnhofs.
Denkmalschützer stehen den Abrissbirnen hilflos gegenüber. Man sei von der Flut an Developern und ihren harten Methoden völlig unvorbereitet überrollt worden, sagt Jana Sulcova vom Slowakischen Denkmalschutzamt:
"Und die Stadtverwaltung legt hier keinerlei moralische Kriterien an, um den Bauboom unter Kontrolle zu halten. Es kann doch nicht angehen, dass hier einfach nur die Gesetze des freien Marktes walten: wenn du Geld hast, kauf dir, was du willst und mach damit, was du willst. Das ist doch keine Haltung."
Unmut über die städteplanerische Laissez faire-Haltung des Magistrats regt sich auch in Architektenkreisen. Die beiden jungen Baukünstler Matus Vallo und Oliver Sadovsky kritisieren vor allem, dass in Bratislava zwar private Investoren immer mehr moderne Gebäude aus dem Boden stampfen, der öffentliche Raum um die Neubauten herum aber weitgehend verwahrlose.
Verwahrloster öffentlicher Raum: ein Erbe aus kommunistischen Zeiten: Städte, die komplett am Menschen vorbei geplant wurden und keine Luft bieten, sich zu entfalten. Öffentlicher Raum als notwendiges Übel, die eigenen vier Wände als rettende Zuflucht.
Vallo und Sadovsky wollen sich damit nicht zufrieden geben. Sie sehen im öffentlichen Raum Bratislavas viel Gestaltungspotenzial und haben an die Architekten der Stadt appelliert, dieses Potenzial gemeinsam zu nutzen.
"Wir wollten der Stadtverwaltung von vornherein den Wind aus den Segeln nehmen und konstruktive Kritik üben. Damit es nicht gleich wieder heißt, man wisse nicht, wie man den öffentlichen Raum verbessern kann. Deshalb haben wir einen Katalog von Projekten entwickelt und sie in einer kleinen Ausstellung präsentiert: Städtische Interventionen haben wir das Projekt genannt. Wir wollten damit den Politikern den Weg zeigen."
Mit konkreten Vorschlägen wie der Verbreiterung von Fußwegen oder der Begrünung von Flußufern wollen Vallo und Sadovsky auch das Image der slowakischen Architekten ein wenig aufbessern. Denn diese würden von der Öffentlichkeit häufig unter einer Decke mit den Investoren vermutet, sagt Matus Vallo:
"Die Menschen haben das Gefühl, dass die Architekten käuflich sind und öffentliche Gebäude für die Developer bauen, ohne auf die Umgebung Rücksicht zu nehmen. Natürlich gibt es die auch – Baumeister, die keine Beziehung zu der Stadt haben und ohne moralische Bedenken einfach das bauen, was der Investor sagt. "
Mit ihrer Idee sind die beiden Architekten auf unerwartet positive Resonanz gestoßen, erzählt Oliver Sadovsky:
"Viele Leute haben selbst Vorschläge, wie man an bestimmten Orten die Situation verbessern könnte. Und das sind keine Architekten, sondern ganz normale Leute, denen es einfach wichtig ist, wie es hier aussieht. Und wir haben gehört, dass die Stadt einen konkreten Entwurf von uns umsetzen möchte – den verbreiterten Bürgersteig in der Zidovska ulice. Und paradoxerweise haben angeblich sogar einige Investoren Interesse an unseren Vorschlägen bekundet. Bislang hat sich aber noch niemand bei uns gemeldet. Schaun wir mal."
Das Projekt Städtische Interventionen steht erst am Anfang. Im Herbst soll es richtig losgehn:
"Da wollen wir eine große Ausstellung veranstalten und der Öffentlichkeit um die 30 konkrete Vorschläge zur Verbesserung des öffentlichen Raumes präsentieren. Damit noch größerer Druck entsteht auf die Stadtbeamten."
"Der Bauboom wird von den Politikern kaum reguliert, es gibt so gut wie keine Auflagen für die Investoren. Dazu kommt noch das hohe Maß an Korruption in der Stadtverwaltung. Und so baut in den letzten fünf Jahren einfach jeder drauf los. Das wird Bratislava noch teuer zu stehen kommen."
Bezahlt hat die Stadt bereits mit einigen alten Industriebauten, die dem Bauboom zum Opfer fielen. Prominentes Beispiel: die alte Kabelfabrik, Kablovka, in der Nähe des Busbahnhofs.
Denkmalschützer stehen den Abrissbirnen hilflos gegenüber. Man sei von der Flut an Developern und ihren harten Methoden völlig unvorbereitet überrollt worden, sagt Jana Sulcova vom Slowakischen Denkmalschutzamt:
"Und die Stadtverwaltung legt hier keinerlei moralische Kriterien an, um den Bauboom unter Kontrolle zu halten. Es kann doch nicht angehen, dass hier einfach nur die Gesetze des freien Marktes walten: wenn du Geld hast, kauf dir, was du willst und mach damit, was du willst. Das ist doch keine Haltung."
Unmut über die städteplanerische Laissez faire-Haltung des Magistrats regt sich auch in Architektenkreisen. Die beiden jungen Baukünstler Matus Vallo und Oliver Sadovsky kritisieren vor allem, dass in Bratislava zwar private Investoren immer mehr moderne Gebäude aus dem Boden stampfen, der öffentliche Raum um die Neubauten herum aber weitgehend verwahrlose.
Verwahrloster öffentlicher Raum: ein Erbe aus kommunistischen Zeiten: Städte, die komplett am Menschen vorbei geplant wurden und keine Luft bieten, sich zu entfalten. Öffentlicher Raum als notwendiges Übel, die eigenen vier Wände als rettende Zuflucht.
Vallo und Sadovsky wollen sich damit nicht zufrieden geben. Sie sehen im öffentlichen Raum Bratislavas viel Gestaltungspotenzial und haben an die Architekten der Stadt appelliert, dieses Potenzial gemeinsam zu nutzen.
"Wir wollten der Stadtverwaltung von vornherein den Wind aus den Segeln nehmen und konstruktive Kritik üben. Damit es nicht gleich wieder heißt, man wisse nicht, wie man den öffentlichen Raum verbessern kann. Deshalb haben wir einen Katalog von Projekten entwickelt und sie in einer kleinen Ausstellung präsentiert: Städtische Interventionen haben wir das Projekt genannt. Wir wollten damit den Politikern den Weg zeigen."
Mit konkreten Vorschlägen wie der Verbreiterung von Fußwegen oder der Begrünung von Flußufern wollen Vallo und Sadovsky auch das Image der slowakischen Architekten ein wenig aufbessern. Denn diese würden von der Öffentlichkeit häufig unter einer Decke mit den Investoren vermutet, sagt Matus Vallo:
"Die Menschen haben das Gefühl, dass die Architekten käuflich sind und öffentliche Gebäude für die Developer bauen, ohne auf die Umgebung Rücksicht zu nehmen. Natürlich gibt es die auch – Baumeister, die keine Beziehung zu der Stadt haben und ohne moralische Bedenken einfach das bauen, was der Investor sagt. "
Mit ihrer Idee sind die beiden Architekten auf unerwartet positive Resonanz gestoßen, erzählt Oliver Sadovsky:
"Viele Leute haben selbst Vorschläge, wie man an bestimmten Orten die Situation verbessern könnte. Und das sind keine Architekten, sondern ganz normale Leute, denen es einfach wichtig ist, wie es hier aussieht. Und wir haben gehört, dass die Stadt einen konkreten Entwurf von uns umsetzen möchte – den verbreiterten Bürgersteig in der Zidovska ulice. Und paradoxerweise haben angeblich sogar einige Investoren Interesse an unseren Vorschlägen bekundet. Bislang hat sich aber noch niemand bei uns gemeldet. Schaun wir mal."
Das Projekt Städtische Interventionen steht erst am Anfang. Im Herbst soll es richtig losgehn:
"Da wollen wir eine große Ausstellung veranstalten und der Öffentlichkeit um die 30 konkrete Vorschläge zur Verbesserung des öffentlichen Raumes präsentieren. Damit noch größerer Druck entsteht auf die Stadtbeamten."