Donnerstag, 29.10.2020
 
Seit 15:05 Uhr Corso - Kunst & Pop
StartseiteUmwelt und VerbraucherMildes Wetter schadet Fauna und Flora kaum09.01.2014

KlimaMildes Wetter schadet Fauna und Flora kaum

Derzeit herrscht in Deutschland ein mildes, fast frühlingshaftes Wetter. Jens Fildebrandt vom Deutschen Wetterdienst erklärte gegenüber dem DLF, dass die Schwankungsbreite im Winter in Deutschland groß ist: von minus 20 bis 15 Grad plus. Die heimische Tier- und Pflanzenwelt sei daran angepasst.

Eine Biene sitzt am 7.1.2014 in Köln auf einer Blüte. (dpa)
Das ungewöhnlich warme Januarwetter treibt die Bienen aus ihren Stöcken. (dpa)
Weiterführende Information

Wintereinbruch - Frost sogar in Florida (DeutschlandradioKultur, 07.01.2014 | ORTSZEIT)

Stefan Römermann: Während die Menschen in weiten Teilen der USA zurzeit bei rekordverdächtigen Minusgraden bibbern müssen, herrschen hierzulande regelrecht frühlingshafte Temperaturen: Schneemann bauen und Schlittschuh laufen fällt deshalb vorerst wohl aus, der dicke Wintermantel muss im Schrank bleiben. Und auch die Tier- und Pflanzenwelt bringt das milde Wetter etwas durcheinander. Am Telefon bin ich jetzt verbunden mit Jens Fildebrandt vom Deutschen Wetterdienst in Braunschweig. Guten Morgen, Herr Fildebrandt!

Jens Fildebrandt: Schönen guten Tag, Herr Römermann!

Römermann: Guten Tag! Man hört ja jetzt schon viele Vögel zwitschern, was um diese Jahreszeit eher ungewöhnlich ist. Ist das milde Wetter denn für Vögel und andere Tiere eher gut oder schlecht, kann man das so sagen?

Fildebrandt: Ich denke mal, das kann man so pauschal nicht sagen, aber ich nehme an, dass die Tierwelt also das sicher dankend aufnimmt, wenn es jetzt nicht sehr frostig ist oder dann auch dadurch die Futtersuche erschwert wird. Also ich denke mal, die Tierwelt ist da eher dankbar drüber.

Römermann: Und was ist mit Tieren, die Winterschlaf halten? Haben die jetzt unter Umständen ein Problem?

Fildebrandt: Also man muss dazu sagen, dass gerade in Deutschland also die Schwankungsbreite im Winter groß ist, von tiefen Temperaturen bis unter minus 20 sind aber auch durchaus 10 bis 15 Grad plus möglich. Diese Schwankungsbreite haben wir, und da ist auch die heimische Tier- und Pflanzenwelt letztendlich angepasst.

Römermann: Aber was ist denn, wenn es jetzt noch mal wirklich wieder kälter wird? Das ist ja jetzt, glaube ich, abzusehen, wenn ich das richtig verstanden habe. Kann das Probleme geben?

Am Wochenende wird es kälter

Fildebrandt: Ja, es sieht tatsächlich so aus, dass es am Wochenende allmählich beginnt und im Verlauf der nächsten Woche doch von Norden und Nordosten her deutlich kälter wird, zumindest im nördlichen und östlichen Bereich von Deutschland ist dann verbreitet Frost nachts und teilweise auch tagsüber mit Frostwetter zu rechnen. Nach Süden und Südwesten zieht sich das scheinbar noch ein bisschen in die Länge, und alles, was jetzt schon ein bisschen rausgewachsen ist, das betrifft auch landwirtschaftliche Kulturen und so, da könnte es tatsächlich, wenn es jetzt ohne Schnee abgeht, also sogenannte Kahlfröste eintreten, dass es da, wenn die sehr streng werden, zu Auswinterungsschäden kommt, das heißt, die Ernte dann entsprechend geringer ausfallen kann bei bestimmten Kulturen.

Römermann: Ja, das habe ich auch durchaus bei uns im Garten beobachtet, dass die Winterbohnen schon irgendwie sehr weit sind. Kann ich da irgendwas tun, falls es dann doch noch kalt wird, haben Sie da vielleicht irgendwelche Tipps vielleicht sogar noch auf Lager?

Fildebrandt: Also soweit wie ich informiert bin, gibt es natürlich überall im Garten und auch bei den Wildpflanzen Wachstumsregung, aber es hält sich wohl momentan insofern noch in Grenzen, dass, sollte jetzt Frost wieder kommen, was relativ wahrscheinlich ist, es keine allzugroßen Schäden gibt. Problematisch wäre es nur, wenn es jetzt auch noch den ganzen Januar und vielleicht noch den Teil eines Februars sehr mild bleibt und dann ganz zum Schluss noch mal ein strenger Frost kommt, dann wären die Schäden größer. Aber ich denke, wir können wohl Glück haben, dass durch diese Abkühlung jetzt sich etwaige Schäden doch in Grenzen halten werden.

Aktuell blüht bereits die Haselnuss

Römermann: Man sieht ja inzwischen auch die ersten Blumen und auch die ersten Sträucher blühen inzwischen. Inwiefern muss man sich denn als Allergiker Sorgen machen?

Fildebrandt: Also aktuell ist es hauptsächlich die Haselnuss, die blüht, das kann man sagen, die letzten 10, 15 Jahre ist die teilweise sehr früh immer am Blühen und das heißt, dass da auch letztendlich der Pollen freigesetzt wird. Man muss dann aber zu Bedenken geben, dass doch gerade in West- und Norddeutschland sehr viel Niederschläge auch immer gefallen sind, das heißt, die Pollen werden relativ zügig dann auch ausgespült aus der Atmosphäre. Und andere Sachen wie Gräser und Birke, das blüht momentan noch nicht und wird sich wohl auch noch weiter verzögern. Also für Allergiker, die wirklich jetzt auf die ersten Pollen reagieren im Extremfall, ja, gibt es natürlich Beschwerden. Aber auch das hält sich noch in Grenzen.

Römermann: Gut, und die Bäume, haben Sie ja eben auch schon quasi mit angedeutet, die werden das im Zweifelsfall auch aushalten. Aber was ist denn beispielsweise auch mit Schädlingen, Baumschädlinge wie die Borkenkäfer oder Ähnliches, wachen die jetzt auf und fangen dann an, die Bäume zu schädigen, oder muss ich mir da auch keine Gedanken machen um den Wald?

Fildebrandt: Bei Borkenkäfer ist das auch jetzt nicht das Problem, da ist es eher so, dass feuchte und auch nasse Witterung und milde Witterung teilweise auch zu einer Dezimierung, gerade bei diesen Schädlingen, beiträgt, weil die dann selbst von Pilzen befallen werden und letztendlich den Kürzeren ziehen. Bei allen anderen Sachen ist es tatsächlich so, in der Landwirtschaft, dass sich Pilze und auch Blattläuse im Prinzip vermehren könnten, aber dazu müsste das jetzt noch länger anhalten, und der Schlussstrich wird sehr wahrscheinlich nächste Woche schon gezogen.

Römermann: Jens Fildebrandt vom Deutschen Wetterdienst, vielen Dank nach Braunschweig!

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk